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Gesetzliche Krankenversicherung: Neue Finanzierungslücke

Der gesetzlichen Krankenversicherung droht eine neue Finanzierungslücke. Nach einer Projektion des Berliner IGES Instituts könnten den Krankenkassen im Jahr 2027 bis zu zwölf Milliarden Euro fehlen. Für Versicherte und Arbeitgeber würde das voraussichtlich einen weiteren Anstieg der Beiträge bedeuten.

Konkret veranschlagt IGES für 2027 einen ungedeckten Finanzbedarf von 11,8 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sollte diese Lücke nicht geschlossen werden, könnte der durchschnittliche Beitragssatz um rund 0,6 Prozentpunkte steigen. Ausgehend von einem ausgabendeckenden Zusatzbeitrag von 3,08 Prozent im Jahr 2026 läge der Gesamtbeitragssatz damit im kommenden Jahr bei etwa 18,3 Prozent. Für 2033 prognostizieren die Wissenschaftler einen Wert von mehr als 20 Prozent.

Auch die soziale Pflegeversicherung steht vor zusätzlichen Belastungen. Für 2027 rechnet IGES dort mit Mehrausgaben von 5,5 Milliarden Euro. Der Beitragssatz könnte um 0,3 Punkte auf 4,1 Prozent steigen und bis 2033 auf rund fünf Prozent anwachsen.

Insgesamt könnten die Sozialabgaben weiter deutlich zulegen. Für alle vier Zweige der Sozialversicherung – Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung – berechnet IGES für 2027 eine Gesamtbelastung von 43,6 Prozent. Bis 2035 könnte erstmals die Marke von 50 Prozent erreicht werden.

Als Hauptursachen nennt die Studie ein anhaltend starkes Ausgabenwachstum sowie den Wegfall befristeter Stützungsmaßnahmen des Bundes. In der Krankenversicherung wirken sich unter anderem das Auslaufen eines Bundesdarlehens, frühere Sparbeschlüsse und zusätzliche Ausgaben im Apothekenbereich aus. Kurzfristige Finanzhilfen könnten die Entwicklung allenfalls dämpfen, nicht aber dauerhaft stoppen, heißt es in der Analyse.

Die DAK-Gesundheit fordert daher einen dreistufigen Stabilitätspakt für die gesetzliche Krankenversicherung. Vorgesehen ist zunächst eine an den Einnahmen orientierte Begrenzung der Ausgaben. Ergänzend plädiert die Krankenkasse für eine stärkere Steuerfinanzierung einzelner Leistungen, etwa durch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Langfristig sollen Struktur- und Versorgungsreformen folgen, um Effizienzreserven zu heben.

Ende März will eine vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Kommission Vorschläge für Finanz- und Strukturreformen der gesetzlichen Krankenversicherung vorlegen. Von ihren Ergebnissen hängt ab, ob weitere Beitragssprünge abgewendet werden können.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der DAK; redaktionell bearbeitet.

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