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Die CSU Ingolstadt will zurück an die Spitze – nicht nur ins Amt des Oberbürgermeisters, sondern in die politische Führung der Stadt. Dazu gehört auch die Mehrheit im Stadtrat – und genau darum ging es am heutigen Samstagvormittag. Die Partei trat zur Kreisdelegiertenversammlung zusammen. Offizieller Anlass: die Aufstellung der Stadtratsliste für die Kommunalwahl 2026. Doch der Tag war mehr als eine Formalie.
Seit der vorgezogenen Oberbürgermeisterwahl im Frühjahr stellt die CSU mit Michael Kern wieder den Verwaltungschef. Nach dem vorzeitigen Rückzug von SPD-OB Christian Scharpf – der nach München als Wirtschaftsreferent wechselte – hatte sich die CSU das Rathaus zurückerobert. Ein Etappensieg, kein Durchmarsch. Denn: Im Stadtrat fehlt weiterhin die Mehrheit.
Ziel sei es nun, auch die zweite Säule der Macht – den Stadtrat – zurückzugewinnen. Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Rede von Kreisvorsitzendem Stefan Huber. Der politische Anspruch der CSU sei nicht nur, den OB zu stellen, sondern die Stadtpolitik in Breite und Tiefe zu prägen – mit Linie, Mehrheit und Geschlossenheit.
Letztere war das Schlüsselwort des Vormittags. Huber appellierte mehrfach an die Einheit der Partei: „Nur wenn wir weiter so zusammenstehen, passt kein Blatt Papier zwischen uns.“ Er erinnerte an schwierige Jahre, an fehlende Rückendeckung im Stadtrat – und an einen OB-Wahlkampf, der nur mit vereinten Kräften zu gewinnen war.
Ein besonderer Dank ging an die vielen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer. Ihr Einsatz, so Huber, sei nicht selbstverständlich. Der Erfolg von Michael Kern sei kein Zufall gewesen – sondern das Resultat gemeinsamer Anstrengung. Diese Energie wolle man nun in die Kommunalwahl 2026 mitnehmen.
Die beschlossene Liste war der sichtbare Ausdruck dieses Anspruchs. Sie wurde parteiintern breit abgestimmt und per Empfehlungsbeschluss beschlossen. Huber sprach von einer Balance aus Erfahrung, Kompetenz und Erneuerung. Die CSU wolle gestalten, nicht nur verwalten – und setze auf Kandidatinnen und Kandidaten, die Haltung zeigen.
Inhaltlich blieb Huber auf klassischem CSU-Kurs. Sicherheit, wirtschaftliche Stärke, ein leistungsfähiges Klinikum, gute Bildung, mehr Wohnraum. Der Gestaltungsanspruch war klar – doch wie diese Punkte konkret umgesetzt werden sollen, blieb offen. Das Wahlprogramm, so der Tenor, werde folgen.
Ein Thema hob Huber besonders hervor: die Weiterentwicklung des Klinikums zum Maximalversorger. Das sei Pflicht – keine politische Verhandlungsmasse. Auch bei Migration fand er klare Worte: Integration sei geboten, wer sich verweigere, könne nicht auf Unterstützung hoffen. Das sei kein harter Ton – sondern gesunder Menschenverstand.
Dabei verzichtete Huber auffällig auf jede Konfrontation mit politischen Mitbewerbern. Weder SPD noch Grüne wurden namentlich erwähnt. Die CSU setzte auf Selbstvergewisserung statt Angriff. Ein Hinweis auf strategische Distanz – oder der Versuch, sich als alternativlos zu präsentieren.
Klar erkennbar war die Positionierung: Die CSU wolle als bürgerlich-konservative Kraft wieder Profil zeigen. Gegen rot-grüne Utopien, gegen staatliche Bevormundung, für Maß, Mitte, Rückgrat. Politik nicht von oben herab – sondern im Schulterschluss mit den Bürgerinnen und Bürgern.
Nur ein Thema blieb als Schatten deutlich spürbar: die Finanzlage der Stadt. Die CSU attestierte dem zurückgetretenen SPD-OB Christian Scharpf ein strukturelles Haushaltsdefizit, das die Handlungsfähigkeit einschränke. Doch konkrete Sparstrategien präsentierte Huber nicht. Die finanzielle Situation blieb ein Hintergrundrauschen.
Im Stadtrat übernimmt vor allem Albert Wittmann, der finanzpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, die Rolle des Mahners. Regelmäßig fordert er Disziplin – zuletzt mit Blick auf das wachsende Defizit. Doch innerhalb der Fraktion bleibt seine Position oft isoliert. Für einen stringenten Sparkurs stehen derzeit – überraschenderweise – eher die FREIEN WÄHLER.
Ob es der CSU gelingt, bis zur Kommunalwahl 2026 echte Geschlossenheit zu demonstrieren – im Rathaus wie im Stadtrat – wird entscheidend sein. In der laufenden Stadtratsperiode war das nicht der Fall. Zwar stellt die Partei jetzt den OB für die nächsten 7 Jahre und verfügt über bekannte Köpfe – doch im Stadtrat blieb sie inhaltlich oft blass. Die politische Mehrheit muss sie sich erst noch erarbeiten.
Die Öffentlichkeit darf gespannt sein – auf ein Wahlprogramm unter haushaltspolitischem Druck. Ebenso auf die Aktivitäten der CSU-Stadtratsfraktion, um zu verhindern, dass Ingolstadt zum Sanierungsfall unter Beobachtung der Rechtsaufsicht wird. Wahlkampf in Zeiten strikter Ausgabenpolitik – das ist neu für Ingolstadt.
CSU-Stadtratsliste für die Kommunalwahl Ingolstadt 2026
Ersatzkandidaten:
