Antworten Ingolstädter Politiker zum Arbeitsklima in der Stadtverwaltung Ingolstadt

Antworten Ingolstädter Politiker zum Arbeitsklima in der Stadtverwaltung Ingolstadt

(tt) Die "Frage der Woche" bei O-T(h)öne lautet:

„Das Thema "Arbeitsklima in der Stadtverwaltung Ingolstadt" ist derzeit in der kommunalpolitischen Diskussion. Wie bewerten Sie dieses und was muss zur Verbesserung getan werden?"

Patricia Klein (CSU-Fraktionsvorsitzende), Petra Kleine (Oberbürgermeisterkandidatin der GRÜNEN), Christian Scharpf (SPD), Christian Lange (BGI), Hans Stachel (Freie Wähler), Jürgen Köhler (Oberbürgermeisterkandidat der UDI), Raimund Köstler (ÖDP), Jakob Schäuble (Oberbürgermeisterkandidat der FDP) und Christian Pauling (Oberbürgermeisterkandidat der LINKEN) wurden am 24. November um eine Antwort gebeten.

Nachfolgend die bewusst ungekürzten und redaktionell nicht bearbeiteten Rückäußerungen, in der Reihenfolge des Eingangs der Beantwortung. O-T(h)öne bedankt sich für die Beantwortung des Fragenkomplexes bei allen politischen Akteuren, die mitgewirkt haben.

Christian Lange, Oberbürgermeisterkandidat der Bürgergemeinschaft (BGI):

Es ist schon erstaunlich, dass über berechtigte Kritik eine konstruktive und offene Diskussion nicht geführt werden kann. Reflexartig reagieren der Oberbürgermeister, sein Stellvertreter und seit neuestem auch das Presse- und Informationsamt sofort mit Gegenargumenten und plakativer Schönrederei. „Das Klima ist gut und wir dürfen es nicht schlechtreden ...“, hieß es sofort. Aber jeder in Ingolstadt, der nur einen Hauch von Ahnung hat, wie es gerade in der Verwaltung und den städtischen Beteiligungen zugeht, bestätigt, dass es an einigen Stellen ordentlich knirscht. Da hilft das „offizielle Schönreden“ des Personalreferenten überhaupt nicht weiter. Im Gegenteil, es frustriert die Mitarbeiter noch mehr, denn sie gewinnen den Eindruck, dass Kritik nicht akzeptiert wird, nicht gewünscht wird und keine Konsequenzen hat. Schuld ist die Machthierarchie im Rathaus der Stadt: Alles läuft über einen Schreibtisch und vieles wird politisch im CSU-Haus vorbesprochen und entschieden. Die Fachkompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist oft nicht mehr gefragt.

Nach der Wahl werde ich mich dafür einsetzen, dass sich das Verhalten der Führung im Rathaus grundlegend ändert: Es wird wieder delegiert und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertraut. Die Mitarbeiter der Verwaltung sind die Experten und sie entscheiden, wie ein Vorgang zu bearbeiten ist. Der Oberbürgermeister und die Bürgermeister sind im besten Fall Coach ihrer Mitarbeiter, sie erkundigen sich nach den notwendigen Voraussetzungen für funktionierende und erfüllende Arbeitsbedingungen und eine angenehme Arbeitsatmosphäre in den Ämtern, Abteilungen und Referaten. Mit diesem Wissen schaffen die Bürgermeister Strukturen für eine erfolgreiche Verwaltungsarbeit. Die Bürgermeister unterlassen es, in die Aufgaben der Verwaltung und der Beteiligungsunternehmen „hineinzuregieren“ und alles „zur Chefsache“ zu machen. Eine Anordnung der Stadtspitze, dass „aus politischen Gründen anders entschieden und gehandelt wird“, als es die Experten vorschlagen, muss der Vergangenheit angehören. Ich bin mir sicher, dass dann das Klima in der Verwaltung schlagartig besser wird.

Dr. Christian Scharpf, Oberbürgermeisterkandidat der SPD:

"Zunächst einmal: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung arbeiten nicht für einen Oberbürgermeister, eine Stadtspitze oder gar für eine regierende Partei. Sie arbeiten ausschließlich für die Bürgerinnen und Bürger, für das Funktionieren des täglichen Zusammenlebens in unserer Stadt, für das Gemeinwohl. Ein Oberbürgermeister und ein Stadtrat können nur dann gute Entscheidungen treffen, wenn auch die Arbeit der Beschäftigten in der Stadtverwaltung gut ist, wenn die Kolleginnen und Kollegen motiviert sind, kreativ sind, Eigeninitiative zeigen und Verantwortung übernehmen.

Nach vielen Gesprächen mit Beschäftigten im Rathaus stelle ich fest: Um das Klima in der Stadtverwaltung scheint es nicht gut bestellt zu sein. Angstkultur, Entscheidungslähmungen und eine Motivation auf dem Tiefpunkt. Dabei geht es ja nicht (nur) um zu viel Arbeit. Es geht um eine Kultur, die abhanden gekommen ist: Vertrauen, Wertschätzung, Offenheit und eine Atmosphäre des Miteinanders. Und es geht auch um eine Arbeitsweise, die abhanden gekommen ist: Entscheidungen dürfen nicht im kleinen Kämmerchen in kleinen Zirkeln fallen. Entscheidungen werden von den fachlich versierten Beamten und Angestellten in der Stadtverwaltung vorbereitet, sie werden gehört, auf ihren Rat wird etwas gegeben, sie sind es, die die Entscheidungen des Stadtrats und der Stadtspitze vorbereiten. Die Fachlichkeit muss wieder das Sagen bekommen.

Die Mitarbeiter müssen motiviert sein, sie müssen wissen, dass es auf sie ankommt, auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, sie sollen innerhalb der Verwaltung um die besten Entscheidungsvorschläge ringen, um das Beste für die Stadt rauszuholen.

Was kann ein OB tun? Selbstverständlichkeiten wie Jour Fixe mit allen Referenten, nicht nur denen der eigenen Partei, hierarchiefreie Mitarbeitersprechstunden für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Wertschätzung, Offenheit für Ideen und Vorschläge, die Kolleginnen und Kollegen müssen das Bewusstsein haben, dass nach den besten Lösungen für die Stadt gesucht wird und es nicht nur darum geht, dass eine Stadtspitze politisch gut dasteht. Ein neues Wir-Gefühl. Es geht um die Stadt, um den Dienst am Bürger, um uns alle. Erforderlich ist ein totaler Kulturwandel in der Stadtverwaltung. Das wird ab Mai 2020 ein hartes Stück Arbeit, bis Vertrauen wieder zurückerlangt ist und die Motivation zu neuen Höhenflügen ansetzen kann."

Hans Stachel, Oberbürgermeisterkandidat der Freien Wähler:

Bevor man sich zu dieser Frage konkret äußern kann, braucht man Zweierlei: Genaue Informationen aus der Verwaltung und konkrete Aussagen der Verantwortlichen. Auf gar keinen Fall eignet sich dieses Thema für einen politischen Schlagabtausch. Damit lassen sich die eventuell vorhandenen Probleme nicht lösen, sondern eher sogar verschärfen. Generell gilt doch: Ein wertschätzender Umgang mit den Mitarbeitern sollte selbstverständlich und Basis für eine vernünftige Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung sein. Dazu gehört auch, die Sachkompetenz der Mitarbeiter anzuerkennen, ihnen zuzuhören und sie ernst zu nehmen.

Den Stadtrat für das Arbeitsklima in der Verwaltung verantwortlich zu machen, indem man ihm eine Antragsflut vorwirft, geht an der Sache vorbei. Eine durchaus wünschenswerte Reduzierung der Anträge wird das Problem sicher nicht lösen. Trotzdem sind wir Freien Wähler schon lange der Überzeugung, dass sich die Fraktionen auf einen anderen Bearbeitungsmodus der Anträge verständigen sollten. Und schließlich möchte ich noch feststellen, dass ein einseitig abgeschnittener Dialog (Personalversammlung ohne Stadträte) es für uns Stadträte nicht einfacher macht, die Tragweite der angesprochenen Probleme zu beurteilen. Es könnte zum Beispiel eine zweigeteilte Personalversammlung geben, einen Teil mit, den anderen ohne Stadträte. Der Dialog zwischen Mitarbeitern der Verwaltung und den Stadträten wäre mir schon wichtig.

Raimund Köstler, Oberbürgermeisterkandidat der ÖDP:

Leider konnte ich bisher nicht selbst mit Mitarbeitern darüber sprechen. Aber das vom Personalrat und anderen Stadträten gehörte und der Leserbrief im Donaukurier eines ehemaligen Mitarbeiters der Verwaltung lassen hier dringenden Handlungsbedarf erkennen.

Wer „Die stille Revolution“ gelesen oder gesehen hat, weiß, dass ein Chef nicht automatisch Führungsqualitäten hat. Das Beispiel der Hotelkette Upstalsboom zeigt deutlich, wie die Selbsteinschätzung eines Managers nichts mit der Realität zu tun haben muss. Ein Miteinander und Wertschätzung waren für die Transformation der Hotelkette zu einem sehr beliebten Arbeitgeber ausschlaggeben. Dies haben auch alle Mitarbeiter in der Stadtverwaltung und allen städtischen Beteiligungen verdient. Und solange die Selbsterkenntnis in der Führung fehlt, hilft nur eine Wechsel. Dies ist wahrscheinlich auch der einfachere und schnellere Weg um aus Ingolstadt eine attraktiven Arbeitgeber zu machen. Anbei noch der Link zum angesprochenen Leserbrief: https://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/leserbriefe/art75650,4404196

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