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Eine neue Befragung unter Bürgergeldbeziehenden zeigt deutliche Lücken bei der Arbeitsvermittlung. 57 Prozent der Leistungsberechtigten zwischen 25 und 50 Jahren gaben an, in den vergangenen vier Wochen nicht aktiv nach Arbeit gesucht zu haben. Unter den Suchenden investiert nur ein kleiner Teil spürbar Zeit in die Recherche: 26 Prozent suchen bis zu neun Stunden pro Woche, sechs Prozent 20 Stunden oder mehr.
Ein zentraler Grund für die geringe Aktivität sind gesundheitliche Belastungen. 45 Prozent berichten von psychischen oder chronischen Erkrankungen. In der Gruppe der Nicht-Suchenden nennen drei Viertel gesundheitliche Einschränkungen als maßgebliches Hindernis. Fachleute der Bertelsmann Stiftung plädieren dafür, realistischer zu prüfen, ob für Betroffene eine Rückkehr in Arbeit möglich ist – oder ob andere Unterstützungssysteme passender wären.
Auch die Rolle der Jobcenter fällt aus Sicht vieler Befragter ernüchternd aus. Knapp 43 Prozent sagen, sie hätten noch nie ein Stellenangebot erhalten. Rund 38 Prozent berichten, ihnen sei keine Weiterbildung angeboten worden. Bessere Chancen auf Vorschläge haben Personen mit Berufsabschluss, gefolgt von Hochschulabsolventen. Frauen mit kleinen Kindern werden seltener berücksichtigt. Die Stiftung fordert Jobcenter auf, bürokratische Vorgaben zurückzunehmen und stärker auf Vermittlung zu setzen.
Strukturelle Gründe bremsen die Jobsuche zusätzlich. 49 Prozent der Nicht-Suchenden sehen zu wenige passende Stellen. Ein Viertel erwartet kaum finanzielle Verbesserungen durch eine Arbeitsaufnahme, 22 Prozent verweisen auf Pflege- oder Betreuungsaufgaben. Elf Prozent halten sich mit Gelegenheitsarbeit über Wasser. Arbeitsmarktexperten sprechen sich für eine konsequentere Anwendung bestehender Regeln sowie für mehr geförderte Beschäftigung aus. Zugleich brauche es verlässliche Kinderbetreuung, Qualifizierungen und Coaching-Angebote für diejenigen, die arbeiten wollen, aber Unterstützung benötigen.
Die Erhebung ist Teil einer Studie zur Lebenssituation von Bürgergeldbeziehenden.
Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung.
