Anzeige

Ingolstadt muss sparen: Drei Festivals werden eins

Es ist ein Vorschlag, der nach Aufbruch klingt und doch aus der Not geboren ist: Ingolstadt will seine Literaturtage, Tanztage und das FEM*Festival zu einem neuen „Fleißer Festival“ zusammenlegen. Am kommenden Mittwoch entscheidet der Ausschuss für Kultur und Bildung über das Vorhaben.

Der Hintergrund ist weniger festlich. Die Stadt steht weiterhin unter erheblichem Spardruck, der Haushalt ist weiter nicht ausgeglichen. Auch die Kultur muss deshalb abermals kürzen. Weil Veranstaltungen in diesem Bereich als freiwillige Aufgabe gelten, geraten sie in Finanzkrisen besonders schnell in den Blick.

Nach dem Vorschlag des Kulturreferats sollen die drei bisherigen Formate künftig unter dem Namen der Ingolstädter Schriftstellerin Marieluise Fleißer gebündelt werden. Geplant ist ein Festival, das Literatur, Tanz, Performance, Theater, Musik und gesellschaftlichen Diskurs verbindet. Es soll sich über bis zu vier Wochen erstrecken und Themen aufgreifen, die auch Fleißers Werk prägen: Geschlechterrollen, Machtstrukturen, Anpassung, Selbstbehauptung und die Enge bürgerlicher Milieus.

Für die Stadt ist das neue Format damit mehr als eine organisatorische Neuordnung. Fleißer, in Ingolstadt geboren und eng mit der Stadt verbunden, soll zur erkennbaren kulturellen Marke werden. Beteiligt sein sollen neben dem Kulturamt unter anderem Theater, Gleichstellungsstelle, Fleißer-Haus und Fleißer-Gesellschaft. Die Verwaltung verspricht sich davon eine klarere Außenwirkung und weniger parallele Strukturen bei Technik, Personal und Werbung.

Finanziell ist der Effekt begrenzt, aber bezifferbar. Für 2027 kalkuliert die Stadt mit Einnahmen von 92.000 Euro und Ausgaben von 179.000 Euro. Das Defizit läge damit bei 87.000 Euro. Gegenüber der bisherigen Festivalstruktur, für die ein Minus von 101.000 Euro angesetzt war, ergäbe sich eine jährliche Entlastung von 14.000 Euro. Diese Einsparung ist auch für 2028 und 2029 vorgesehen.

Die Vorlage macht zugleich deutlich, wie weit die Kürzungen im Kulturbereich bereits reichen. Seit 2024 wurden Reihen eingestellt, Ticketpreise erhöht, Budgets reduziert und einzelne Veranstaltungen gestrichen. Insgesamt beziffert die Verwaltung die bereits realisierten Einsparungen auf rund 700.000 Euro pro Jahr.

Das neue Fleißer Festival soll daher nicht als zusätzliches Angebot entstehen, sondern als Ersatz für drei bestehende Reihen. Zunächst sind Konzeptentwicklung, Partnergewinnung und eine reduzierte Pilotphase vorgesehen. Ob daraus ein überregional sichtbares Kulturformat wird oder vor allem eine Sparlösung mit neuem Namen, dürfte sich erst nach den ersten Ausgaben zeigen.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

Diesen Beitrag teilen