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Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland hat nach Einschätzung von Forschern und Verbänden ein neues Ausmaß erreicht. Bundesweit fehlen derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen, fast ausschließlich im unteren und mittleren Preissegment. Das geht aus dem „Sozialen Wohn-Monitor 2026“ hervor, den das Pestel-Institut gemeinsam mit dem Bündnis „Soziales Wohnen“ vorgestellt hat. Das Bündnis warnt vor einem drohenden „Sozial-Drama“ auf dem Wohnungsmarkt.
Besonders angespannt ist die Lage bei Sozialwohnungen. Nach Angaben der Studie gibt es bundesweit nur noch rund eine Million. Gleichzeitig hätte etwa die Hälfte der mehr als 23 Millionen Mieterhaushalte Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Ziel müsse es sein, den Bestand an Sozialwohnungen deutlich auszuweiten.
Um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen, wären jährlich rund 400.000 neue Wohnungen nötig. Tatsächlich liegt der Neubau deutlich darunter. Im vergangenen Jahr wurden nach Schätzungen des Pestel-Instituts nur etwa 220.000 Wohnungen fertiggestellt. Für die kommenden Jahre erwarten die Autoren der Studie einen weiteren Rückgang, ausgelöst durch sinkende Baugenehmigungen.
Die Wohnungsnot trifft laut Studie vor allem junge und ältere Menschen. Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger hätten zunehmend Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Studierende müssten im Schnitt rund 53 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Miete aufbringen. In einzelnen Regionen kämen Ausbildungsplätze nicht zustande, weil Jugendliche keine Wohnung am Ausbildungsort fänden.
Auch für ältere Menschen verschärft sich die Lage. Viele Angehörige der Babyboomer-Generation gingen mit vergleichsweise niedrigen Renten in den Ruhestand. Steigende Mieten könnten sie zwingen, ihre bisherigen Wohnungen aufzugeben. Die Studie beschreibt eine wachsende soziale Verdrängung älterer Menschen aus Städten und Ballungsräumen.
Besonders benachteiligt seien zudem Menschen mit Behinderungen. Sie hätten auf vielen Wohnungsmärkten kaum Chancen auf angemessenen Wohnraum. Das Bündnis plädiert daher für feste Quoten bei der Vergabe von Sozialwohnungen.
Kritik richtet sich auch an die Förderpraxis des Bundes. Zwar seien die Mittel für den sozialen Wohnungsbau erhöht worden, sie würden den Ländern jedoch über mehrere Jahre verteilt ausgezahlt. Für den Neubau werde das Geld jedoch sofort benötigt. Gefordert werden schnellere Förderverfahren sowie einfachere Bauvorgaben. Der Wohnungsmangel habe sich inzwischen zu einer Belastung für die gesamte Wirtschaft entwickelt, heißt es in der Studie. Fehlender Wohnraum bremse Investitionen, verschärfe den Fachkräftemangel und vertiefe soziale Ungleichheiten.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Caritas; redaktionell bearbeitet.
