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48 Jahre Grundstückspolitik erschwert Plan B

48 Jahre Grundstückspolitik erschwert Plan B

Der Bürger hat am 24. Juli seine Entscheidung getroffen und sowohl den Kammerspielen als auch der Mittelschule im Grünring seine Absage erteilt. Schnell wird der Ruf nach einer rechtzeitigen Bereitstellung von Plan B oder C zu den einst so alternativlosen Standorten laut.

Vor allem Hans Stachel von den Freien Wählern hat dies „schon immer gefordert“, wie er betont. Dabei vergisst er, dass man für Plan B oder C auch geeignete Grundstücke im städtischen Eigentum haben muss. Für die städtische „Grundstückspolitik“ war von 1972 bis Ende April 2020 in Ingolstadt die CSU verantwortlich. Seit 2008 wurde diese Grund-stückspolitik von den Freien Wählern als Koalitionspartner mitgetragen, auch wenn seit 2002 bis zum Schluss in erster Linie der CSU Bürgermeister Albert Wittmann maßgeblich dafür verantwortlich zeichnete
Einer der wenigen erfolgreichen Coups in diesen 48  Jahren war es, den Standort für das Klinikum westlich von Friedrichshofen festzulegen anstatt es wie ursprünglich geplant auf dem heutigen Volksfestplatz an der Dreizehner Straße zu bauen. Diese Initiative war ein-zig und allein auch gegen innerparteiliche Widerstände dem damaligen Kreisvorsitzenden der CSU  Dr. Elmar Spranger zu verdanken, der allein dafür die Ehrenbürgerwürde verdient gehabt hätte, vielleicht mehr als manch anderer.

Vor allem ab 2002 mit dem beginnender Wohnimmobilienboom ging es in erster Linie darum, potente Investoren zu bedienen oder auch für Projekte wie das Kongresshotel mit ins Boot zu nehmen und als Stadt kräftig daran mitzuverdienen, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist, wenn man dabei nicht den Grunderwerb für städtische Projekte vergisst. In diesem Zusammenhang wird schnell auch vergessen, dass nach dem Wegfall der Max-Immelmann-Kaserne wegen der Flüchtlinge ab 2015 eine Realisierung der Kammerspiele im Klenzepark nicht mehr möglich erschien und OB Lösel und Bgm. Wittmann selbst den Standort an der Schutterstraße ins Spiel gebracht haben, von dem sie dann später nichts mehr wissen wollten. Lösel eher heimlich und Witttmann dagegen offensiv als erklärter Gegner dieses Standorts. Soviel zum Thema Glaubwürdigkeit.

Wenn man jetzt von einem Plan B oder C spricht, so muss man feststellen, dass die Stadt Ingolstadt für beide Projekte keine geeigneten Grundstücke hat, wegen der Grundstücks-politik in der jüngeren Vergangenheit. Als 2018 bei dem RIETER Grundstück der Versuch unternommen wurde, zumindest dort einen Schulstandort zu sichern, wurde dieser von der damaligen Stadtregierung und ihrer Mehrheit mit der Stimme von Hans Stachel abge-schmettert. Man überließ dies ganz der Gerch Group.

Vielleicht hätte man sich hier eine Scheibe von der Marktgemeinde Gaimersheim ab-schneiden können, die es stets verstanden hatte, die Grundstücke für ihre gemeindlichen Projekte rechtzeitig in ihre Eigentum zu bekommen, egal ober Bürgermeister Meier SPD, Knapp CSU oder jetzt Andrea Mickel SPD hießen, notfalls auch unter Ausnutzung des kommunalen Vorkaufsrecht einer Kommune. Dies ist jedoch ein Instrument, welches in der Vergangenheit in Ingolstadt kaum zur Anwendung gekommen ist.


Robert Bechstädt, Ingolstadt

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