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Ingolstadt: SPD fordert Strategie – Verwaltung soll liefern

Ingolstadts Finanzlage ist dramatisch, die Autoindustrie steckt im Umbruch. Nun überbieten sich die Fraktionen im Stadtrat mit Anträgen zur wirtschaftlichen Zukunft der Stadt. Nach der CSU legt auch die SPD nach. Sie kündigt ein „wirtschaftspolitisches Zukunftspaket“ an. Die eigentliche Strategie soll jedoch weitgehend die Verwaltung ausarbeiten.

„Mit zwei Anträgen legt die SPD-Stadtratsfraktion ein wirtschaftspolitisches Zukunftspaket für Ingolstadt vor“, heißt es in ihrer Pressemitteilung. Gemeint sind die Strategie „Wirtschaftsstandort Ingolstadt 2030“ und ein kommunales Resilienz- und Frühwarnkonzept.

Die SPD steckt den Rahmen vergleichsweise detailliert ab. Bestehende Initiativen der Wirtschaftsförderung, Fachkräftesicherung und Transformation sollen gebündelt, Doppelstrukturen vermieden und neue wirtschaftliche Standbeine gestärkt werden. Die Verwaltung soll drei bis fünf Handlungsfelder auswählen, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen vorschlagen und messbare Ziele entwickeln – unter anderem beim Unternehmensservice, beim Flächenmanagement, beim Fördermittelzugang und bei der Gründungsförderung.

Für mögliche Veränderungen im automobilnahen Bereich soll das Rathaus zudem Szenarien und Handlungsoptionen vorbereiten. Arbeitsagentur, Hochschulen, Kammern, Wirtschaftsförderung und Transformationsnetzwerke sollen enger zusammenarbeiten. Regelmäßige Kennzahlen sollen den Stadtrat früher auf wirtschaftliche Risiken aufmerksam machen.

Ein ausgearbeitetes Konzept ist all das noch nicht. Die SPD nennt Themen, Akteure und Prüfaufträge, legt aber nicht fest, welche Branchen künftig Vorrang haben, welche Frühindikatoren gelten und welche Maßnahmen zuerst umgesetzt werden sollen. Auch die Finanzierung bleibt offen. Diese Entscheidungen soll im Wesentlichen das Rathaus vorbereiten.

Darin liegt ein auffälliger Widerspruch: Die Verwaltung soll zusätzliche Strategien entwickeln, Daten auswerten und zahlreiche Akteure koordinieren, während sie nach den bisherigen Sparplanungen zugleich personell erheblich verkleinert werden soll.

Die SPD verweist auf Zahlen, die den Handlungsdruck zeigen. Im Juni 2025 gab es in Ingolstadt nach ihren Angaben 102.392 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Gut 48.000 arbeiteten im Produzierenden Gewerbe, rund 40.000 am Audi-Standort. Der regionale IHK-Konjunkturindex lag im Frühjahr 2025 bei 89 Punkten und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 116 Punkten. 31 Prozent der Unternehmen planten Stellenabbau, nur neun Prozent zusätzliche Einstellungen.

Mit ihren Anträgen reiht sich die SPD in eine Debatte ein, die zuvor die CSU angestoßen hatte. Wie berichtet, forderte diese eine Sondersitzung zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Beraten werden sollten auch die Folgen für Haushalt, Arbeitsmarkt und soziale Stabilität. Hinzukommen sollten ein Dialog mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften sowie ein Maßnahmenfahrplan der Verwaltung.

In einem weiteren Antrag verlangte die CSU eine Bestandsaufnahme der Grundstücke der städtischen Wirtschaftsförderung IFG. Geklärt werden sollte, welche Flächen tatsächlich verfügbar sind, wie weit Planung und Baurecht fortgeschritten sind und welche Grundstücke für Ansiedlungen genutzt werden könnten.

Neu ist das Problem nicht. Wie bereits berichtet, beschrieb ein landesplanerisches Gutachten von Rainer Greca schon 1992 die starke Ausrichtung der Region auf die Automobilindustrie und die Risiken dieser Monostruktur. Mehr als drei Jahrzehnte später steht dieselbe Frage wieder auf der Tagesordnung.

Dass sie den Stadtrat erst unter dem Druck der Krise mit solcher Dringlichkeit beschäftigt, fällt auf. Viele Mandatsträger gehören dem Gremium seit Jahren an und haben die Wirtschaftspolitik der Stadt lange mitgestaltet. Die Abhängigkeit von Audi war weder neu noch verborgen.

Kurzfristig wird keiner der Anträge die Finanzlage der Stadt spürbar verbessern. Neue Betriebe brauchen Flächen, Baurecht, Investoren und Zeit. Selbst eine überzeugende Strategie könnte erst nach Jahren Wirkung zeigen – wenn überhaupt.

Das Problem ist im Stadtrat angekommen. Ob daraus diesmal eine belastbare Standortpolitik entsteht oder zunächst nur weitere Arbeit für eine kleiner werdende Verwaltung, ist offen.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung und zwei Anträgen der SPD-Stadtratsfraktion Ingolstadt sowie auf früherer redaktioneller Berichterstattung zu Anträgen der CSU-Stadtratsfraktion und zum Greca-Gutachten; redaktionell bearbeitet.

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