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In Deutschland stockt die Weiterbildung

Deutschland verfehlt seine Weiterbildungsziele deutlich. Nach einer repräsentativen Befragung der Bertelsmann Stiftung planen nur 50,7 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 64 Jahren eine Weiterbildung im kommenden Jahr. Die EU empfiehlt eine Quote von 65 Prozent. Vor fünf Jahren lag der Wert in Deutschland noch bei 57 Prozent.

Die Entwicklung fällt in eine Phase tiefgreifender Umbrüche. Digitalisierung, Klimavorgaben und der demografische Wandel verändern Arbeitsprozesse und schaffen zugleich Fachkräftelücken. Weiterbildung gilt als wichtiges Instrument, um Beschäftigte auf neue Anforderungen vorzubereiten. „Der technologische Wandel nimmt immer mehr Geschwindigkeit auf, gleichzeitig stagniert die Bereitschaft zur Weiterbildung“, sagt Studienautor Martin Noack.

Die Befragung zeigt deutliche Unterschiede zwischen Bildungsgruppen. Wer bereits Weiterbildungserfahrung hat, plant häufiger weitere Schritte: Drei Viertel dieser Beschäftigten waren schon im Vorjahr aktiv, 40 Prozent verfügen über einen akademischen Abschluss. In der Gruppe ohne Weiterbildungsabsichten liegt die Vorjahresteilnahme dagegen bei 23 Prozent, nur 13 Prozent haben ein Studium abgeschlossen. Viele vermissen Anreize wie höhere Löhne oder Aufstiegschancen. Für Geringqualifizierte könnten insbesondere Teilqualifikationen neue Perspektiven öffnen.

Auch Lernbereite stoßen auf Hürden. Ein Drittel der Befragten fehlt der Überblick über Angebote oder Hinweise, welche Kurse passen könnten. Informationen zu finanzieller Förderung bleiben ebenfalls oft unklar. Die Stiftung empfiehlt, Beratungsangebote in regionalen Weiterbildungsagenturen zu bündeln und eine gemeinsame Datengrundlage für digitale Orientierungssysteme zu schaffen.

Zeit- und Kostenfaktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Ein Viertel der Befragten hält die Gebühren für zu hoch, mehr als ein Fünftel gibt Zeitmangel an. Modelle wie geförderte Bildungszeit, ein erweiterter Bildungsurlaub oder ein bundesweiter Berufsbildungsscheck könnten kurzfristig helfen.

Barrieren bestehen auch in Unternehmen. 60,8 Prozent der Beschäftigten kritisieren, dass Weiterbildung dort meist als private Angelegenheit gilt, Unterstützung durch Vorgesetzte fehlt und systematische Planung selten ist.

Transparenzhinweis: Die Berichterstattung erfolgt unter Verwendung einer Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung.

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