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Finanzkrise: Sparbeschluss ohne belastbare Zahlen

Als der Ingolstädter Stadtrat Ende Oktober 2025 über das Konsolidierungsprogramm für Bauinvestitionen entschied, klang vieles nach Sparkurs. Doch wie viel tatsächlich gespart werden sollte – oder überhaupt werden kann –, bleibt bis heute offen.

Das geht aus Antworten der Stadt Ingolstadt auf Medienanfragen des Nachrichtenportals O-T(h)öne hervor. Die Kernaussage der Verwaltung ist dabei konstant: Belastbare Zahlen liegen nicht vor.

Keine Einsparliste

In einer Stellungnahme vom November 2025 macht die Stadt deutlich, worum es bei der Beschlussfassung ging – und worum nicht. Gegenstand der Entscheidung sei nicht die Festlegung konkreter Einsparbeträge gewesen, sondern die haushaltsrechtliche Einordnung von Bauprojekten als „zwingend und unabweisbar“.

Der Beschluss diente damit der Auswahl jener Vorhaben, die der Regierung von Oberbayern zur Genehmigung der vorgesehenen Kreditaufnahmen vorgelegt werden müssen. Eine Einsparliste habe es nicht gegeben.

„Eine geplante oder erzielte Einsparsumme kann nicht benannt werden.“

Zur Begründung verweist die Stadt auf fehlende Kostenangaben bei noch nicht ausgeschriebenen Projekten, auf die ausstehende Entscheidung der Regierung von Oberbayern über die Kreditgenehmigung sowie auf unklare Risiken möglicher Schadenersatzforderungen bei Projektstopps oder Verschiebungen.

Umstufungen statt Kürzungen

Auch politisch relativiert die Stadt den Eindruck eines harten Sparkurses. Es handele sich nicht um Kürzungsmaßnahmen, sondern um eine Einstufung nach Dringlichkeit und Unabweisbarkeit.

Zudem ging der Stadtrat in einzelnen Punkten über die ursprünglichen Vorschläge der Verwaltung hinaus. Die Außengestaltung des Hochschulplatzes und das Baugebiet Seehof wurden vom Status „Projektstopp“ auf „Projektfortführung“ gesetzt. Das Gebäude der alten Schule in Hundszell soll mit einem Dach versehen und baulich gesichert werden.

Alle Vorhaben, die nun als fortzuführen gelten, müssen ebenfalls Bestandteil der Kreditabstimmung mit der Regierung von Oberbayern sein.

Bis heute unverändert

Bis zum heutigen Tag bleibt die Lage unverändert. Auf eine aktuelle Medienanfrage teilt die Stadt mit, der Sachstand habe sich „bislang nicht wesentlich verändert“. Für die behandelten Bauvorhaben lägen weiterhin „keine belastbaren, abschließend quantifizierbaren Kosten- oder Einsparansätze“ vor. Die Ansätze würden abhängig vom jeweiligen Projektstand fortlaufend fortgeschrieben.

Auch von der Regierung von Oberbayern gebe es bislang keine Entscheidungen oder verbindlichen Vorabinformationen zur Genehmigung der vorgesehenen Kreditaufnahmen. Diese erfolgten erst im Rahmen der haushaltsrechtlichen Würdigung des Haushalts 2026, eine Bewertung einzelner Projekte sei dabei nicht zu erwarten.

Was offen bleibt

Unbeantwortet bleiben damit zentrale Fragen der Medienanfragen von O-T(h)öne. So bleibt offen, ob für einzelne Projekte inzwischen zumindest grobe Kostenansätze oder Einsparbandbreiten vorliegen. Unklar ist auch, in welcher Größenordnung sich Einsparungen durch Projektstopps, Verschiebungen oder zeitliche Streckungen bewegen könnten. Einen Zeitrahmen, ab wann belastbare Zahlen vorliegen sollen, nennt die Stadt nicht.

Unklar bleibt zudem, ob und bei welchen Projekten tatsächlich mit Schadenersatzforderungen zu rechnen ist. Die Stadt macht keine Angaben dazu, ob entsprechende Risiken bereits geprüft wurden, welche Vorhaben betroffen sein könnten oder in welcher finanziellen Größenordnung mögliche Forderungen liegen könnten.

Ein Sparkurs ohne Zahl

Unterm Strich hat der Stadtrat festgelegt, was als unverzichtbar gilt. Wie viel Geld dadurch eingespart wird, lässt sich weiterhin nicht sagen. Nach Angaben der Stadt lassen sich daraus bislang keine quantifizierbaren Einsparungen ableiten. Der Sparkurs bei den Bauinvestitionen existiert bislang vor allem auf dem Papier.

Die Sitzungsvorlage zum überarbeiteten und ergänzten Konsolidierungsprogramm Bauinvestitionen Finanzplanungszeitraum zum Haushaltsjahr 2026 und folgende ist abrufbar unter https://www.ingolstadt.de/sessionnet/vo0050.php?__kvonr=22512

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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