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Grundschule Ringsee: Eltern in Sorge

An der Grundschule Ringsee in Ingolstadt blieb die Klasse 3c im Schuljahr 2024/2025 über weite Strecken ohne eine fest zugewiesene Lehrkraft. Eltern berichten von fehlender Struktur, Unterrichtsausfällen und einer insgesamt belastenden Lernsituation. Das Kultusministerium verweist auf Vertretungsmaßnahmen und betont das Bemühen um Stabilisierung.

Zu Beginn des Schuljahres war der Klasse 3c eine neue Lehrkraft zugeteilt worden, die eigenen Angaben zufolge aus Brandenburg nach Bayern gewechselt war. Bereits nach zwei Wochen fiel sie krankheitsbedingt aus. Nach Angaben der Eltern meldete sich die Lehrkraft fortan wöchentlich krank, eine Rückkehr blieb aus. Das Schulamt stellte nach Elternangaben eine dauerhafte Vertretung zunächst nicht in Aussicht und verwies darauf, dass mit einer Rückkehr jederzeit zu rechnen sei. Eine solche erfolgte jedoch bis zum Schuljahresende nicht.

Den Unterricht übernahmen, so die Eltern, überwiegend zwei Vertretungskräfte – beide Lehramtsstudenten. Einer von ihnen bereitete sich auf das Realschullehramt vor, was laut Eltern zu methodischen Schwierigkeiten führte. Die Unterrichtsvorbereitung sei unzureichend gewesen, eine klare pädagogische Linie habe gefehlt. In Fächern wie Mathematik und Deutsch habe es häufige Themenwechsel gegeben, Wiederholungen und systematische Vertiefungen seien ausgeblieben. Auch Merkhefte und strukturierte Hausaufgaben seien über längere Phasen nicht verwendet worden.

Zur Beruhigung der Klassensituation sei laut Eltern versucht worden, ruhigere Kinder gezielt neben lautere zu setzen. Diese Maßnahme sei aus ihrer Sicht wirkungslos geblieben, da das eigentliche Problem in der fehlenden Kontinuität und Struktur gelegen habe.

Eltern äußern eine Vielzahl pädagogischer Bedenken. Eine Lehrkraft habe Schüler mit Rechenschwäche wiederholt vor der gesamten Klasse Aufgaben vorrechnen lassen. Dies habe bei betroffenen Kindern Schulangst und körperliche Beschwerden ausgelöst. Eine andere Lehrkraft soll die Klasse mehrfach als „dümmste, die ich je unterrichtet habe“ bezeichnet haben. Beschwerden über diese Aussagen seien von der Schulleitung, so die Elternschaft, relativiert oder nicht weiterverfolgt worden.

Zeitweise seien laut Eltern weitere Lehrkräfte stundenweise in die Klasse geschickt worden, um die Vertretung zu unterstützen. Eine nachhaltige Verbesserung habe das nicht gebracht. Die mobile Reserve, die nach den Osterferien einsprang, sei nur an drei Tagen pro Woche verfügbar gewesen. Auch diese Lehrkraft habe auf Kinder distanziert gewirkt und wenig Bindung aufgebaut.

In Gesprächen unter Eltern kursierte das Gerücht, ein Teil der Klasse solle zurückgestuft oder auf andere Klassen verteilt werden. Auch von einem Schulwechsel einzelner Familien ist die Rede. Der Zugang zu digitalen Unterrichtsinhalten der Parallelklassen sei der 3c zunächst verwehrt worden. Erst nach einer Beschwerde beim Schulamt sei ein digitales Padlet kurzfristig eingerichtet worden. Eltern vermuten, dies sei geschehen, um gegenüber dem Schulamt eine vollständige Versorgung darzustellen.

Auch organisatorisch seien Lücken spürbar gewesen: Arbeitsblätter wurden nicht geordnet abgeheftet, Inhalte blieben teilweise unbearbeitet. Proben hätten Themen enthalten, die im Unterricht kaum oder gar nicht behandelt worden seien. Ihre Korrektur habe teils mehrere Wochen gedauert. Eltern berichten von Leistungsabfällen um bis zu zwei Notenstufen.

Kritik äußern Eltern auch zum Umgang mit verletzten Kindern. Bei einem Ausflug brach sich ein Kind den Arm. Obwohl es sich früh am Morgen im Sekretariat meldete, sei es erst nach Stunden nach Hause entlassen worden. Wenige Wochen später verletzte sich ein weiterer Schüler im Sportunterricht schwer und wurde operativ behandelt.

Das Bayerische Kultusministerium teilte auf Anfrage von O-T(h)öne mit, dass die ursprünglich eingesetzte Lehrkraft ab der zweiten Schulwoche nicht mehr zur Verfügung stand. Der zunächst entstandene Vertretungsbedarf sei durch eine mobile Reserve abgedeckt worden, die jedoch ebenfalls nach kurzer Zeit ausfiel. Erst später sei eine neue Lehrkraft dauerhaft eingesetzt worden. Diese werde auch im kommenden Schuljahr die Klasse betreuen.

Auf die Frage nach dem Umfang ausgefallener Unterrichtsstunden verweist das Ministerium auf eine bayernweite Erhebung. Für einzelne Klassen lägen keine konkreten Daten vor.

Zur Aufarbeitung möglicher Lernrückstände nennt das Ministerium verschiedene Maßnahmen: zusätzliche Förderstunden im Ermessen der Schulleitung, Flexibilität durch die Differenz zwischen den 26 vorgesehenen Unterrichtswochen des Lehrplans und den 38 Schulwochen des Jahres sowie den Einsatz der sogenannten „flexiblen Stunde“ zur individuellen Förderung. Eine systematische Lernstandsdiagnostik wurde nicht genannt.

Dem Kultusministerium sind nach eigener Aussage keine Beschwerden über Lehrkräfte bekannt. Dienstaufsichtsbeschwerden würden grundsätzlich von den zuständigen Schulämtern oder Bezirksregierungen bearbeitet. Das Staatliche Schulamt in Ingolstadt habe mitgeteilt, dass derzeit keine offenen Fälle vorlägen.

Zur Kommunikation mit den Eltern erklärt das Ministerium, dass keine Pflicht zur schriftlichen Antwort bestehe. Das Verwaltungshandeln solle einfach, zweckmäßig und zügig erfolgen. Ein Elterngespräch könne eine formale Rückmeldung ersetzen. In Bezug auf mögliche Benachteiligung der Kinder wegen kritischer Äußerungen ihrer Eltern verweist das Ministerium auf die verfassungsrechtlich verankerte Gleichbehandlung und auf Kontrollmechanismen der Schulleitung.

Eltern äußern Zweifel, ob diese Prinzipien in der Praxis eingehalten werden. Sie berichten von Intransparenz im Umgang mit Leistungserhebungen, verspäteten Rückmeldungen und dem Eindruck, dass Zusatzangebote wie Ausflüge oder AGs vor allem dazu dienten, von Defiziten im Unterrichtsbetrieb abzulenken.

Ob die neue Lehrkraft den entstandenen Vertrauensverlust ausgleichen kann, ist offen. Mehr als ein Neuanfang ist dafür nötig.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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