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Tarifliche Wahloptionen zwischen höherem Einkommen und zusätzlicher Freizeit werden von Beschäftigten überwiegend für mehr Zeit genutzt. Rund 60 Prozent entscheiden sich für eine Verkürzung der Arbeitszeit statt für mehr Geld. Das geht aus einer neuen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor.
Grundlage der Untersuchung sind Angaben von rund 1900 Beschäftigten, die 2022 nach Tarifabschlüssen eine entsprechende Wahlmöglichkeit hatten. Solche Optionen existieren unter anderem in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemie- und Stahlindustrie, bei der Bahn, im Versicherungsgewerbe, bei der Post sowie im öffentlichen Dienst. Je nach Tarifvertrag geht es um zusätzliche freie Tage oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit.
Konkret entschieden sich 59 Prozent ausschließlich für mehr Zeit, sechs Prozent für eine Kombination aus Zeit und Geld. 35 Prozent wählten ausschließlich mehr Einkommen. Frauen griffen deutlich häufiger zur zeitlichen Entlastung, insbesondere Mütter mit Kindern unter 14 Jahren. In dieser Gruppe nutzten 79 Prozent die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Als wichtigste Motive nannten Frauen wie Männer mehr Zeit für sich selbst sowie für Familie und soziales Umfeld.
Die Nutzung der Zeitoptionen hängt zudem von der Betriebskultur ab. In Unternehmen mit stark auf Vollzeitarbeit ausgerichteten Strukturen entschieden sich weniger Beschäftigte für eine Reduzierung der Arbeitszeit als in Betrieben, in denen Teilzeit verbreiteter ist. Besonders häufig wird die Zeitoption in Betrieben mit belastendem Arbeitsklima oder geringen Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie genutzt.
Die Forschenden werten die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass tarifliche Wahloptionen Hemmschwellen abbauen und zur Entlastung beitragen können. Zugleich äußern sie Skepsis gegenüber politischen Vorhaben, die längere Arbeitstage oder eine Lockerung von Arbeitszeitgrenzen vorsehen. Solche Ansätze stünden im Widerspruch zu den Bedürfnissen vieler Beschäftigter und könnten gesundheitliche Risiken erhöhen.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung; redaktionell bearbeitet.
