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#fairgüten - Tarifpolitik ist Gleichstellungspolitik!

#fairgüten - Tarifpolitik ist Gleichstellungspolitik!

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Petra Kleine, OB-Kandidatin der GRÜNEN

Lohnungleichheit ist ein Thema in Ingolstadt. So liegt der statistische Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Ingolstadt bei 37 % und ist damit doppelt so hoch bzw. schlecht wie der bayerische Durchschnitt von 17,3 %.  Zu dieser Lohnungleichheit trägt bei, dass Frauen häufiger in Berufen arbeiten, die niedriger bezahlt werden – der soziale, erzieherische und pflegerische Bereich gehören dazu. Und dann gibt es, wie aktuell im Klinikum Ingolstadt, Beschäftigte die zwar alle unter einem Dach arbeiten, aber zu verschiedenen öffentlichen Gesellschaften gehören, weil vor Jahren bestimmte Arbeitsbereiche wie Reinigung und Küche ausgegliedert wurden und schließlich nach dem TV Service bezahlt wurden, der Unterschiede von bis zu 600 € im Monat ausmachen kann. 80% der Beschäftigten in dieser Servicegesellschaft sind Frauen.

Vor allem ein öffentlicher Arbeitgeber sollte nicht zulassen, dass im eigenen Haus und durch eigene Organisation eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Beschäftigten entsteht – die einen bezahlt nach TVöD, die anderen nach dem TV Service. Kliniken wie in Fürth oder in Kösching haben dies längst als Irrweg erkannt und führen die Gesellschaften wieder unter einen Tarif bzw. unter ein Dach zusammen.

Die Gewerkschaft ver.di macht seit einigen Wochen auch in Ingolstadt auf diesen Tarifkampf aufmerksam. Sie will erreichen, dass alle, die im Klinikum bei öffentlichen Arbeitgebern arbeiten nach dem gleichen Tarif TVöD bezahlt werden. Besonders für Frauen lohnt sich das: Zwischen Frauen und Männern klafft ohnehin schon eine durchschnittliche Lohnlücke von 21 Prozent (bundesweit); wo Tarifverträge gelten, schrumpft die Entgeltlücke.  Und die Situation wird noch einmal besser, wenn alle gleich nach dem TVöD bezahlt werden.
Servicegesellschaften abschaffen!
• Durch die geringen Löhne in der Servicegesellschaft gibt es längst eine hohe Fluktuation zu anderen Arbeitgebern. Dabei verlangt gerade das Reinigen in einem Klinikum hohe Hygienestandards einzuhalten. Die Reinigung etwa im OP-Bereich ist anspruchsvoll und dafür müssen die Kräfte geschult sein. Das wird durch Gering-Löhne nicht angemessen bezahlt und auch weniger gut als in anderen Reinigungsjobs.
• Es entsteht hohe Fluktuation und damit auch ein Problem. Es muss ständig neu geschult werden und dennoch geht Kompetenz verloren. So schwächt sich der Arbeitgeber - auch wirtschaftlich - selbst. Und das Klinikum trägt diese Unsicherheit mit, wenn einerseits die Hygiene immer wichtiger wird und andererseits eben das geschulte Können verloren geht.
• Die geringe Bezahlung führt selbst bei einem Vollzeitjob dazu im Alter nah an oder unter der Grundsicherung zu leben. Vorprogrammierte Altersarmut bei den Beschäftigten ist ein Armutszeugnis für einen öffentlichen Arbeitgeber. Und: Altersarmut ist vor allem weiblich!
• Als 2004 erste Gespräche für eine Ausgründung geführt wurden, hatten die Beschäftigten zwei Hauptinteressen: gesicherte Arbeitsplätze und eine Bezahlung nach Tarif. Dazu meinte damals der Ingolstädter Bürgermeister abwiegelnd: "Es braucht niemand im Klinikum Ingolstadt Angst, um seinen Arbeitsplatz zu haben. Es braucht auch niemand Angst zu haben, dass er in Zukunft weniger verdient" (DK 28.1.2004).  Es kam dann doch genau so, wie befürchtet worden war und führte zu der geringen Bezahlung, zu den Lohnunterschieden im Klinikum und zu der hohen Fluktuation, die heute beklagt wird. Daher unterstütze ich die Beschäftigten bei der Demonstration „Wir sind alle TVöD“ am 10. März um 16.30 auf dem Rathausplatz. Gleicher Lohn für gute Arbeit.

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