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Familienfreundlichkeit bleibt Randnotiz

Unternehmen in Deutschland werben in Stellenanzeigen nur selten mit familienfreundlichen Bedingungen. Laut einer Auswertung der Bertelsmann Stiftung taucht ein entsprechender Hinweis lediglich in 16,4 Prozent der Angebote auf. Unterstützung bei der Kinderbetreuung wird sogar nur in 2,7 Prozent der Anzeigen genannt.

Die Stiftung hat dafür rund acht Millionen Stellenangebote aus dem Jahr 2024 ausgewertet. Zwar geben 86 Prozent der Unternehmen in Befragungen an, Wert auf Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu legen. In den Anzeigen bleibt das Thema jedoch weitgehend ausgeklammert.

Auch bei der Arbeitszeitgestaltung ist das Bild ernüchternd. Nur 14 Prozent der Stellenanzeigen sehen vor, dass Beschäftigte den Umfang ihrer Arbeitszeit selbst bestimmen können. Immerhin ein Viertel erlaubt eine flexible Verteilung der Wochenstunden. Demgegenüber verlangen 18 Prozent von Bewerberinnen und Bewerbern ein hohes Maß an „Flexibilität“. Zwölf Prozent setzen Schichtarbeit voraus, knapp acht Prozent die Bereitschaft zu Dienstreisen. In 3,6 Prozent der Fälle wird zusätzliche zeitliche Verfügbarkeit gefordert, etwa an Wochenenden.

Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen Branchen. In frauendominierten Berufen wie Pflege oder Sozialarbeit bieten 24 Prozent der Anzeigen Wahlmöglichkeiten beim Arbeitsumfang. In männerdominierten Berufen sind es sieben Prozent. Gleichzeitig enthalten diese häufiger Vorgaben zu Schichtdienst oder Rufbereitschaft: 18,6 Prozent gegenüber 13,9 Prozent in frauendominierten Berufen.

Auch der Bildungsgrad spielt eine Rolle. Für Expertinnen und Experten mit Hochschulabschluss finden sich in 21,4 Prozent der Anzeigen Hinweise auf Familienfreundlichkeit, bei Helfertätigkeiten nur in 11,2 Prozent. Zudem bieten 33 Prozent der Anzeigen auf Expertenniveau flexible Arbeitszeiten – bei Fachkräften sind es 20 Prozent, bei Helferstellen lediglich 14 Prozent.

Die Stiftung warnt, dass sich damit klassische Rollenmuster am Arbeitsmarkt verfestigen. Männer erhalten seltener Angebote zur besseren Vereinbarkeit, Frauen wiederum schrecken vor Berufen zurück, in denen diese fehlen. In Zeiten des Fachkräftemangels, so die Analyse, sei das ein Risiko für die Unternehmen selbst.

Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung.

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