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Baggersee: Ein Gutachten, ein Steg – und offene Fragen

Am Baggersee kehren die meisten Stege im Juni zurück. Einer aber bleibt verschwunden: der Zugang nahe des Kinderspielplatzes am Wildpark. Nach Angaben der Stadt soll er künftig nicht mehr eingebaut werden.

Die Begründung liefert ein externes Sicherheitsgutachten. Es kommt nach Darstellung der Stadt zwar zu dem Ergebnis, dass derzeit keine konkreten Gefahrenlagen bestehen, die unmittelbaren Handlungsbedarf auslösen. Empfohlen würden aber Maßnahmen, um bestehende Risiken besser kenntlich zu machen und die Sicherheit zu erhöhen. Die sichtbare Folge ist der Wegfall dieses Zugangs.

Wie bereits berichtet, hatte die Stadtratsfraktion der FREIEN WÄHLER am 26. Mai wegen des Beginns der Badesaison und zahlreicher Rückfragen aus der Bevölkerung nach den fehlenden Badestegen und Schwimmkreuzen gefragt. Die Fraktion wollte wissen, ob rechtliche, sicherheitsrelevante oder haftungsrechtliche Gründe dahinterstehen und wann die Anlagen wieder installiert werden. Einen Tag später teilte die Stadt mit, dass ein externes Gutachten vorliege.

Laut Stadt sollen die meisten Stege im Juni wieder montiert werden. Zusätzlich kündigte sie neue Schilder rund um den See an. Die Schwimmkreuze sollen künftig nicht mehr mit Ketten, sondern mit ummantelten Stahlseilen am Grund befestigt werden. Die spätere Montage der Stege begründete die Stadt mit der fachlichen Bewertung der Gutachtenempfehlungen und notwendigen Abstimmungen.

Mehrere Punkte blieben in der Mitteilung offen. Auf Nachfrage von O-T(h)öne nennt die Stadt nun zusätzliche Details. Beauftragt worden sei die Untersuchung 2024 „durch die Koordinationsstelle für Naherholung und die damals zuständige Zweite Bürgermeisterin“. Anlass seien nach Angaben der Stadt keine konkreten Vorfälle am Ingolstädter Baggersee gewesen, sondern vergleichbare Fälle an anderen Badeseen, bei denen Badeunfälle zu haftungsrechtlichen Ansprüchen gegen Kommunen geführt hätten. Ziel sei gewesen, die Situation am Baggersee fachlich bewerten zu lassen und Maßnahmen zur Risikominimierung abzuleiten.

Den Auftrag erhielt die Firma KommRisk im Rahmen einer freihändigen Vergabe. Die Stadt verweist auf Erfahrung mit vergleichbaren Einrichtungen; KommRisk sei in ähnlicher Sache bereits für die Stadt Ingolstadt tätig gewesen. Die Stadt begründet die externe Bewertung auch mit einer Verringerung des Haftungsrisikos gegenüber einer rein internen Einschätzung. Weshalb der Auftrag freihändig vergeben wurde, ob Vergleichsangebote eingeholt wurden und nach welchen Kriterien KommRisk ausgewählt wurde, geht aus der Antwort der Stadt Ingolstadt nicht hervor.

Von den rund 35.000 Euro, die für das Gutachten eingestellt sind, wurden bislang etwa zwei Drittel abgerufen – also gut 23.000 Euro. Endgültige Kosten will die Stadt erst nennen, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Grundlage für das Gutachten waren Vor-Ort-Begehungen sowie Angaben und Statistiken eingebundener Sicherheitsstellen, insbesondere der Wasserwacht und stadtinterner Schnittstellen.

Die Stadt spricht von einer vollständigen Bewertung relevanter Gefahrenstellen des Baggersees und seiner näheren Umgebung. Nicht im Einzelnen geht aus der Antwort hervor, welche Anlagen und Risiken konkret untersucht wurden – etwa einzelne Badestege, Schwimmkreuze, Uferstellen, Gefahren im Wasser oder Rettungswege. Auch wird nicht konkret benannt, ob neben der Wasserwacht etwa Feuerwehr, DLRG oder Gesundheitsamt beteiligt waren und ob frühere Beschwerden oder Hinweise aus der Bevölkerung eingeflossen sind.

Beim Standort nahe des Wildparks wird die Stadt genauer. Er sei wegen der Nähe von etwa 30 Metern zum Kinderspielplatz und einer fehlenden baulichen Abgrenzung als ungeeignet bewertet worden. Ein Ersatzzugang an gleicher Stelle wäre nach Darstellung der Stadt kontraproduktiv. Stattdessen verweist die Stadt auf die nächstgelegene Badestelle, etwa 200 Meter entfernt. Weil der Steg dort nicht mehr eingebracht werde, sieht die Stadt die Gefahr an dieser Stelle als beseitigt. Beides steht damit nebeneinander: kein akuter Handlungsdruck, aber der Wegfall eines bisherigen Zugangs.

Neue Schilder sollen künftig an den Zugängen zum See auf allgemeine Sicherheitsregeln hinweisen, etwa auf Wassertiefe, Aufsichtspflicht für Kinder sowie Gefahren bei Sturm und Gewitter. Ergänzende Hinweise an Stegen und Schwimmkreuzen sind angekündigt. Auf Anfrage per E-Mail von O-T(h)öne nennt die Stadt weitere Empfehlungen des Gutachtens nicht im Detail. Einige seien bereits teilweise umgesetzt, andere würden geprüft und vor einer möglichen Umsetzung veröffentlicht.

Das Gutachten lag nach Angaben der Stadt bereits im Frühjahr 2025 vor. Die politische Befassung ist erst jetzt vorgesehen: am 11. Juni im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Umwelt und Nachhaltigkeit, am 1. Juli im Ausschuss für Sport, Veranstaltungen und Freizeit sowie am 29. Juli im Stadtrat.

Die Stadt hatte gegenüber O-T(h)öne eine Veröffentlichung im Ratsinfoportal zur Sitzung am 11. Juni angekündigt. Zwei Tage vor der Sitzung steht dort allerdings nur der mündliche Bericht von Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) auf der Tagesordnung des Ausschusses. Das Gutachten selbst ist zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung nicht abrufbar. Ob eine spätere Veröffentlichung auch die bislang offenen Fragen zur Vergabe, zum Untersuchungsumfang und zu weiteren Empfehlungen beantwortet, bleibt abzuwarten.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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