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Nach dem Ammoniakaustritt in einem Schlachtbetrieb an der Ingolstädter Scheelestraße ermittelt die Staatsanwaltschaft Ingolstadt. Das Verfahren richtet sich derzeit gegen Unbekannt.
„Ermittlungen im Hinblick auf die Ursache des Ammoniakaustritts und auf mögliche Verantwortliche werden von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt durchgeführt“, teilte Oberstaatsanwältin Petra Osthoff, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Ingolstadt, auf erneute Anfrage von O-T(h)öne mit.
Damit ist der Vorfall nun Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen. Es geht jetzt nicht mehr nur um politische Nachfragen, interne Einsatznachbesprechungen und die Debatte über den Informationsfluss gegenüber dem Stadtrat. Nun prüft auch die Justiz, wie es zu dem Ammoniakaustritt kommen konnte und ob Verantwortliche strafrechtlich in Betracht kommen.
Das Ermittlungsverfahren richte sich „gegen Unbekannt“. Im Raum stehe der Tatverdacht der „Luftgefährdung und fahrlässigen Körperverletzung“, so Osthoff.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird die Ursache des Ammoniakaustritts derzeit aufgeklärt. Geprüft werde, „ob technische Mängel, menschliches Fehlverhalten, Wartungsmängel, organisatorische Versäumnisse oder Verstöße gegen Sicherheitsvorgaben ursächlich gewesen sind“, erklärte die Pressesprecherin.
Auch die betroffenen Personen sind Teil der Ermittlungen. „Ebenfalls wird im Zusammenhang mit den betroffenen Personen, insbesondere den Kliniktransporten, auch wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt und Verantwortlichkeiten überprüft“, teilte Osthoff mit. „Nähere Einzelheiten können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden“.
Das Nachrichtenportal O-T(h)öne bekam zudem am Tag nach dem Ereignis Hinweise, wonach Einsatzkräfte, die vor Ort nicht medizinisch betreut worden waren, später ärztliche Hilfe gesucht haben sollen. Diese Hinweise lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Sollten sie sich als zutreffend erweisen, könnte dies für die weitere Bewertung des Einsatzes, die Zahl tatsächlich betroffener Personen und die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein.
Bei dem Ammoniakaustritt waren nach Angaben der Feuerwehr mehrere Beschäftigte des Betriebs betroffen. Zudem mussten elf Einsatzkräfte rettungsdienstlich versorgt und medizinisch betreut beziehungsweise beurteilt werden. Ein Feuerwehrangehöriger wurde zur weiteren medizinischen Abklärung in ein Krankenhaus gebracht.
Genau diese Zahl hatte bereits im Stadtrat Fragen ausgelöst. Die Freien Wähler hatten wissen wollen, wie es zu den betroffenen Einsatzkräften kommen konnte, welche Konsequenzen für ihren Schutz gezogen werden und wer die Einsatzverantwortung hatte. Dabei ging es nicht um eine pauschale Kritik an der Feuerwehr, sondern um den Ablauf eines Gefahrguteinsatzes, bei dem eigene Kräfte medizinisch versorgt werden mussten.
Auch der Informationsfluss wurde Thema. Die Freien Wähler kritisierten, dass der Stadtrat nicht unmittelbar informiert worden sei. Nach Darstellung der Verwaltung waren Öffentlichkeit und Medien über Warnkanäle und Pressemitteilungen informiert worden. Im Rat blieb dennoch die Frage stehen, ob Stadträte bei einer solchen Lage früher direkt hätten unterrichtet werden müssen.
Die Ermittlungen geben dieser Debatte zusätzliches Gewicht. Denn geprüft wird nun nicht nur, dass Ammoniak ausgetreten ist. Geprüft wird auch, warum es dazu kam und ob technische, organisatorische oder menschliche Ursachen eine Rolle spielten.
Offen bleibt derzeit, ob und in welchem Umfang auch Fragen des Einsatzablaufs, der Lagebeurteilung, der Führungsstruktur, der Schutzmaßnahmen, der persönlichen Schutzausrüstung oder der Dekontamination strafrechtlich mitgeprüft werden. Auch zu möglichen Prüfungen nach Feuerwehr-Dienstvorschriften, zu einer etwaigen Strafanzeige gegen einen Einsatzverantwortliche n oder zu möglichem audiovisuellem Rohmaterial machte die Staatsanwaltschaft keine näheren Angaben.
Klar ist aber: Der Vorfall ist nicht abgeschlossen. Die Stadt hat Einsatznachbesprechungen angekündigt, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die strafrechtliche Aufarbeitung und die politische Frage nach Information, Verantwortung und Schutz der Einsatzkräfte laufen damit parallel.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.