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Ein Christkindlmarkt ist in erster Linie ein Versprechen. Von Wärme gegen den Winter, von Zimt gegen den Stress, von Gemeinschaft gegen die Kälte der Realität. Doch hinter den Buden, wo der Glühweinduft nicht mehr hinkommt, ist das Weihnachtsgeschäft längst kein romantisches Kapitel mehr — es ist Ökonomie im Ausnahmezustand. Margen, Arbeitszeiten, Personalnot: Advent als Hochsaison des harten Kalküls.
Wie grell dieser Gegensatz aufflammen kann, zeigte sich in der letzten Novemberwoche in Ingolstadt — bei der Schaustellerversammlung zum Christkindlmarkt.
Routine mit Ansage – bis sie keine mehr war
Eingeladen hatte die Stadt Ingolstadt, verantwortlich für Organisation und Ablauf des Marktes.
Nach Angaben mehrerer Anwesender begann die Sitzung wie jedes Jahr: Fragen zu Öffnungszeiten, Standlogistik, Abfall, GEMA, Abbauzeiten. Nichts, was auf einen Eklat hindeutete.
Doch mit dem Tagesordnungspunkt „Öffnungszeiten – geändertes Start- und Enddatum“ soll die Stimmung im Raum nach übereinstimmenden Schilderungen gekippt sein: Der Markt soll einige Tage früher öffnen und einen Tag früher schließen als in diesem Jahr.
Mehrere der befragten Teilnehmenden berichten, dass in diesem Zusammenhang auch die Lage der Beschäftigten angesprochen wurde: Ein früheres Ende des Marktes könne Mitarbeitenden eine Chance geben, ihr eigenes Weihnachtsfest vorzubereiten.
„Was dann passierte, haben wir so noch nie erlebt“
Nach übereinstimmenden Schilderungen aus dem Teilnehmerkreis kam es anschließend zu einem Moment, der die bis dahin routinierte Sitzung schlagartig zum Kippen brachte. Mehrere Anwesende berichten, drei Teilnehmer hätten deutlich alkoholisiert gewirkt und sich lautstark gegen eine frühere Schließzeit ausgesprochen.
Demnach fielen in der Debatte Äußerungen, die von Anwesenden als rassistisch, entwürdigend und menschenverachtend empfunden wurden.
Nach Darstellung des Teilnehmerkreises sei unter anderem sinngemäß geäußert worden, dass die Wünsche oder familiären Bedürfnisse von osteuropäischen Beschäftigten keine Rolle spielten. Gerade diese Beschäftigten hätten grundsätzlich zu arbeiten. Mehrere Anwesende schilderten zudem, ein Schausteller habe sinngemäß erkennen lassen, ihn interessiere im Wesentlichen nur, wenn er am 24. Dezember sein Geld zähle – und nicht die Situation seiner Beschäftigten.
Das Nachrichtenportal O-T(h)öne stützt sich hierbei ausschließlich auf übereinstimmende Schilderungen aus dem Teilnehmerkreis. O-T(h)öne hält die geschilderten Aussagen nicht für zitierfähig.
Kommunalpolitik am Tisch – aber ohne erkennbare Reaktion
Nach Angaben aus dem Teilnehmerkreis waren während der Sitzung zwei Stadtratsmitglieder anwesend. Eines von ihnen habe — so die übereinstimmenden Schilderungen — direkt am Tisch der Gruppe gesessen, aus der die beanstandeten Wortbeiträge gekommen sein sollen. Eine öffentliche Reaktion oder Einordnung dieses Mandatsträgers sei während der Sitzung nicht wahrgenommen worden. Für eine Nachfrage der Redaktion war das betreffende Stadtratsmitglied für O-T(h)öne am heutigen Tag, bis zur Veröffentlichung dieses Beitrages, nicht erreichbar.
Kritik an der Sitzungsleitung
Ein Teil der befragten Teilnehmenden zeigte sich im Nachgang irritiert darüber, dass aus ihrer Sicht nicht entschiedener gegen die ausfälligen Äußerungen eingeschritten worden sei. Nach übereinstimmenden Schilderungen wurde keiner der nach Aussage von Anwesenden deutlich alkoholisiert wirkenden Teilnehmer des Raumes verwiesen. Andere Stimmen berichten, die Leitung habe versucht, die Situation zu beruhigen und die Sitzung geordnet fortzuführen.
Zwischen Lichterglanz und Realität
Nach außen ist ein Christkindlmarkt das Versprechen einer heilen Welt — doch die Vorbereitung darauf erzählt diesmal eine andere Geschichte. In diesem Sitzungssaal prallten offenbar wirtschaftliche Interessen, Arbeitsbedingungen und menschlicher Umgang aufeinander. Und genau dort, wo eigentlich Adventsstimmung organisiert werden sollte, zeigte sich für viele überdeutlich: Weihnachten kann nach außen glänzen — hinter den Kulissen wird es oft ernüchternd dunkel.
Aus dem Teilnehmerkreis war heute mehrfach die Frage zu hören, ob – und welche – Konsequenzen der Vorfall haben wird.
Transparenzhinweis: Eigene Recherche. Anmerkung der Redaktion: Der Bericht basiert auf übereinstimmenden Schilderungen aus dem Teilnehmerkreis der Veranstaltung. Aus Gründen des Persönlichkeitsrechts erfolgt im Artikel keine Namensnennung.
