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Hans Stachels Medienschelte

Hans Stachels Medienschelte

Kommentar

von Thomas Thöne

Man kennt den Oberbürgermeisterkandidaten der FREIEN WÄHLER, Hans Stachel, bisher in seiner politischen Funktion als Stadtrat als einen abwägenden, analysierenden Menschen, der erst überlegt, bevor er redet. Populismus war bisher nicht das Metier, in dem sich Stachel darzustellen versuchte.

Umso erstaunlicher ist der Inhalt der heutigen Pressemitteilung, die von Stachel verbreitet wurde. Zu erwarten war, nach der Berichterstattung der örtlichen Tageszeitung und der Diskussion in sozialen Netzwerken, dass Stachel nochmals deutlich die Position der FREIEN WÄHLER hervorhebt. Ferner, dass er die getroffene Entscheidung, mit der AfD zu stimmen, mit Sachargumenten verteidigt.

Was der FW-OB-Kandidat jedoch versendete war viel mehr. Er übte Medienschelte pur und dies in einer Art, die für Ingolstädter Verhältnisse neu ist. Einen Journalisten namentlich in einer Pressemitteilung anzugreifen, dessen Seriosität und Objektivität dort infrage zu stellen, ist eine neue „Qualität“, nicht nur der politischen Auseinandersetzung in unserer Stadt, sondern auch im Umgang mit Vertretern von Medien. Ein solches Agieren war bisher Vertretern der AfD, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, vorbehalten.

In Ingolstadt gab es immer schon Versuche auf Berichterstattungen Einfluss zu nehmen, durch Mails von Politikern an Redakteure, wenn ein Artikel mal nicht gefiel, diese sich nicht ausreichend wertgeschätzt oder zitiert fühlen. Anrufe beim Chef der Lokalredaktion oder beim Chefredakteur waren auch an der Tagesordnung. Einen Journalisten aber öffentlich, in der Form wie es Stachel getan hat, zu Maßregeln und in die Stiefel zu stellen, dies ist ein neuer Umgang zwischen Politikern und Redakteuren in unserer Stadt.

Sicherlich wird Stachel für seine Pressemitteilung Applaus einheimsen, allerdings nicht nur aus dem politischen Lager der FREIEN WÄHLER und der CSU, sondern insbesondere von der AfD und deren Anhängern. Letztere haben es ja nicht so mit der Pressefreiheit. Noch gut in Erinnerung sind die Bilder im Fernsehen, bei denen Demonstranten Kamerateams als Lügenpresse beschimpfen, Journalisten sogar bedroht oder angegriffen wurden. Einen solchen Umgang mit Medienvertretern sollte Stachel nicht den Weg bereiten.

Wenn man versucht für Stachels Position Verständnis zu gewinnen, ist es einleuchtend, dass er sich darüber geärgert hat, dass zur Berichterstattung keine Nachfrage bei den FREIEN WÄHLERN erfolgte, zumal diese von der harten Kritik der „Opposition“ massiv betroffen war. Da wäre aber der Griff zum Telefonhörer der bessere Weg gewesen, um den Vorgang mit dem Verfasser des Artikels bilateral zu klären.

Was Stachel, fälschlicherweise, als Frontalangriff gegen seine FREIEN WÄHLER wertet, ist tatsächlich eine politische Auseinandersetzung, die derzeit in ganz Deutschland stattfindet. Diese dreht sich um die Frage, wie soll man mit der AfD politisch umgehen, insbesondere dort, wo Mitgliedern der Partei von der Wählerschaft ein Mandat übertragen wurde.

Eine berechtigte Fragestellung in der politischen Diskussion, die der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, Markus Söder, nach einer CSU-Vorstandsklausur wie folgt beantwortet hat: "Wir haben nochmal klargemacht, dass wir jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen – und sei es nur der Kaffeeplausch in einem Kommunalparlament".

Stachels persönlicher Frontalangriff auf den Redakteur der örtlichen Tageszeitung zeigt, wie blank die Nerven in der Ingolstädter Politik, angesichts der im März 2020 stattfindenden Kommunalwahl, liegen. Dies mag zwar sein Verhalten nicht entschuldigen, aber erklären.

Nicht nur dem FW-OB-Kandidaten, sondern auch der politischen Kultur in Ingolstadt und der Arbeit zwischen Medienvertretern und Politikern, ist zu wünschen, dass Stachel zu seiner wohlbedachten Art zurückfindet.

Lesen Sie hierzu auch diese Berichterstattung: Medienschelte und politischer Rundumschlag des FW-OB-Kandidaten

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