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Finanzkrise: Ingolstädter Jugendherberge vor dem Ende

Der Ingolstädter Finanzausschuss empfiehlt die Schließung der Jugendherberge. Ein Prüfbericht des städtischen Kulturamts hatte davon kurz zuvor noch ausdrücklich abgeraten. Im Gremium wurde viel Bedauern geäußert – gegen die Empfehlung stimmten dennoch nur zwei Mitglieder.

„Diese Maßnahme ist nicht zu empfehlen!“, heißt es in der Präsentation der Verwaltung zur Zukunft der Ingolstädter Jugendherberge. Auch der Prüfbericht des städtischen Kulturamts verwirft die Schließung: „Diese Variante wird nicht weiterverfolgt.“ Drei Tage nach der Präsentation legte die Verwaltung eine Beschlussvorlage vor, die genau diese Schließung vorsieht.

Der Ausschuss für Finanzen und Personal sprach sich am Mittwoch bei zwei Gegenstimmen vorberatend dafür aus, den Betrieb im Kavalier Zweibrücken zum 31. Juli 2027 einzustellen. Der Prüfbericht datiert vom 8. Juli, die Präsentation vom 17. Juli, die gegenteilige Beschlussvorlage vom 20. Juli. Innerhalb von zwölf Tagen änderte die Verwaltung ihre Empfehlung grundlegend. Bei dem Dokument handelt es sich nicht um ein unabhängiges externes Gutachten, sondern um einen Prüfbericht des städtischen Kulturamts. Darin wurden mehrere Möglichkeiten für die Zukunft der Jugendherberge untersucht. Die Schließung gehörte ausdrücklich nicht zu den empfohlenen Varianten. Stattdessen hatte der Prüfbericht vorgeschlagen, durch zusätzliche Kooperationen mehr Gäste zu gewinnen und die Einnahmen durch regelmäßige Preisanpassungen zu erhöhen. Mit der späteren Beschlussvorlage waren auch diese Alternativen vom Tisch.

Die Verwaltung begründet den Kurswechsel mit dem Zustand und den Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes. Das historische Kavalier sei für einen Herbergsbetrieb nicht ideal, Umbauten seien schwierig und größere Investitionen derzeit nicht finanzierbar. Welche Kosten künftig noch entstehen könnten, ist offen. Die Vorlage spricht von „aktuell noch nicht bezifferbaren Kosten“.

Viel Bedauern, wenig Widerstand

Im Ausschuss wurde viel bedauert und von einer schweren Entscheidung gesprochen. Bei der Abstimmung blieb davon wenig übrig: Nur zwei Mitglieder stimmten gegen die Empfehlung, die Jugendherberge zu schließen.

Kulturreferent Marc Grandmontagne beschrieb seinen Konflikt so: „Hier hat sozusagen die finanzpolitische Loyalität die Fachloyalität geschlagen.“ Eine Einrichtung des eigenen Referats schließen zu müssen, tue weh. Später sprach er von einem „nicht schönen Antrag“ und davon, dass die Haushaltslage der Stadt derzeit alles abverlange. Für Grandmontagne war damit auch eine soziale Abwägung verbunden. Wenn schon gekürzt werden müsse, sei es eher hinnehmbar, Reisende von außerhalb zu treffen, als Kinder und Jugendliche aus Ingolstadt. Zugleich verwies er auf den Sanierungsbedarf. Besonders die sanitäre Situation entspreche nicht mehr den heutigen Erwartungen. Geld für eine grundlegende Modernisierung gebe es nicht.

Eva Bulling-Schröter sagte, sie sei „sehr traurig“, als alte Ingolstädterin mitzuerleben, „wie systematisch das alles abgebaut wird“. Sie erinnerte daran, dass in der Jugendherberge früher bereits ein Jugendzentrum untergebracht gewesen sei, das ebenfalls geschlossen wurde.

Albert Wittmann von der CSU verzichtete auf Trauerränder. Die Stadt brauche diese Jugendherberge nicht mehr, sagte er. Sie sei nicht mehr zeitgemäß.

Nathalie Argus von den Grünen wollte zunächst klären, wie das Gebäude nach einer Schließung genutzt werden könnte. Andere drängten auf eine schnelle Entscheidung. Veronika Peters von der SPD bezeichnete einen Aufschub als „Augenwischerei“.

Sparen kostet zunächst Geld

Die finanziellen Folgen werden in den Unterlagen unterschiedlich berechnet. Laut Prüfbericht würde eine Schließung das Defizit zunächst um rund 120.000 Euro pro Jahr erhöhen. Die Einnahmen aus Übernachtungen und Verpflegung fielen sofort weg. Personal- und Gebäudekosten blieben zunächst bestehen. Die Beschäftigten stehen weiter bei der Stadt unter Vertrag. Ein Spareffekt entsteht erst, wenn sie freie Stellen übernehmen, die sonst neu besetzt werden müssten, oder die Stadt verlassen.

Mittelfristig beziffert der Prüfbericht das maximale Einsparpotenzial auf rund 130.000 Euro jährlich. Angesichts des vollständigen Wegfalls des Angebots sei das „äußerst gering“. Das Haushaltssicherungskonzept nennt dagegen rund 239.200 Euro für 2027 und etwa 337.500 Euro jährlich ab 2028. Der Prüfbericht rechnet mit einer aktualisierten Prognose, die Haushaltsplanung dagegen mit dem ursprünglichen Ansatz für 2026.

Markus Reichhart von den Freien Wählern zweifelte zudem an der Belastbarkeit der Kostenrechnung. Niemand wisse genau, wie alt etwa die Leitungen seien. Zusätzliche Prüfungen oder bislang unbekannte Schäden könnten die Kalkulation schnell verändern. Je nach Berechnungsgrundlage und Zustand des Gebäudes fällt der mögliche Spareffekt damit sehr unterschiedlich aus. Im Ausschuss fand die Schließung dennoch eine klare Mehrheit.

Der Ladenhüter bleibt

Das Kavalier Zweibrücken gehört dem Freistaat Bayern. Die Stadt besitzt daran ein Erbbaurecht bis 2052, muss für den Bauunterhalt sorgen und darf das Gebäude nur für Jugend- und Sportzwecke nutzen. Die Herberge zu schließen bedeutet deshalb nicht, das Kavalier loszuwerden. Baureferent Matthias Franz bezifferte die jährlichen Kosten für Bauunterhalt, Wartung, Energie, Wasser, Abwasser und Reinigung auf gut 100.000 Euro. Bei einem Leerstand könnten davon überschlägig etwa 60.000 bis 66.000 Euro entfallen. Den größten Teil dieser Einsparung würde die nicht mehr erforderliche Reinigung ausmachen. Kostenlos wird das Haus trotzdem nicht. Das Dach muss dicht bleiben, Wasserschäden müssen erkannt, Schimmel und Ungeziefer verhindert werden. Franz nannte das Gebäude einen „echten Ladenhüter“.

Eine Rückgabe an den Freistaat wäre aus seiner Sicht am sinnvollsten. Finanzreferent Franz Fleckinger will darüber sprechen. Große Hoffnung machte er nicht. Die bisherigen Erfahrungen ließen eher erwarten, dass der Freistaat auf den vertraglichen Pflichten der Stadt besteht. Die Verwaltung sucht deshalb nach einer Nachnutzung. Doch auch diese würde Geld kosten. Je umfangreicher das Gebäude weiter genutzt wird, desto geringer fällt der mögliche Spareffekt aus.

Die Übernachtungszahlen sanken von 9.660 im Jahr 2022 auf 7.312 im Jahr 2025. Die Auslastung ging von 44,4 auf 34,1 Prozent zurück. Auch das Jugendamt nutzt das Nebenhaus im Winter und müsste bei einer Schließung Ersatz finden.

Endgültig entscheidet der Stadtrat am 29. Juli. Stimmt er zu, endet der Herbergsbetrieb im Sommer 2027. Erbbaurecht, Unterhaltungspflichten und die Suche nach einer Nachnutzung bleiben.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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