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Ingolstadt: Ernüchternde Arbeitsplatzbilanz

Die wichtigste Zahl stand auf einer Folie: 99.872. So viele sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse weist Ingolstadt für 2026 noch aus. Im Jahr 2019 waren es rund 107.500. Der angekündigte Stellenabbau bei Audi ist darin nach Angaben von Wirtschaftsreferent Georg Rosenfeld noch nicht vollständig enthalten.

Für Rosenfeld war es die letzte Stadtratssitzung als berufsmäßiger Stadtrat und Wirtschaftsreferent. Aus der städtischen Wirtschaftspolitik verabschiedet er sich damit nicht. Er bleibt der Stadt als Vorstand für Wirtschaftsförderung und Digitalisierung bei der IFG, der Ingolstädter Industrieförderungsgesellschaft, erhalten.

Dass die wirtschaftliche Zukunft der Stadt in seiner letzten Sitzung als Referent so viel Raum einnahm, nannte Rosenfeld ein „schönes Abschiedsgeschenk“. Seine Bilanz fiel allerdings ernüchternd aus.

Die CSU hatte für das Thema „Wirtschaftsstandort Ingolstadt“ ursprünglich eine eigene Sondersitzung verlangt. Dazu kam es nicht. Stattdessen stand die wirtschaftliche Lage als Tagesordnungspunkt 1 am Beginn einer regulären Stadtratssitzung.

Rosenfeld sparte auch nicht mit Kritik an den inzwischen vorliegenden Anträgen der Fraktionen. Einige seien sehr operativ, andere bewegten sich auf einer „strategischen Flughöhe“. Mit manchen würden „Eulen nach Athen“ getragen, andere Forderungen hielt er für möglicherweise nicht umsetzbar. Trotz dieser Einwände erkannte er darin vor allem eines: den politischen Willen, „dass man bei diesem Thema jetzt anpacken will“.

Der Rückgang hat längst begonnen

Nach einem Überblick über die Arbeit der IFG folgten die wirtschaftlichen Kennzahlen. Erst danach stellte Rosenfeld seine Vorschläge für die weitere Strategie vor.

„Solche Daten müssen die Grundlage einer Strategieentwicklung sein“, sagte er. Die Stadt müsse sich „datenbasiert klarmachen, auf welche Szenarien wir uns einstellen“.

Die Beschäftigtenkurve weist seit 2019 stetig nach unten. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse um 2463. Seit dem Höchststand beträgt der Rückgang 7628. Ingolstadt liegt damit erstmals seit Jahren wieder unter der Marke von 100.000.

Der angekündigte Stellenabbau bei Audi mache sich bereits bemerkbar, sei in der Statistik aber „noch nicht vollständig enthalten“, sagte Rosenfeld. Die Zahl von 99.872 könnte deshalb noch nicht den Tiefpunkt markieren.

Audi und die im Umfeld des Konzerns gewachsene Wirtschaftsstruktur haben Ingolstadt über Jahrzehnte Beschäftigung, Wohlstand und hohe Steuereinnahmen gebracht. Gerät die Automobilindustrie unter Druck, trifft das die Stadt wegen ihrer starken Abhängigkeit von dieser Branche besonders hart.

Mehr Gewerbeflächen, begrenzte Wirkung

Rosenfeld begann seine Bestandsaufnahme nicht bei null. Gewerbeflächen, Standortmarketing, Unternehmensservice, Gründungs- und Innovationsförderung, Fachkräftesicherung und Tourismus gehören bereits zum Aufgabenbereich der IFG. Bei Teilen der politischen Forderungen habe er allerdings den Eindruck, „dass das noch nicht so richtig klar ist“.

Besonders deutlich machte er das bei den Gewerbeflächen. Im Jahr 2019 verfügten Stadt und IFG zusammen über weniger als einen Hektar vermarktungsfähiger Grundstücke. Zwischen 2019 und 2021 gingen bei der IFG im Jahresdurchschnitt Anfragen Ingolstädter Unternehmen über sechs Hektar und externer Interessenten über 17 Hektar ein.

Inzwischen sieht Rosenfeld bei Stadt und IFG ein Potenzial von knapp 40 Hektar, das in den kommenden Jahren zur Verfügung gestellt werden kann. Zusammen mit privaten Grundstücken, Flächen auf dem InCampus und weiteren Potenzialen weist die Präsentation insgesamt mehr als 100 Hektar aus.

Selbst wenn sämtliche Flächen im Besitz, Erwerb oder Einflussbereich der IFG innerhalb der kommenden zehn Jahre vergeben würden, entstünden nach Rosenfelds Berechnung nur wenige Tausend zusätzliche Arbeitsplätze. Die Präsentation nennt eine Größenordnung von 2500 bis 4000. In der schriftlichen Vorlage heißt es dazu knapp: „Hier ist Realismus angesagt.“

Auch eine derzeit boomende Branche wie die Rüstungsindustrie habe „nicht annähernd das Arbeitsplatzpotenzial“, um die in der Automobilindustrie wegfallenden Stellen auszugleichen. Neuansiedlungen könnten den Rückgang abmildern. Die Größenordnung des Audi-Standorts ersetzten sie nicht.

Die Abhängigkeit bleibt

Die Automobilindustrie wird nach Rosenfelds Einschätzung auf absehbare Zeit der bestimmende Wirtschaftssektor Ingolstadts bleiben. Ihr Anteil an den Arbeitsplätzen liegt bei rund 45 Prozent. Selbst eine Verringerung auf weniger als etwa 35 Prozent hält Rosenfeld für unrealistisch.

Diversifizierung kann diese Abhängigkeit deshalb nur schrittweise verringern. Mehrere kleinere Wirtschaftsbereiche müssten wachsen, während zugleich der bestehende Automobilstandort gehalten und weiterentwickelt wird.

Unter der Überschrift „Aufbruch Ingolstadt“ stellte Rosenfeld anschließend acht Handlungsfelder vor. Die Vorschläge reichen von Robotik und Künstlicher Intelligenz über ein kommunales Zukunftsinvestitionsprogramm bis zu einer wirtschaftsfreundlicheren Verwaltung.

Rosenfeld fordert einen Sonderweg mit dem Freistaat

Der ursprüngliche Antrag der CSU zielte auch auf eine besondere Unterstützung des Wirtschaftsstandorts durch den Freistaat. Nach Rosenfelds Darstellung erfüllt Ingolstadt die Voraussetzungen der bestehenden Strukturförderprogramme nicht. Ausgenommen sind Investitionen in Hochschulen.

Für die von ihm beschriebene wirtschaftliche Sondersituation greife keines der vorhandenen Programme. Globale, nationale und branchenspezifische Krisen träfen in Ingolstadt gleichzeitig aufeinander und verstärkten sich gegenseitig.

Rosenfeld fordert deshalb einen Sonderweg mit der Staatsregierung. Die Stadt soll gemeinsam mit führenden Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften einen Forderungskatalog erarbeiten und in München vorlegen. Dazu zählt er auch eine gezielte Unterstützung Ingolstadts bei der Ansiedlung auswärtiger Unternehmen. Die Hilfe soll nach seiner Vorstellung jetzt organisiert werden, um weiteren Schaden für den Wirtschaftsstandort abzuwenden.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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