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Die Ausgaben der AOK für Heilmitteltherapien sind im Jahr 2024 auf ein neues Hoch gestiegen. Rund 4,8 Milliarden Euro entfielen auf Leistungen wie Physio-, Ergo- oder Sprachtherapie. Vor zehn Jahren lag der Betrag noch bei 2,1 Milliarden Euro.
Der Anstieg ist nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK kaum durch demografische Effekte oder eine wachsende Zahl von Behandlungen erklärbar. Ausschlaggebend war vielmehr eine gesetzliche Neuregelung aus dem Jahr 2019. Damals wurde das Vergütungsniveau für Heilmittel bundesweit angeglichen. Zunächst galten die jeweils höchsten regionalen Preise, später folgten bundeseinheitliche Verträge.
Eine Modellrechnung zeigt die finanzielle Wirkung dieser Reform. Ohne die Neuregelung hätten die AOK-Ausgaben 2024 bei rund 4,03 Milliarden Euro gelegen – knapp 19 Prozent unter dem tatsächlichen Wert. Hochgerechnet auf die gesetzliche Krankenversicherung ergibt sich daraus ein Mehraufwand von mehr als 2,5 Milliarden Euro.
Am stärksten fiel der Effekt in der Ergotherapie aus. Dort lagen die realen Ausgaben um 25,7 Prozent über dem modellierten Wert. In der Physiotherapie betrug die Abweichung 16,8 Prozent, in der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie 13,5 Prozent.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Hamburg lag der tatsächliche Umsatz nur knapp vier Prozent über dem errechneten Vergleichswert. In Sachsen-Anhalt hingegen überstiegen die realen Ausgaben den Modellwert um mehr als 50 Prozent. Ursache ist das zuvor deutlich niedrigere Vergütungsniveau, das durch die Reform besonders stark angehoben wurde.
Das politische Ziel der Neuregelung war es, die Attraktivität der Heilmittelberufe zu steigern. Die Lohnentwicklung hält mit dem Ausgabenanstieg jedoch nicht Schritt. Während die Heilmittelausgaben der AOK seit 2018 um rund 80 Prozent zunahmen, stiegen die Entgelte in diesen Berufen im selben Zeitraum um durchschnittlich 35 Prozent.
2024 lag das bundesweite Medianentgelt im Heilmittelbereich bei 3.296 Euro im Monat. 2018 waren es noch 2.434 Euro. Die höchsten Einkommen verzeichnete weiterhin die Ergotherapie, die stärksten Zuwächse die Sprachtherapie. Grundlage des Berichts sind rund 14 Millionen Heilmittelverordnungen, die 2024 für AOK-Versicherte abgerechnet wurden. Analysiert werden unter anderem Alters- und Geschlechtsstrukturen, Diagnosen und verordnende Facharztgruppen.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der AOK; redaktionell bearbeitet.
