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Ingolstadt war lange die Stadt, in der der Motor der Autoindustrie zuverlässig lief. Arbeitsplätze, Zulieferer, Kaufkraft, Gewerbesteuer – vieles hing und hängt an Audi und damit auch am Volkswagen-Konzern. Doch dieser Motor läuft nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Genau daraus entsteht nun politischer Druck.
Wie berichtet, will die CSU-Stadtratsfraktion die wirtschaftliche Zukunft Ingolstadts noch vor der Sommerpause grundsätzlich im Stadtrat beraten lassen. Jetzt legt sie mit einem weiteren Antrag nach. Neben der großen Frage, wie abhängig die Stadt vom Automobilstandort bleibt, rückt die Fraktion die Grundstücke der städtischen IFG in den Mittelpunkt. Denn wer neue Unternehmen ansiedeln will, braucht nicht nur Strategien, sondern auch verfügbare Flächen.
Konkret beantragt die CSU eine Sondersitzung des Stadtrats nach der Bayerischen Gemeindeordnung. Thema soll die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Ingolstadt nach den aktuellen Entwicklungen bei Audi sein. Die Fraktion verlangt eine Standortbestimmung und strategische Weichenstellungen in der Wirtschafts-, Haushalts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.
Auf die Tagesordnung sollen mehrere Punkte: eine aktuelle Lageeinschätzung zum Wirtschaftsstandort, eine haushaltspolitische Bestandsaufnahme, eine Debatte über aktivere Wirtschaftsförderung sowie mögliche Folgen für Beschäftigte, Familien, Ausbildung, Kaufkraft und soziale Stabilität. Zudem will die CSU einen Zukunftsdialog mit Unternehmen, Kammern, Gewerkschaften, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Mittelstand, Handwerk und Gründerinitiativen anstoßen.
Am Ende soll die Verwaltung einen Maßnahmenfahrplan vorlegen. Darin sollen Vorschläge stehen, wie bestehende Arbeitsplätze gesichert, neue Unternehmen gewonnen, Innovation und Gründung gestärkt und der Branchenmix verbreitert werden können.
Die Sorge hinter dem Antrag ist nicht neu. Schon Anfang der neunziger Jahre wurde, wie bereits berichtet, beschrieben, wie stark der Wirtschaftsraum Ingolstadt auf die Automobilindustrie ausgerichtet ist. Ein landesplanerisches Gutachten von Rainer Greca benannte 1992 die Risiken dieser Monostruktur. Bereits damals ging es darum, wie die Region eigenständiger werden und neben der Industrie weitere wirtschaftliche Standbeine entwickeln könnte. Sichtbar gelöst wurde diese Frage seither nicht.
Der zweite CSU-Antrag führt die Grundsatzdebatte auf eine praktische Ebene. Die IFG soll bis zur Sondersitzung darlegen, welche Grundstücke sie besitzt, in welchem Entwicklungsstand diese Flächen sind und welche davon für Unternehmensansiedlungen verwertet werden können. Außerdem soll offengelegt werden, wie weit Bebauungspläne und Genehmigungen jeweils sind.
Dahinter steckt ein nüchterner Punkt: Wenn Ingolstadt unabhängiger vom Automobilstandort werden will, muss die Stadt wissen, welche Werkzeuge sie tatsächlich hat. Flächen, Baurecht, schnelle Verfahren und klare Prioritäten entscheiden darüber, ob aus Standortpolitik mehr wird als eine Debatte.
Offen bleibt, wie schnell aus den Anträgen konkrete Schritte werden. Eine Sondersitzung kann klären, wo Ingolstadt steht. Sie schafft aber noch keine Ansiedlung, kein Baurecht und keinen neuen Arbeitsplatz. Entscheidend wird sein, ob aus der politischen Bestandsaufnahme ein umsetzbarer Fahrplan entsteht – und ob dessen wirtschaftliche Wirkung groß genug wäre, um die Abhängigkeit von Audi und dem Volkswagen-Konzern spürbar zu verringern.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf Anträgen der CSU-Stadtratsfraktion Ingolstadt sowie ergänzender redaktioneller Einordnung.