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Derzeit noch unklar: Finanzlage der Beteiligungen Ende 2025

Der Finanzausschuss diskutierte, was auf dem Tisch lag. Und das war genug: ein Haushalt, der nicht genehmigungsfähig ist, Rücklagen, die fast aufgebraucht sind, und ein Finanzreferent, der offen von staatlicher Hilfe spricht. Nicht diskutiert wurden Zahlen, die zu diesem Zeitpunkt noch fehlten – die zusammengefassten Finanzdaten der städtischen Beteiligungsunternehmen. Sie werden erst mit dem Beteiligungsbericht 2026 vorliegen – auf den Tischen eines Stadtrats, der dann bereits neu gewählt sein wird.

Was im Ausschuss beraten wurde, war der Kernhaushalt der Stadt Ingolstadt. Fast 919 Millionen Euro Gesamtvolumen, ein Verwaltungshaushalt von über 740 Millionen, ein strukturelles Defizit, das sich trotz Rücklagenentnahme nicht schließen lässt. Finanzreferent Franz Fleckinger sprach offen aus, was sonst gern verklausuliert wird: Der gesetzlich geforderte Haushaltsausgleich ist nicht erreichbar. Ohne staatliche Hilfe wird es nicht gehen.

Jenseits des Kernhaushalts

Und doch blieb ein Teil der finanziellen Wirklichkeit außerhalb des unmittelbaren Blickfelds des Stadtrats. Denn der städtische Haushalt ist nur ein Teil der finanziellen Wirklichkeit. Neben ihm existiert ein Geflecht aus Tochtergesellschaften, Beteiligungen und Zweckverbänden – rechtlich eigenständig, wirtschaftlich jedoch eng mit der Stadt verbunden. Typischerweise zählen dazu kommunale Gesellschaften etwa aus den Bereichen Wohnen, Freizeit, Infrastruktur und Wirtschaftsförderung. Dort entstehen Kredite, dort werden Investitionen finanziert, dort übernimmt die Stadt Bürgschaften, Patronatserklärungen und Haftungen. Risiken, die im Ernstfall nicht abstrakt bleiben, sondern auf den Kernhaushalt zurückwirken.

Die Anfrage

Genau hier setzte eine Medienanfrage des Nachrichtenportals O-T(h)öne an. Gefragt wurde nach Kreditaufnahmen, Verbindlichkeiten und Haftungsübernahmen – ausdrücklich auch mit Blick auf die städtischen Beteiligungsunternehmen – zum Stichtag 31. Dezember 2025.

Die Antwort aus dem Rathaus kam von Stadtsprecher Michael Klarner. Sie war sachlich, formal korrekt und zugleich aufschlussreich. Die gewünschten Daten zu den Beteiligungsunternehmen könnten erst nach Vorliegen der geprüften Jahresabschlüsse 2025 zusammengestellt werden, teilte Klarner mit. Voraussichtlich Mitte 2026. Veröffentlicht würden sie im Beteiligungsbericht 2026, nach der Sommerpause. Belastbare Gesamtdaten sollen nach Angaben der Stadt erst mit dem Rechenschaftsbericht 2025 vorliegen, der voraussichtlich im Sommer 2026 – nach derzeitiger Planung im Juli – veröffentlicht wird.

Ein Blick zurück als Orientierung

Gleichzeitig verwies die Stadt auf Zahlen zum Stand 31. Dezember 2024, die zumindest eine Größenordnung erkennen lassen. Demnach beliefen sich die von der Stadt übernommenen Bürgschaften, Garantien und sonstigen Haftungsübernahmen in der Summe auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um Bürgschaften im engen Sinn allein, sondern um die Addition mehrerer Kategorien: Neben klassischen Ausfallbürgschaften und Patronatserklärungen fließen auch mittelbare Haftungen für Bürgschaften der Beteiligungen, kreditähnliche Belastungen aus Erbbaurechten sowie spezifische Haftungsübernahmen, etwa für Altlasten, in diese Gesamtsumme ein.

Allein die mittelbaren Haftungen für Bürgschaften der städtischen Beteiligungen summierten sich auf rund 68,8 Millionen Euro. Hinzu kamen Ausfallbürgschaften und Patronatserklärungen für Freizeitanlagen von zusammen mehr als 36 Millionen Euro, Bürgschaften für verbürgte Darlehen der IFG von gut 2,3 Millionen Euro sowie weitere Verpflichtungen aus Erbbaurechten. Darunter fallen auch Haftungsübernahmen für Altlasten und Bodenveränderungen, etwa auf dem ehemaligen Gießereigelände der IFG, für die die Stadt langfristig in der Verantwortung steht.

Diese Zahlen ersetzen keine geprüften Abschlüsse für 2025. Aber sie markieren einen Rahmen. Sie zeigen, in welcher Größenordnung sich Risiken bewegen, die außerhalb des Kernhaushalts entstehen – und im Zweifel dorthin zurückwirken.

Der Kernhaushalt in Zahlen

Für den Kernhaushalt selbst lieferte die Stadt belastbare Angaben: rund 44,5 Millionen Euro Investitionskredite zum Jahresende 2025, dazu 35 Millionen Euro Kassenkredite. Hinzu kommt eine noch nicht abschließend bezifferte Höhe an Haushaltseinnahmeresten bei einer bestehenden Kreditermächtigung von über 110 Millionen Euro. Die tatsächliche Inanspruchnahme dieser Ermächtigungen hängt von noch offenen Haushaltseinnahmeresten ab, deren endgültige Höhe erst mit dem Jahresabschluss feststeht. Spielräume, die formal noch keine Schulden sind, politisch aber bereits ihre Schatten werfen.

Bei den Verbindlichkeiten verweist die Stadt auf die Systematik der Kameralistik. Kaufmännische Verbindlichkeiten werden dort nicht im kaufmännischen Sinne ausgewiesen. Das ist korrekt – und zugleich ein Hinweis darauf, wie begrenzt die Aussagekraft einzelner Systeme ist, wenn es um die wirtschaftliche Gesamtlage geht.

Warten auf geprüfte Klarheit

Besonders sensibel bleibt der Bereich der Bürgschaften und Haftungsübernahmen. Für Ende 2025 liegen nach Angaben der Stadt noch keine gesicherten Zahlen vor. Die Abfragen bei den Bürgschaftsnehmern liefen noch, belastbare Daten seien erst mit dem Rechenschaftsbericht 2025 möglich. Nach Angaben der Stadt handelt es sich dabei um reguläre, laufende Verwaltungsverfahren.

All das ist kein Skandal. Es ist Verwaltungspraxis. Jahresabschlüsse brauchen Zeit, Prüfungen lassen sich nicht beschleunigen, konsolidierte Berichte entstehen nicht auf Zuruf. Und doch zeigt sich hier ein strukturelles Problem: Politische Entscheidungen müssen heute getroffen werden, während ein Teil der finanziellen Wirklichkeit erst morgen vollständig sichtbar wird.

Die Zeit als politischer Faktor

So entsteht eine zeitliche Asymmetrie. Der Stadtrat beschließt einen nicht genehmigungsfähigen Haushalt und ringt um Konsolidierung, während zentrale Informationen zu den ausgelagerten Risiken erst später zusammengeführt werden. Der Haushalt 2026 ist deshalb mehr als eine Momentaufnahme. Er ist ein Dokument politischer Gleichzeitigkeit: akute Not im Kernhaushalt, vorläufige Orientierung durch Zahlen aus 2024 und aufgeschobene Klarheit bei den Beteiligungen. Dazwischen ein Stadtrat, der entscheiden muss, ohne alles zu wissen – und eine Stadt, die sich leisten muss, dass Zeit selbst zu einem politischen Faktor wird.

Die Zahlen werden kommen. Geprüft, geordnet, veröffentlicht. Hoffentlich ohne böse Überraschungen für den neuen Stadtrat.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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