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Die Zweite Bürgermeisterin Dorothea Deneke-Stoll hat ihren Austritt aus der CSU sowie aus der CSU-Stadtratsfraktion erklärt – und damit die politische Lage im Stadtrat weiter verschärft.
Wie der DONAUKURIER berichtet, machte Deneke-Stoll ihre Entscheidung am Donnerstagvormittag in einer persönlichen Erklärung gegenüber der Zeitung öffentlich. Darin begründet sie ihren Schritt vor allem mit anhaltenden Spannungen innerhalb von Partei und Fraktion. Dem Nachrichtenportal O-T(h)öne, das zuletzt kritisch über die Rolle Deneke-Stolls im Zusammenhang mit der Bürgermeisterwahl berichtet hatte, liegt die Erklärung nicht vor.
Aus Kreisen der örtlichen CSU waren bereits im Vorfeld Stimmen zu hören, die mit einem Austritt von Deneke-Stoll gerechnet hatten. Die politische Ausgangslage bleibt damit komplex.
Konfliktlinien innerhalb der CSU
Nach Darstellung Deneke-Stolls haben sich über einen längeren Zeitraum hinweg Differenzen aufgebaut – sowohl inhaltlich als auch im Umgang miteinander. Sie beschreibt ein politisches Umfeld, in dem Diskussionen aus ihrer Sicht nicht mehr in der notwendigen Offenheit geführt worden seien.
Statt eines konstruktiven Austauschs habe sich zunehmend ein Klima entwickelt, in dem einzelne Positionen durchgesetzt würden und andere Sichtweisen weniger Raum fänden. In diesem Zusammenhang sieht sie auch einen fehlenden Rückhalt für ihre eigene Arbeit.
Zugleich verweist sie auf eine politische Entwicklung innerhalb der CSU, die sie nicht mehr mittragen könne. Teile von Partei und Fraktion verfolgten aus ihrer Sicht einen deutlich konservativeren Kurs. Ihre eigene Haltung – geprägt von Offenheit und auch von Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg – habe in diesem Umfeld zunehmend zu Spannungen geführt.
Bürgermeisterfrage als Auslöser der Eskalation
Eine neue Zuspitzung ergab sich im Zuge der Entscheidung über die Kandidatur für das Amt des zweiten Bürgermeisters. Nach einer internen Abstimmung innerhalb der CSU-Fraktion war Christopher Hofmann als Kandidat nominiert worden. Deneke-Stoll unterlag in der geheimen Wahl.
Im weiteren Verlauf zeigte sich jedoch, dass diese Entscheidung politisch nicht von allen getragen wurde. Innerhalb der CSU selbst entstanden Konfliktlinien, gleichzeitig verschoben sich mögliche Mehrheiten auch über Fraktionsgrenzen hinweg. Parallel dazu entwickelten sich Gespräche mit anderen Fraktionen, die nach kurzer Zeit wieder beendet wurden. Beobachter werteten dies als Hinweis darauf, dass nicht in erster Linie inhaltliche Fragen, sondern Personalentscheidungen im Mittelpunkt standen.
In dieser Phase rückte auch die Rolle von Deneke-Stoll erneut in den Fokus. Ihre Bereitschaft, das Amt grundsätzlich weiter auszuüben, sowie die Wahrnehmung, dass sie auch außerhalb der CSU Unterstützung erhalten könnte, wurden als relevante Faktoren für die politische Gesamtsituation gesehen.
Neuaufstellung der CSU und offene Mehrheitsfrage
Nach dem Rückzug von Christopher Hofmann reagierte die CSU kurzfristig und nominierte Franz Wöhrl als neuen Kandidaten. Damit sollte erkennbar eine einheitlichere Linie hergestellt und die eigene Handlungsfähigkeit gesichert werden. Gleichzeitig blieb die politische Ausgangslage komplex. Die schnelle personelle Entscheidung änderte nichts an der grundlegenden Frage, ob und wie tragfähige Mehrheiten hergestellt werden können. Auch die zuvor entstandenen Spannungen innerhalb der CSU wirkten weiter nach. Deneke-Stoll stellte sich nach außen zunächst hinter die neue Linie. Ob diese Unterstützung dauerhaft Bestand haben würde, blieb bereits zu diesem Zeitpunkt offen.
Vorgeschichte: wiederkehrende Spannungen innerhalb der CSU
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren politischen Vorgeschichte. Bereits im vergangenen Jahr hatte Deneke-Stoll ihre aktive Mitarbeit innerhalb der CSU-Stadtratsfraktion zeitweise ausgesetzt und sich zwischenzeitlich auch aus der Fraktion zurückgezogen. Hintergrund waren Differenzen über politische Inhalte, insbesondere im Zusammenhang mit der Bewertung der Finanzlage der Stadt sowie dem Umgang innerhalb der Fraktion.
Nach einer Phase der Distanz kam es später zu einer erneuten Annäherung. Im Zuge personeller Veränderungen an der Stadtspitze nahm Deneke-Stoll wieder an den Fraktionssitzungen teil. Innerhalb der CSU wurde dies als Zeichen gewertet, dass sich das Verhältnis zumindest vorübergehend stabilisiert haben könnte. Gleichzeitig blieb die Situation fragil und von gegenseitigem Misstrauen geprägt.
Entwicklung mit absehbarer Dynamik
Vor diesem Hintergrund wurde in politischen Kreisen zunehmend darüber diskutiert, wie sich die Situation weiter entwickeln könnte – insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden Bürgermeisterwahlen. Dabei ging es nicht nur um Mehrheiten, sondern auch um grundlegende Fragen politischer Verfahren und Verlässlichkeit. Es entstand der Eindruck, dass formale Entscheidungen zwar getroffen werden, ihre politische Tragfähigkeit jedoch nicht zwingend gesichert ist. Vielmehr werden sie Teil eines weitergehenden Prozesses, in dem Mehrheiten neu organisiert werden. Diese Dynamik betrifft nicht nur einzelne Personalentscheidungen, sondern hat Auswirkungen auf die politische Zusammenarbeit insgesamt.
Mandat soll weiter ausgeübt werden
Trotz ihres Austritts aus Partei und Fraktion will Deneke-Stoll ihr Mandat im Stadtrat weiterhin wahrnehmen. Sie sieht sich sowohl als gewählte Vertreterin über die Liste als auch als Person in der Verantwortung, sich weiterhin für die Stadt einzusetzen. Gerade angesichts der angespannten finanziellen Lage Ingolstadts wolle sie ihre Erfahrung weiterhin einbringen. Offen ist, ob sie künftig parteilos bleibt oder sich einer anderen politischen Gruppierung anschließt.
Entscheidung nach längerer Abwägung
Aus ihrer Erklärung geht hervor, dass der Schritt nicht kurzfristig gefallen ist. Vielmehr beschreibt Deneke-Stoll einen längeren Entscheidungsprozess. Innerhalb der CSU gebe es weiterhin zahlreiche persönliche Verbindungen und Unterstützer, mit denen sie gut zusammengearbeitet habe. Gleichzeitig habe sich jedoch die Gesamtsituation so entwickelt, dass sie für sich keine Perspektive mehr für eine vertrauensvolle und sachorientierte Zusammenarbeit sehe.
Auswirkungen auf die politische Lage
Der Austritt einer amtierenden Bürgermeisterin aus Partei und Fraktion stellt einen ungewöhnlichen Schritt dar und dürfte die ohnehin angespannte politische Situation im Ingolstädter Stadtrat weiter verändern. Vor den anstehenden Wahlen der Bürgermeisterämter verschieben sich damit die politischen Kräfteverhältnisse erneut. Welche konkreten Auswirkungen sich daraus ergeben, wird sich in den kommenden Tagen zeigen – mit unmittelbaren Folgen für die Handlungsfähigkeit des Stadtrats.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.