Ein paar Gedanken von jenseits des Tellerrands

Ein paar Gedanken von jenseits des Tellerrands

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik.

Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Höbusch Christian, Stadtrat, Fraktion DIE GRÜNEN

Man muss gar nicht weit in die Welt reisen, um über den Tellerrand unserer Stadt zu schauen. Zu meinem jährlichen Treffen des Apian-Abiturjahrgangs 1988 war ich kürzlich in der Stadt Spalt in Mittelfranken. Bei nur gut 2000 Einwohner*innen in der Kernstadt, im gesamten Gebiet rund 5000 Einwohner*innen, also gerade mal bei rund 4% der Bürger*innen, konnte ich dort ganz lebendig erleben, wie hier eine Stadt - deren Stadtrechte bereits 1345 verliehen wurden - in der die Stadtindentität buchstäblich mit den Händen zu greifen, zu riechen, zu schmecken ist.

Während es Ingolstadt, dem Ort der Proklamation des Reinheitsgebots für Bier im Jahr 1516, also dem Ort, in dem das „Grundgesetz“ der heutigen Braukunst geschrieben wurde, bisher nur zu einem (meist trockenen) Bierbrunnen und Plänen für ein „Biermusem“ im Georgianum (Fasshalle) geschafft hat, gibt es im Kornhaus in Spalt ein auf 2. Stockwerken eingerichtetes Museum, das HopfenBierGut, das sich ganz dem Hopfen, dem Bier und seiner Bedeutung für den Ort widmet. Von den Geruchssinn ansprechenden Bierdüften bis hin zu einem globalen, digitalen Biertisch findet man dort reichlich Interessantes zum dem Nahrungsmittel aus Wasser, Hopfen und Malz. Diese Identifikation mit dem Hopfen und seinem Hauptprodukt setzt sich dann natürlich in der Stadtbrauerei Spalt fort, die allen Spalter Bürger*innen gehört und die Mitten in der historischen Stadt liegt (bei uns gab es Ingobräu ja auch mal innerhalb der Stadtmauern).

Ingolstadt und Spalt verbindet also das Bier. Spalt hat daraus aber eine (Touristen)Attraktion gemacht, die 2018 dem 5000-Seelen-Ort Einnahmen von 9 Millionen Euro bei den Übernachtungsgästen und 8 Millionen Euro durch die Tagesausflugsgäste brachten. In unserer Stadt haben wir natürlich ein Vielfaches davon, wir sind ja auch größer, aber Spalt hat einfach gemacht, gemacht, gemacht und dadurch, nicht nur Stadtidentität, gewonnen. Eine Identität, die in Ingolstadt immer nich gesucht wird, obwohl wir beste (historische) Voraussetzungen dafür hätten. Ingolstadt kann sich vom kleinen Spalt in Mittelfranken noch gut was abschauen.

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