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Ingolstadt: Pflegebedürftig – und unterversorgt?

Der Pflegebedarf in Ingolstadt wächst. Ende 2023 galten rund 5.600 Menschen als pflegebedürftig. Besonders seit der Reform des Pflegebegriffs im Jahr 2017 hat sich der Bedarf deutlich erhöht.

Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen sind älter als 65 Jahre. Nach aktuellen Berechnungen dürfte ihre Zahl bis 2043 auf über 6.500 steigen, vor allem wegen der stark wachsenden Gruppe der Hochbetagten, die überdurchschnittlich häufig auf intensive Unterstützung angewiesen ist.

Mit dieser Entwicklung befasste sich der Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Stiftungen und Familien des Stadtrates. Grundlage waren eine Pflegeanalyse für die Jahre 1999 bis 2023 sowie eine Prognose bis 2043.

Der steigende Bedarf an stationären Pflegeplätzen ist seit Jahren absehbar. Bereits ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Pflegegutachten aus dem Jahr 2017 ging bis 2035 von einem Mehrbedarf zwischen 956 und 1.383 stationären Pflegeplätzen aus, ohne sogenannte Rüstigenplätze. Unter Einbeziehung dieser Plätze wurde ein Gesamtbedarf von bis zu 1.702 Plätzen prognostiziert.

Auch andere Szenarien weisen in dieselbe Richtung. In einem 2024 veröffentlichten Szenario des Pflegegutachtens Bayern 2050 steigt die Zahl der stationär betreuten Pflegebedürftigen in Ingolstadt von 905 im Jahr 2022 auf voraussichtlich 1.351 im Jahr 2050. Die Prognosen beruhen auf unterschiedlichen Szenarien, kommen jedoch übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass der Bedarf an stationärer Pflege in Ingolstadt deutlich steigen wird.

Bereits das erste Pflegegutachten aus dem Jahr 2017 wies auf einen deutlich steigenden Bedarf hin. Wirksame Weichenstellungen durch den Stadtrat blieben jedoch aus. Der Handlungsdruck verschärft sich nun unter begrenzten finanziellen Spielräumen.

Hinzu kommt, dass stationäre Pflegeplätze bereits in der Vergangenheit abgebaut wurden. Im Jahr 2013 entfielen nach politischen Beschlüssen 146 Pflegeplätze in der Somatik, darunter 31 beschützende Plätze, sowie 82 Pflegeplätze in der Psychiatrie, davon 43 beschützend. Zudem gingen vier Kurzzeitpflegeplätze verloren. Betroffen war auch das Pflegeheim an der Sebastianstraße, dessen Areal später in private Hände überging. (Anmerkung der Redaktion: Die genannten Zahlen stammen aus einer Veröffentlichung der Stadt Ingolstadt aus dem Jahr 2005).

Die aktuellen Daten zeigen zudem eine Verschiebung der Versorgungsformen. Ambulante Angebote und Pflegegeld gewinnen weiter an Bedeutung, während der stationäre Bereich stagniert. Die Zahl der Pflegeheime ist seit Jahren nahezu konstant, die verfügbaren Plätze sind jedoch zurückgegangen. Viele rechnerisch freie Plätze gelten als nicht belegbar, unter anderem wegen fehlenden Personals.

Der Fachkräftemangel wird in den Unterlagen als zentrales Risiko benannt. Die vorgesehenen Fachkraftquoten werden seit Jahren nicht erreicht. Damit stoßen sowohl der Betrieb bestehender Einrichtungen als auch ein möglicher Ausbau an enge Grenzen.

Ergänzend wurden pflegende Angehörige befragt. Viele von ihnen sind noch erwerbstätig und übernehmen die Pflege ohne professionelle Unterstützung. Ein Großteil berichtet von hoher zeitlicher Belastung. Häufig erfolgt die Pflege in Wohnungen ohne barrierefreien Zugang.

Ob zusätzliche stationäre Pflegeplätze notwendig werden, hängt laut Prognose maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Pflegequoten und der verfügbaren Alternativen ab. Die Sitzungsunterlagen sind unter https://www4.ingolstadt.de/sessionnet/si0056.php?__ksinr=13498 abrufbar.

Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.

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