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Drohnen im historischen Sitzungssaal, neben der Schlacht bei Gammelsdorf?

Drohnen im historischen Sitzungssaal, neben der Schlacht bei Gammelsdorf?

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Veröffentlichung erfolgt nicht redigiert und ungekürzt. Die Verantwortung für den Inhalt trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Christian Pauling, Stadtrat der LINKEN

Es wird ja immer wieder darüber geredet, dass es verhängt werden soll. Wir sind der Meinung, man sollte es, statt einer Abhängung lieber mit ein paar Drohnen ergänzen, um es auf den heutigen Stand zu bringen. Man kann, wenn man das barbarische Schlachten auf dem Bild hinter sich wähnt, versuchen die blutige Vergangenheit Ingolstadts zu verstecken, verschließt damit aber auch die Augen davor, was aktuell stattfindet. In der Region 10 werden immer noch Kriegswaffen produziert und an der THI und dem Gründerzentrum entstehen mit den wissenschaftlichen Kompetenzen der künstlichen Intelligenz und der "Urban Air Mobility" natürlich auch die Zutaten für autonome Kampfdrohnen, die in aller Welt dann ihr Unwesen treiben und “Sicherheit” stiften. Man muss das nicht verdammen, aber es schlicht auszublenden, wäre in unseren Augen mehr als heuchlerisch.

Wir haben es in der Hand, wir entscheiden, was wir anstreben und hier vor Ort entwickeln wollen. Es gibt genügend Unternehmen und Institutionen, die sich Kooperationen zur militärischen Nutzung entsagen. Das wohl prominenteste Beispiel ist Google, aber auch im wissenschaftlichen Bereich und in der Software Produktion kennt man Klauseln zur zivilen Nutzung. Warum sollten wir nicht als Stadt ein ähnliches Modell wagen?

Sicherlich, als Stadträt:innen können wir den Wandel zu einem friedlichen Wirtschaften nur bedingt beeinflussen. Wie wir mit dem kulturell gegossenen Erbe umgehen und worauf wir den Fokus legen, liegt jedoch in unserer Hand.

Nach unseren Informationen kann das aktuelle Wandbild abgetragen und neu untergebracht werden, das Stadtmuseum würde sich sicherlich auch über ein neues Ausstellungsstück freuen. Vielleicht ist es sogar möglich, ein neues, ausgeglicheneres Bild von Ingolstadt zu zeichnen, frei von Gewaltfantasien und Krieg, und dieses im Sitzungssaal auszustellen. Die Frage der Identität unserer Stadt wurden in mehreren Kontexten auch innerhalb des Innenstadt-Beteiligungsprozesses aufgeworfen und ich weiß auch, dass unser Kollege Matthias Schickel in diesem Bereich noch Arbeit und unbeantwortete Fragen vor uns sieht.

Wir sehen heute, dass einstige Produktionsstätten für Kriegswaffen zu kulturellen Orten umgewidmet werden, sich Audi nach dem Abgasskandal aufmacht in eine nachhaltigere
Zukunft und Industriehallen zu Wohnquartieren werden. Nicht alles ist Gold was glänzt, aber ich habe schon das Gefühl, dass unsere Stadtgesellschaft und die Unternehmen in unserer Region die Zeichen der Zeit verstanden haben und es besser machen wollen, für unsere Zukunft.

Wir befinden uns in einem fortwährenden Prozess und vielleicht kann ein neues Bild an dieser Stelle eine Momentaufnahme und Perspektive unserer jetzigen Zeit zeichnen, nicht nur als dekoratives Element, sondern auch als identitätsstiftende Materialisierung, als Mosaikstein im fortwährenden Prozess der Identitätsfindung und als Vergegenwärtigung. Mir gefällt der Grundgedanke: Ein Bild, das im alten Rathaus mutig in die Zukunft zeigt, denn wer sieht dieses Bild? Zuhauf wahrscheinlich junge Pärchen und ältere neu verliebte, die in die gemeinsame Zukunft blicken... Was wollen wir ihnen und den Besucher:innen über unsere Stadt mitgeben?

Anmerkung der Redaktion: Lesen Sie hierzu auch -> Was wäre der richtige Umgang mit Doppelfresko "Die Schlacht bei Gammelsdorf?

Foto: Christian Pauling, Überschrift: O-T(h)öne

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