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Der bevorstehende Weggang von Klinikdirektor Micha Bahr könnte weitreichende Folgen für die Kinder- und Jugendchirurgie am Klinikum Ingolstadt haben. Nach Informationen von O-T(h)öne steht zur Debatte, künftig vollständig auf eine Kinderchirurgie zu verzichten oder deren Leistungen ohne eigene Klinik und eigenen Chefarzt in die Chirurgie zu integrieren. O-T(h)öne liegen zudem Informationen vor, wonach Bahrs Weggang auch damit zusammenhängt, dass er seine Vorstellungen am Klinikum nicht in dem von ihm gewünschten Umfang verwirklichen konnte. Der Vorgang war bereits Thema einer Sondersitzung des Klinikumaufsichtsrats.
Mit diesen Informationen wurden CSU-Fraktionsvorsitzender Christopher Hofmann und CSU-Stadtrat Albert Wittmann, die ihre Fraktion auch im Aufsichtsrat des Klinikums vertreten, am gestrigen Freitagabend von O-T(h)öne konfrontiert. Wittmann widersprach ihnen nicht. Wegen der nichtöffentlichen Beratung könne er dies allerdings nicht kommentieren.
Der CSU-Stadtrat machte jedoch deutlich, dass sich aus seiner Sicht zunächst die Fraktionen und Gruppierungen des Stadtrats mit dem Thema befassen müssten. Die Satzung lasse zwar eine Entscheidung durch den Aufsichtsrat zu. Für Wittmann reichte das bei einem derart sensiblen Thema nicht aus. Diese aus seiner Sicht wichtige Einbindung der Fraktionen und Gruppierungen des Stadtrats finde nun statt.
„Keine Abstriche bei der Kinderchirurgie“
In der Sache machten Wittmann und Hofmann deutlich, wo für sie die Grenze liegt: Bei der kinderchirurgischen Versorgung dürfe es keine Abstriche geben. „Die Vorgabe von uns ist, dass es keine Abstriche bei der Kinderchirurgie gibt“, sagte Wittmann. Das bedeutet für ihn allerdings nicht zwingend, ein eigener Chefarzt berufen werden muss. Wittmann wurde dabei konkret: Auch ohne eigenen Chefarzt könne die Kinderchirurgie auf dem bisherigen Niveau weiterarbeiten, wenn die Zahl der Betreuer, Ärzte und Betten erhalten bleibe. Dann werde die Kinderchirurgie in Ingolstadt „in keinster Weise“ vernachlässigt. Sie werde „auf dem gleichen Niveau bleiben“. Damit lässt Wittmann die künftige organisatorische Struktur ausdrücklich offen. Entscheidend ist für ihn, dass die kinderchirurgischen Leistungen erhalten bleiben.
Wittmann hält es nicht nur für notwendig, sondern auch für „anständig“, die politischen Vertreter mit dem Thema zu befassen und ihnen zu sagen, „was Sache ist“. Bei einer so sensiblen Frage müsse der Stadtrat eingebunden werden.
Hofmann: Klinikum ausbauen, nicht abbauen
Christopher Hofmann stellte die Diskussion schließlich in einen größeren Zusammenhang. Der CSU-Fraktionsvorsitzende machte deutlich, dass seine Fraktion bei der Gesundheitsversorgung grundsätzlich für „kein Wegfall von Leistungen“ stehe. Dass das Klinikum defizitär arbeite, sei der CSU bewusst. Ein Einschnitt in die Gesundheitsversorgung sei den Menschen jedoch kaum zu vermitteln. „Das geht ans Eingemachteste der Menschen“, sagte Hofmann. Seine Konsequenz daraus formulierte er unmissverständlich: „Wir wollen ja das Klinikum sogar ausbauen. Und nicht abbauen.“
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.
Anmerkung der Redaktion: Diese Berichterstattung erfolgt im Rahmen eines Gesprächs mit CSU-Fraktionsvorsitzendem Christopher Hofmann sowie den Stadträten Albert Wittmann und Christian Lösel am vergangenen Freitag. Weitere Themen des Gesprächs waren die Finanzlage und Haushaltskonsolidierung, Personal- und Verwaltungskosten, Steuern und Gebühren, Wirtschaft und Arbeitsplätze, Wirtschaftsförderung und Technologietransfer, das Klinikum und die Notfallversorgung, die weitere Entwicklung der Kliniklandschaft sowie Transparenz und politische Entscheidungswege. Die jeweiligen Artikel finden Sie auf www.o-thoene.de.
Weitere Fraktionen des Ingolstädter Stadtrates sind ebenfalls zu ausführlichen Gesprächen angefragt. Auch über diese wird dann in gleicher Form berichtet.