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Gutachten, Gespräche, neue Gutachten – über die künftige Klinikstruktur in der Region 10 wird seit Jahren diskutiert. Eine Entscheidung steht noch immer aus. Das könnte sich ändern.
Im Gespräch mit O-T(h)öne geht CSU-Stadtrat Albert Wittmann davon aus, dass bis Ende dieses Jahres konkrete Ergebnisse vorliegen könnten. „Ab 2027 könnten Entscheidungen getroffen werden.“ Ob daraus tatsächlich die ursprünglich diskutierte Fusion wird, lässt Wittmann offen. Er bezweifelt sogar, dass das Modell am Ende genauso umgesetzt wird, wie es im ersten Gutachten angedacht war.Der Weg sei „ganz steinig“.
Erst die Notaufnahme, dann die große Lösung
Wie schwierig die Zusammenarbeit schon im Kleinen ist, zeigt für Wittmann die Notaufnahme. Seit der Schließung beziehungsweise Einschränkung der Versorgung in Kösching muss das Ingolstädter Klinikum zusätzliche Belastungen auffangen.
Mit dem Landkreis Eichstätt wird deshalb über eine finanzielle Beteiligung am Umbau und an den Folgekosten der Notaufnahme verhandelt. Wittmann und Christian Lösel hätten diese Forderung bereits vor der Kommunalwahl gegenüber dem damaligen Landrat erhoben. Für Wittmann hängt daran mehr als die Finanzierung eines Umbaus. Wenn eine Einigung schon bei der Notaufnahme nicht gelinge, werde auch eine weitergehende Zusammenarbeit schwieriger. Fusion, Kooperation oder ein anderes Modell – die Frage bleibt offen.
Keine weiteren Gutachten zum Zeitgewinn
Irgendwann müsse entschieden werden, sagt Wittmann. Nach Jahren der Untersuchungen hält er nichts davon, weitere Gutachten allein deshalb in Auftrag zu geben, weil eine politische Entscheidung vermieden oder hinausgeschoben werden soll. Das „macht keinen Sinn“. Denn auch die strategische Ausrichtung des Klinikums hängt davon ab, welches Modell gewählt wird. Eine eigenständige Zukunft verlangt andere Entscheidungen als eine Kooperation oder eine Fusion.
Eines stellt Wittmann dabei klar: Vereinbarungen, Verträge oder Verständigungen dürften nicht „am Stadtrat oder an der Bevölkerung vorbei“ getroffen werden. Eine Fusion brauche einen Grundsatzbeschluss des Stadtrats. Auch eine größere Kooperation lasse sich nicht einfach an den politischen Gremien vorbei organisieren. „So eine Diskussion muss man aushalten“, sagt Wittmann.
Privatisierung ist für die CSU kein Thema
Eine andere Möglichkeit schließt Wittmann aus: die Privatisierung des Klinikums oder die Beteiligung eines privaten Betreibers. „Privatisierung ist kein Thema, wird auch kein Thema sein.“ Seine Begründung: Auch private Betreiber könnten die wirtschaftlichen Probleme nicht wegzaubern. Am Ende werde entweder bei den Löhnen oder bei der Versorgung gespart. „Und beides wollen wir nicht.“
Für Wittmann bleibt das Klinikum trotz der angespannten Haushaltslage eine der zentralen Aufgaben der Stadt. Einsparungen seien dennoch notwendig. Nicht jedes Defizit könne unbegrenzt hingenommen werden. An der grundsätzlichen Priorität der Gesundheitsversorgung ändere das nichts.
Seit 2014 keine Mitarbeiterbefragung
Auf eine schriftliche Anfrage von O-T(h)öne teilte das Klinikum mit, dass die letzte Mitarbeiterbefragung 2014 stattfand. Seitdem gab es keine weitere. Die Ergebnisse wurden dem Aufsichtsrat nicht vorgestellt. Welche Konsequenzen aus der damaligen Befragung gezogen wurden, beantwortete das Klinikum nicht. Wittmann hält eine neue Befragung für angezeigt: Wenn die letzte tatsächlich 2014 gewesen sei, „dann würde die aus meiner Sicht mal wieder anstehen“. Zugleich widerspricht er dem Eindruck einer insgesamt schlechten Mitarbeiterzufriedenheit. Er verweist auf positive Rückmeldungen von Patienten. Probleme räumt er dennoch ein: Bei einzelnen Führungskräften gebe es Unzufriedenheit und Beschwerden; entsprechende Probleme seien bereits angesprochen worden. Das bedeute für ihn aber nicht, dass die Mitarbeiterzufriedenheit insgesamt schlecht sei.
Maximalversorger bleibt Ziel
Trotz Finanzproblemen und der noch offenen Frage der regionalen Klinikstruktur hält die CSU auch am langfristigen Ziel eines Universitätsklinikums fest. Wittmann spricht dabei von einem Zeitraum von deutlich mehr als einem Jahrzehnt, möglicherweise ein oder zwei Jahrzehnten. „Wenn man diese Zielsetzung aufgibt, dann hat man ja schon verloren.“ CSU-Fraktionsvorsitzender Christopher Hofmann nennt die Weiterentwicklung zum Maximalversorger als ersten Schritt. Das Ziel dürfe auch deshalb nicht aufgegeben werden, weil sich politische und finanzielle Rahmenbedingungen über Jahre verändern könnten. Christian Lösel verweist zugleich auf eine entscheidende Voraussetzung für ein Universitätsklinikum: „Es fehlt die gesamte akademische Ausbildung am Standort.“ Dafür müssten zunächst universitäre Studienangebote und entsprechende Hochschulkapazitäten aufgebaut werden.
Liegen die angekündigten Ergebnisse bis Ende des Jahres vor, könnte 2027 zum Entscheidungsjahr für die regionale Klinikstruktur werden. Ob Fusion, Kooperation oder ein anderes Modell – nach Jahren der Gutachten wären dann die politischen Entscheidungsträger am Zug.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.
Anmerkung der Redaktion: Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen eines Gesprächs mit CSU-Fraktionsvorsitzendem Christopher Hofmann sowie den Stadträten Albert Wittmann und Christian Lösel am vergangenen Freitag. Weitere Themen des Gesprächs waren die Finanzlage und Haushaltskonsolidierung, Personal- und Verwaltungskosten, Steuern und Gebühren, Wirtschaft und Arbeitsplätze, Wirtschaftsförderung und Technologietransfer, das Klinikum und die Notfallversorgung, die weitere Entwicklung der Kliniklandschaft sowie Transparenz und politische Entscheidungswege. Die jeweiligen Artikel finden Sie auf www.o-thoene.de.
Weitere Fraktionen des Ingolstädter Stadtrates sind ebenfalls zu ausführlichen Gesprächen angefragt. Auch über diese wird dann in gleicher Form berichtet.
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