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Beim Tagesordnungspunkt „Nachnutzungsszenarien und Vermarktungsprozess des ehemaligen Galeria Kaufhofs“ diskutierte der Stadtrat über Hotels, Wohnraum und Investoren – während Stadtrat Ulrich Bannert (AfD) vor allem eines beschäftigte: dass überhaupt diskutiert wurde.
Während andere Redner über Millionenrisiken, Innenstadtbelebung und die eigene Haushaltslage stritten, verfolgte Bannert ein anderes Thema. Kein Nebenaspekt, sondern sein Hauptanliegen: die Form. Eine „Bekanntgabe“ sei eine Bekanntgabe, sagte er. Früher habe man das so gehandhabt. Da sei bekannt gegeben worden – und dann sei es weitergegangen. Punkt.
Als die Debatte dennoch weiterlief, meldete sich Bannert erneut. Es gehe ihm nicht um den Inhalt, stellte er klar. Sondern ums Prinzip. Eine Bekanntgabe sei kein Diskussionsformat. Wer diskutieren wolle, solle das bitte im Ausschuss tun. Oder später. Oder an anderer Stelle.
Und weil Ordnung Wiederholung braucht, folgte eine dritte Wortmeldung. Jetzt mit institutionellem Ausblick: Man müsse das grundsätzlich klären, sagte Bannert. In der Geschäftsordnungskommission. Für die Zukunft. Damit so etwas – eine Debatte zur falschen Zeit – nicht wieder vorkomme.
Bannert ließ offen, was seine Fraktion inhaltlich zum Kaufhof will. Zwar betonte er, man habe klare Vorstellungen – doch gerade diese gehörten seiner Ansicht nach nicht an diesen Ort. Die Debatte selbst wurde so zum eigentlichen Gegenstand seines Beitrags.
Die Szene hatte etwas Unfreiwillig-Komisches. Ein Stadtrat, der mehrfach das Wort ergreift, um zu erklären, warum jetzt bitte niemand sprechen sollte. Ein Ordnungsbedürfnis, das immer wieder ans Mikrofon drängt. Und eine „Bekanntgabe“, die allein schon deshalb zur Debatte wurde, weil jemand sie um jeden Preis zur Nicht-Debatte erklären wollte.
Satire entsteht manchmal nicht durch Überzeichnung. Manchmal reicht es, dreimal ans Mikrofon zu treten – und dabei vor allem über das Reden zu sprechen. Das ist dann Realsatire.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.
