Anzeige

Großalarm nach Ammoniakaustritt im Schlachtbetrieb

Der Geruch war das erste Warnsignal. Als die ersten Kräfte am Donnerstagabend die Scheelestraße in Ingolstadt erreichten, lag nach Mitteilung der Feuerwehr bereits deutlich Ammoniak in der Luft. Gegen 18.45 Uhr war der Gefahrstoff in einem Schlachtbetrieb ausgetreten. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei rückten zu einem Großeinsatz aus, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte.

Die Mitarbeiter der betroffenen Firmen hatten die Gebäude zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Ein Erkundungstrupp stellte einen massiven Gasaustritt fest. Wegen der hohen Konzentration konnten die Einsatzkräfte zunächst nicht weiter in das Gebäude vordringen. Erst Trupps unter Atemschutz und in Chemikalienschutzanzügen gelangten in den Betrieb, erkundeten die Lage und lokalisierten die Ursache des Austritts. Später konnte der Austritt gestoppt werden.

Ammoniak ist ein gefährlicher Stoff für Atemwege, Augen und Haut. Er kann Husten, Brennen in Nase und Rachen, Tränenfluss und Atemnot auslösen; bei höherer Konzentration drohen schwere Verätzungen und Atemwegsschäden. Als Reinstoff ist Ammoniak zwar leichter als Luft, bei Feuchtigkeit kann es sich jedoch als Nebel binden und bodennah ausbreiten. Auch für Gewässer und Wasserorganismen ist der Stoff gefährlich.

Die Einsatzkräfte versuchten, die Ammoniakwolke mit großen Wassermengen zu binden und ihre Ausbreitung zu verringern. Zugleich wurde das weitläufige Gebäude belüftet. Mehrere Großlüfter der Werkfeuerwehr Audi kamen zum Einsatz, Türen, Tore und Fenster wurden geöffnet. Wegen der Windrichtung wurden Gebäude entlang der Ida-Noddack-Straße vorsorglich evakuiert. Die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab. Über Warn-Apps und soziale Medien wurden Anwohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und das Gebiet zu meiden.

Sieben Mitarbeiter wurden nach aktuellem Stand in umliegende Krankenhäuser gebracht, weitere 13 Personen vor Ort betreut. Auch unter den Einsatzkräften gab es Betroffene: Elf mussten rettungsdienstlich versorgt und behandelt werden, ein Feuerwehrangehöriger kam zur weiteren medizinischen Abklärung in ein Krankenhaus.

Beteiligt waren rund 160 Feuerwehrkräfte, darunter die Berufsfeuerwehr Ingolstadt, mehrere Freiwillige Feuerwehren aus dem Stadtgebiet, die Feuerwehren aus Manching und Kösching sowie die Werkfeuerwehr Audi. Der Rettungs- und Sanitätsdienst war mit 51 Helferinnen und Helfern und 24 Fahrzeugen vor Ort, außerdem Sanitätseinsatzleitung, Notärzte und Rettungswagen. Hinzu kamen zahlreiche Polizeikräfte.

Die Lüftungsmaßnahmen zogen sich wegen der Menge des ausgetretenen Ammoniaks und der Größe des Objekts bis in die frühen Morgenstunden. Danach konnte die Einsatzstelle schrittweise zurückgebaut werden. Wie es zu dem Austritt kam, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf Mitteilungen der Stadt Ingolstadt, Amt für Brand- und Katastrophenschutz, sowie ergänzenden Gefahrstoffinformationen; redaktionell bearbeitet.

Diesen Beitrag teilen