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Stadtrat. Vollversammlung. 13 Uhr. Und i im Dienst. Ganz normal am Eingang. Bloß an dem Tag halt mit leichtem Zusatzprogramm. So a Magen-Darm-Geschichte. Nix Dramatisches. Aber zwischendrin hat’s mi immer wieder in die Porzellanabteilung zogen. Und i sog’s eich: Wennst wissen willst, wie Politik wirklich funktioniert – geh aufs Klo.
Für was so a Mauer alles guad is
Glei am Anfang zwei Stadträte in der Porzellanabteilung: „Die CSUler haben wir aber richtig gegen die Brandmauer gedrückt.“ – „Gut, dass wir die so hoch gezogen haben.“ Pause. „Und wenn’s so ausschaut, als wär der Hofmann mit Stimmen dahinter gewählt worden – dann können wir schön auf die Schwarzen zeigen.“ I hab ma als kleiner Rathauspförtner denkt: Die Brandmauer steht ned nur. Die wird aber sogar benutzt. Zum Drücken. Zum Begrenzen. Und zum Draufzeigen.
Dann zwei weitere: „Der von de Sozis hat die Keule mit de drei Buchstaben direkt neben’m Bett liegen.“ – „Damit er in der Früh ned lang suchen muss.“ – „Stündlich droht er damit.“ I denk mir: Andere greifen zum Wecker. Der greift zur Moral.
So wird des also gmacht
Später dann wieder zwei: „Gut, dass wir a Standleitung in die CSU-Fraktion haben.“ – „So a rotes Telefon.“ – „Dann wissen wir wenigstens, wie unsere Maßnahmen wirken.“ I denk mir: So wird des also gmacht.
Dann ebenfalls zwei, ganz sachlich: „Es steht ja eh fest, dass von dene neun aus da CSU-Fraktion, die den Hofmann gewählt haben, koaner als Ersatz infrage kommt.“ I denk mir: Des is ka Wahl. Des is a Auswahlverfahren. Wenn des die Bürger hören würden, meinten’s, sie sitzen in der Personalabteilung – ohne Ausschreibung. Und mit fertigem Ergebnis.
Wie ma an Plan macht
Wieder später dann vier Stadträte: „Wir lassen die CSU einfach glauben, dass sie den Hofmann durchbringen.“ – „Und auf den Wahlzettel schreiben wir dann den Namen von der Stadträtin, die wir im Amt wollen.“ Zufriedenes Nicken – spürbar hinter meinem Sichtschutz. I sitz drin und denk mir: Geht’s no? Dann hab i kurz überlegt. Und dann is mir eingefallen: Des is ned ganz durchdacht. Irgendwann zählt ma ja die Stimmen. Aber gut – bis dahin is es zumindest a Plan. Und was no auffällt: Die waren sich so sicher, dass sie allein sind, dass sie ned amoi g’schaut haben, ob überhaupt no wer da is.
Dann einer von dene, leicht amüsiert: „Stell dir mal vor, die CSU hätte das mit uns so gemacht.“ Pause. „Der Chef-SPDler würde jeden Tag HB-Männchen spielen.“ „Die grüne Bürgermeisterin würde vor Schnappatmung eine Woche nimma runterkommen.“ „Der Ober-FDPler würde die ganze Zeit von Liberalität und Moral reden.“ „Und sein Kollege würde erklären, dass es in vielen Vereinen viel gesitteter zugeht – weil er sich da auskennt.“ Noch a Pause. „Und der Stadtrat, den ma früher immer gsehn hat und dann lange gar nimmer, der hätt sofort a Sondersitzung von Transparency Deutschland in Ingolstadt gefordert.“
Wenn ma’s wissenschaftlich sieht
Danach gleich drei Stadtratsmitglieder: „Ich hab da mal was gelesen, im Stadtgeflüster der Lokalzeitung – Dunning-Kruger-Syndrom oder so.“ – „Also, die, die zu dumm sind, um ihre eigene Inkompetenz zu erkennen.“ Pause. „Also Inkompetenz kann man uns bei unserem Agieren jetzt wirklich nicht vorwerfen.“ Pause. „Die Taktik ist ja durchdacht.“ Und der Dritte: „Wird ja auch entsprechend von einem befeuert, der selber Bürgermeister werden will.“ I denk mir: Selbsteinschätzung passt. Realität wird angepasst.
Was die Referenten so daherreden
Dann wird’s ruhiger. Zwei Referenten, also berufsmäßige Stadträte: „Gut, dass wir beide nicht Gegenstand dieser Taktik sind – aber das musst du als Betroffener erst einmal aushalten.“ – „Mir wird da schlecht.“ Pause. „Auf’m Schulhof würde man sagen: Das ist Mobbing.“ Ein weiterer Referent kommt in die Porzellanabteilung: „Und dabei war’s doch immer so: Die stärkste Fraktion schlägt den zweiten Bürgermeister vor.“ „Die Grünen haben den CSU Wittmann ja auch zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt, als sie den Umweltreferenten bekommen haben.“ „Man müsste halt einfach offen und auf Augenhöhe miteinander reden.“ Kurze Pause. „Die haben doch bei den Sozis sogar einen Betriebsratsvorsitzenden, der gut verhandeln kann.“ „Eigentlich.“ Der andere Referent: „Ich habe mich informiert. Der Hofmann ist qualifiziert. Studium. Bundeswehr. Oberstleutnant wird man nicht einfach so.“ „Wenn das bei uns im Bewerbungsverfahren in der Personalabteilung so laufen würde, wie jetzt bei dem – dann hätten alle nach dem Antidiskriminierungsgesetz beste Chancen zu klagen.“ Pause. „Und würde gewinnen.“ „Ja… erklärbar ist des alles nimmer.“ I denk mir: Wenn Referenten des so sagen, dann is echt irgendwas verrutscht.
Was mein Kollege dazu sagt
Neben mir kommt gleichzeitig ein Kollege aus der Kabine. Wir sind mittlerweile allein. Ganz sicher. „Schoasch, erinnerst dich noch an den ehemaligen zweiten Bürgermeister?“ „Der, der gemeint hat, das Mikro sei in der Sitzung aus – und dann gsagt hat: ‚Oh mei, is des a Deppenhaufen. Des gibt’s ja gar ned.‘“ I sag: „Ja. Und danach war’s plötzlich a private SMS.“ Kurze Pause. I denk mir: Manche Aussagen verlieren mit der Zeit ned unbedingt an Aktualität. Manchmal is ned entscheidend, was gsagt wird. Sondern ob’s jemand hört.
Drinnen läuft die Sitzung. Zusammenarbeit. Verantwortung. Haltung. Draußen hörst was anderes: Taktik. Druck. Vorauswahl. Kooperation anbieten. Eskalation liefern. Zwei Ebenen gleichzeitig.
I kenn mi mit Politik ja ned aus. I bin ja nur der kleine Rathauspförtner, der von manchem Stadtrat gern übersehen wird, wenn er reinkommt. Eigentlich müssen die ja alle miteinander reden. Ohne Vorbehalte. Offen und ehrlich halt. So würd i mir des zumindest vorstellen. Aber vielleicht bin i da zu naiv. I glaub: Es geht nimmer nur drum, wer gewählt wird. Sondern darum, wer bestimmt, wen die CSU überhaupt noch nennen darf. I glaub ja, die Bürger kriegen des scho mit. Vielleicht ned jedes Detail. Aber des Muster. Und des wird Auswirkungen haben.
Audiostream aus der Porzellanabteilung
Vielleicht wär’s am ehrlichsten, wenn ma die „Sitzungen“ direkt aus der Porzellanabteilung als Audiostream übertragen würden. Des wär dann echte Transparenz.
So, jetzt reicht’s wieder. Bleibts gsund – vor allem am Magen.
Also pfiat eich, sagt da Schoasch
O-T(h)öne – wo Satire keine Warnweste braucht.
Hinweis: Alle dargestellten Personen, Parteien und Ereignisse sind erfunden oder satirisch verfremdet. Sollte sich dennoch jemand wiedererkennen, ist das entweder Zufall – oder gesellschaftliche Trefferquote. Satire ist eine Form der Darstellung, die überzeichnet, zuspitzt und vereinfacht, um Zusammenhänge sichtbar zu machen und zum Nachdenken anzuregen. Figuren, Dialoge und Situationen sind dabei bewusst verdichtet und stellen keine wörtliche Wiedergabe realer Gespräche oder tatsächlicher Abläufe dar.