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Arbeitsmarkt unter Druck: Zuwanderung wird immer wichtiger

In Reinigungsbetrieben, Küchen und Pflegeeinrichtungen zeigt sich längst, wie stark Deutschlands Arbeitsmarkt von Zuwanderung abhängt. Inzwischen haben 17 Prozent der Beschäftigten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Ohne ihren Zuwachs wäre die Zahl der Beschäftigten zuletzt noch deutlicher gesunken.

Binnen eines Jahres nahm die Zahl der deutschen Beschäftigten nach einer Auswertung der Bertelsmann Stiftung um 269.000 auf knapp 29 Millionen ab. Zugleich kamen 194.000 ausländische Beschäftigte hinzu; ihre Zahl stieg auf mehr als 5,9 Millionen. Unter dem Strich waren damit 75.000 Menschen weniger beschäftigt als ein Jahr zuvor.

In einigen Branchen ist der Anteil ausländischer Arbeitskräfte besonders hoch. In Reinigungsberufen liegt er bei 47,5 Prozent, in der Lebensmittelherstellung bei fast 44 Prozent. In Tourismus und Gastronomie hat mehr als jeder dritte Beschäftigte eine ausländische Staatsangehörigkeit, in der Pflege mehr als jeder fünfte.

Der demografische Wandel dürfte diese Entwicklung verstärken. Jeder vierte deutsche Beschäftigte ist älter als 55 Jahre und wird nach Darstellung der Stiftung voraussichtlich innerhalb der kommenden zehn Jahre aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Bei ausländischen Beschäftigten gehört nur gut jeder Achte zu dieser Altersgruppe.

Zugleich sieht die Stiftung erhebliche ungenutzte Potenziale. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen geflüchteten Männern und Frauen: Acht Jahre nach ihrer Ankunft sind 73 Prozent der Männer beschäftigt, bei den Frauen sind es lediglich 31 Prozent. Als Hürden nennt das Papier unter anderem fehlende Kinderbetreuung, Sprachprobleme, lange Behördenverfahren und unsichere Bleibeperspektiven.

Hinzu kommt, dass viele Zugewanderte unterhalb ihrer Qualifikation arbeiten. Fast 36 Prozent der ausländischen Beschäftigten sind als Helfer tätig, bei deutschen Beschäftigten sind es gut zwölf Prozent. Selbst unter den ausländischen Beschäftigten mit anerkanntem Berufsabschluss arbeitet gut jeder Vierte in einer Helfertätigkeit.

Die Bertelsmann Stiftung fordert deshalb verlässlich finanzierte Sprachkurse, schnellere Anerkennungsverfahren und besser abgestimmte Behörden. Eine zentrale Anlaufstelle soll Fragen zu Arbeit, Qualifizierung, Sprache und Kinderbetreuung bündeln.

Grundlage des Papiers sind nach Angaben der Stiftung Daten aus fast 90 Quellen, darunter die Bundesagentur für Arbeit und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Bertelsmann Stiftung; redaktionell bearbeitet

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