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Finanzkrise in Ingolstadt: Weiter sparen, streichen, erhöhen

Die Stadt Ingolstadt hat ihre Beschäftigten heute in einer internen Mitarbeiterinformation über weitere Schritte zur Stabilisierung der kommunalen Finanzen informiert, wie die städtische Pressestelle mitteilt. Die Verwaltung spricht von einer strukturellen Zäsur, nicht von einer vorübergehenden Schwächephase. Für 2026 rechnet die Stadt mit einem Defizit von 80 bis 100 Millionen Euro. Ein deutlicher Einbruch der Gewerbesteuer hat die Lage im Herbst zusätzlich verschärft. Im Dezember soll dem Stadtrat ein umfassender Prüf- und Maßnahmenauftrag vorgelegt werden.

Die Stadt würdigt die bisherigen Anstrengungen der Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten Abläufe angepasst, zusätzliche Aufgaben übernommen und spürbare Einsparungen ermöglicht hätten. Dennoch seien weitere Schritte notwendig, um die finanzielle Handlungsfähigkeit zu sichern und Bedarfszuweisungen des Freistaats beantragen zu können. Solche Hilfen erhält eine Kommune nur, wenn sie nachweisbar eigene konsolidierende Maßnahmen ergreift.

Ein Kernpunkt ist der Stellenabbau über natürliche Fluktuation. Die Verwaltung plant einen faktischen Einstellungsstopp und will das reguläre Stellenplanverfahren bis 2028 aussetzen. Freiwerdende Stellen werden nur nachbesetzt, wenn sie zwingend erforderlich sind. Begonnene Stellenbesetzungsverfahren laufen weiter; Besetzungen über die Koordinierungsliste bleiben möglich. Dauerhafte Ausschreibungen in der Human- und Tiermedizin sowie im Bereich der Kinderbetreuung bleiben online. Unabweisbare Mehrbedarfe, etwa bei Feuerwehr und Kinderbetreuung, sollen weiterhin gesondert geprüft werden. Ein Konzept für eine generelle Nachbesetzungssperre mit definierten Ausnahmen soll im Januar vorliegen.

Für 2026 stellt sich die Stadt auf eine vorläufige Haushaltsführung ein. Sachausgaben wären dann nur noch möglich, wenn sie rechtlich verpflichtend oder unaufschiebbar sind. Über- und außerplanmäßige Ausgaben sind ausgeschlossen. Die Verwaltung kündigt an, dass Standards reduziert und Aufgaben stärker priorisiert werden müssen. Projekte und Beschaffungen sollen strenger geprüft werden. Gleichzeitig sollen Digitalisierung und Automatisierung bevorzugt vorangetrieben werden, um Abläufe zu vereinfachen und Personalressourcen zu entlasten.

Auch Einrichtungen mit freiwilligen Leistungen stehen auf dem Prüfstand – darunter Jugendherberge, Technikerschule, Volkshochschule, Sing- und Musikschule, Stadtteiltreffs und Bürgerhäuser sowie die Stadtbücherei mit ihren Standorten, dem Bücherbus und der Schulmedienzentrale. Bewertet werden sollen Einsparpotenziale, organisatorische Alternativen und Anpassungen der Angebote. Schließungen gelten als äußerste Option. Die Stadt betont, dass die Prüfaufträge keine Vorfestlegung darstellen, sondern eine ehrliche Analyse ermöglichen sollen.

Städtische Beteiligungen sollen ihren Beitrag ebenfalls erhöhen. Geprüft werden strengere Sparvorgaben, restriktive Personalbewirtschaftung und organisatorische Veränderungen, um Defizite zu reduzieren und den Kernhaushalt zu entlasten.

Auf der Einnahmeseite plant die Verwaltung eine Anpassung des Grundsteuer-Hebesatzes, die Einführung einer Zweitwohnungssteuer und weitere Gebührenprüfungen. Zudem sollen Bedarfszuweisungen beim Freistaat beantragt werden, die jedoch an erkennbare Konsolidierungsfortschritte gebunden sind. Die Stadt spricht davon, dass diese Hilfen entscheidend für die Sicherung der Liquidität seien.

Betriebsbedingte Kündigungen sollen weiterhin vermieden werden. Änderungen in Aufgaben und Einsatzbereichen hält die Verwaltung allerdings für möglich. Nach der Stadtratssitzung will die Stadt erneut über die Beschlüsse und die nächsten Schritte informieren.

Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Mitteilung der Stadt Ingolstadt.

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