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CSU Ingolstadt: Aus für Klinikfusion verschoben?

Große Ziele, unklare Richtung: Die Ingolstädter CSU hat ihre Position in der Krankenhausfrage offenbar neu sortiert. In einer Pressemitteilung nach einem Treffen der Mandatsträger aus Ingolstadt, der Region 10 und dem Landkreis Kelheim ist von nichts Geringerem die Rede als der „bestmöglichen Versorgung unserer Bürgerinnen und Bürger“. Ein Anspruch, dem kaum jemand widersprechen dürfte – die Umsetzung bleibt allerdings vage.

Die Krankenhausstrukturen in Ingolstadt, Eichstätt, Pfaffenhofen, Neuburg-Schrobenhausen und Kelheim sollen künftig „gemeinsam geplant und weiterentwickelt“ werden. Von Fusion keine Spur. Von einem Aus auch nicht. Die CSU redet viel über Planung, lässt aber offen, wohin die Reise überhaupt gehen soll – Hauptsache, alle sitzen noch im Bus, auch wenn keiner weiß, wohin er fährt.

Im Mittelpunkt steht – Überraschung! – das Klinikum Ingolstadt. Es soll „die zentrale Rolle“ spielen und zum Maximalversorger hochgejazzt werden. Laut CSU ein „großer Gewinn“ für Stadt und Umland, „breit unterstützt“. Breit unterstützt klingt gut, sagt aber ungefähr so viel wie „alle mögen Sonne“.

Und weil Politik ohne Papier nicht geht, kommt jetzt das nächste Wunderwerk: ein weiteres Gutachten. Schon ausgeschrieben, aber bisher nicht vergeben, „möglichst rasch“ auf den Weg zu bringen. CSU-Deutsch für: irgendwann zwischen jetzt und St.-Nimmerlein. Es soll den „weiteren Weg der Zusammenarbeit“ beurteilen, „gegebenenfalls“ auch mit Blick auf die Maul-Klinik. Erst wenn die Druckerschwärze trocken ist, will man reden. Bis dahin, so die CSU, hat auch Berlin vielleicht das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz durchgewinkt. Klingt nach Strategie, riecht aber nach Zeitschinden. Bis dahin trägt der Steuerzahler brav die Defizite der Kliniken durch den finanziellen Ausgleich der Stadt und der Landkreise.

Insider warnen allerdings: Bei einer Fusion müssten ganz andere Fragen begutachtet werden als bei einer lockeren Kooperation. Mit anderen Worten: Das Ergebnis hängt davon ab, was überhaupt gefragt wird. Wird der Gutachterauftrag zu eng gestrickt, braucht es am Ende womöglich ein drittes Gutachten. Bezahlen darf das der Steuerzahler – über den Defizitausgleich der Krankenhäuser, während in den Kommunen die Kassen leer sind. Ein Kreislauf, der mehr Papier produziert als Lösungen. Wenn die Mauk-Klinik mitberachtet werden soll, stellt sich die Frage, ob die Ausschreibung des Gutachtens neu erfolgen muss.

Dabei war erst letzte Woche großer Auftritt: Der Ingolstädter CSU-Kreisverband hatte das PwC-Gutachten zur Klinikfusion in den Schredder gesteckt – und damit das Aus für eine Fusion des Klinikums Ingolstadt mit den Landkreiskliniken verkündet. Jahre der Vorarbeit: abgeräumt. Vertrauen: gleich mit durch den Reißwolf.

Die Landräte reagierten entsprechend ungehalten. Neuburg-Schrobenhausens Landrat Peter von der Grün sprach davon, die CSU habe die gemeinsame Linie „torpediert“. Pfaffenhofens Landrat Albert Gürtner urteilte knapp: „Zurück in die Vergangenheit.“ Eichstätts Landrat Alexander Anetsberger nannte das Vorgehen einen „Paukenschlag“ und erinnerte daran, dass gültige Stadtratsbeschlüsse längst eine gemeinsame Lösung eingefordert haben. Und auch in Ingolstadt selbst stieß der Kurs auf Widerstand: Ein Schnellschuss, hieß es, der die mühsam aufgebaute Zusammenarbeit gefährde.

Bleibt das Bild: eine CSU, die mit einem Bein das Fusionstor zuschlägt, mit dem anderen im Kooperationsnebel herumstochert – und dazwischen ein Gutachten, das irgendwann vielleicht die Richtung zeigt. Große Worte, viele Schlaufen, null Navigation. Ein Maximalversorger der Versprechen, Minimalversorger an Klarheit.

Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Pressemitteilung der CSU-Bundeswahlkreisgeschäftsstelle Ingolstadt.

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