Ingolstädter Viktualienmarkt - Luft nach oben, viel Luft übrigens

Ingolstädter Viktualienmarkt - Luft nach oben, viel Luft übrigens

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Veröffentlichung erfolgt nicht redigiert und ungekürzt. Die Verantwortung für den Inhalt trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Matthias Schickel,
Stadtrat der CSU

Der Viktualienmarkt – seit vielen Jahren schreibt dieser Platz Geschichte. Seit vielen Jahren sorgt dieser Platz für hitzige Diskussionen. Zurecht. Handelt es sich doch um einen zentralen Raum in unserer Stadt. Er öffnet die Altstadt nach Süden zum Theater und zur Donau hin, er lässt alt und jung, Akademiker und Nichtakademiker zusammenkommen (zumindest theoretisch) und: er regt auf.

Die Gestaltung des Platzes und die Buden lassen Luft nach oben – viel Luft übrigens! Wenn man bedenkt, welche Geschichte dieser Platz hat und welchen Platz er in unserer Geschichte hat: Hier befanden sich das Judenviertel und die Synagoge im Schutz des Herzogs vor 700 Jahren, bis zur Vertreibung der Juden durch unsere „wackeren“ Vorfahren. Hier wurde eine Kapelle errichtet im Angedenken an einen vermeintlichen Frevel, den die Juden an einer Gottesmutter-Statue verübt haben sollen. Diese Untat ist im Deckenfresko der späteren Augustinerkirche „verewigt“ worden. An der Stelle, an der man die Statue, die wundersamerweise gegen die Fließrichtung angeschwemmt worden war, errichtete man nämlich ein Kloster und eine Wallfahrtskirche – eben die später so genannte Augustinerkirche. Diese wiederum wurde im April 1945 ein Opfer des Bombenkriegs und begrub über 70 Menschen unter sich. Der Stadtrat hatte sich einige Jahre später entschlossen, die Ruine abzureißen und einen Parkplatz an der Stelle zu errichten – ein Tribut an die „autogerechte“ Stadt, die damals en vogue war.

Was könnte, was sollte (!) man an dieser Stelle nicht alles machen?! Dieser Platz, den man gar nicht so nennen mag, weil ihm die Attribute eines echten Platzes abgehen, hat eine so zentrale Stellung in der Ingolstädter Geschichte, dass es unverständlich erscheint, dass in den vergangenen 70 Jahren nichts besseres daraus geworden ist als das, was man heute sieht: Die Stadt läuft hier breiartig, ohne Definition nach Süden aus, wenigstens Mittwochs und Samstags belebt durch einen echten „Viktualienmarkt“, auf dem es das zu kaufen gibt, was man auf einem solchen Markt kaufen kann: Viktualien, Lebensmittel. Ansonsten herrscht hier weitgehend betonierte Tristesse. Das traurige Denkmal an die Augustinerkirche und die verschämte Nachzeichnung der Kirche auf dem Pflaster fügen sich immerhin passend ins ärmliche Gesamtbild, das dieser „Platz“ abgibt.

Doch nun soll alles anders werden: der Platz soll aufgewertet werden. Das klingt mal wieder gut. Ob es nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht wird, wollen wir hoffen! Bajuwarische Tradition soll internationale haute cuisine treffen, garniert mit ein einer Prise Geschichte. Schön wär`s, wenn es gelingen sollte! Wenn der Platz endlich dem oben skizzierten Anspruch als sozialem Treffpunkt urbanen Lebens gerecht werden könnte – und zugleich die lange und reiche Geschichte dieses Platzes ansprechend und angemessen dargestellt würde. Das mag nach viel klingen, das ist es auch – aber das hat dieser Platz verdient! Und schlicht gesagt: Bindet auch die Bürger mit ein, die sich seit Jahren für diesen Platz engagieren, denn das muss sein! 

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