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Die finanzielle Lage der Stadt Ingolstadt spitzt sich weiter zu. Mit Stand von Mitte Januar war im Verwaltungshaushalt für 2026 eine Unterdeckung von rund 66 Millionen Euro voranschlagt.
Eine Aufstellung von öffentlichen Einrichtungen für das Haushaltsjahr 2026, die einer nichtöffentlich tagenden Arbeitsgruppe des Stadtrates vorgelegt wurde, zeigt im Detail, wie groß die Defizite zwischen Einnahmen und Ausgaben sind. Der wachsende Druck der Regierung von Oberbayern als Rechtsaufsichtsbehörde schränkt den Handlungsspielraum des Stadtrates weiter ein. Die politische Kernfrage lautet inzwischen weniger, ob Einnahmen erhöht werden, sondern wann – vor oder nach der Kommunalwahl am 8. März 2026.
Insgesamt erzielen die aufgeführten öffentlichen Einrichtungen Einnahmen von rund 37,4 Millionen Euro. Dem stehen Ausgaben von etwa 98,0 Millionen Euro gegenüber. Der Saldo: ein Defizit von rund 60,6 Millionen Euro. Viele Angebote decken ihre Kosten nur zu einem geringen Teil selbst.
Ein Blick auf die Kostendeckungsgrade zeigt, dass sich das strukturelle Defizit nicht auf einzelne Bereiche beschränkt und weite Teile des städtischen Angebots betrifft. Das Stadttheater erreicht 22,35 Prozent, das Stadtmuseum 2,11 Prozent, das Stadtarchiv 0,72 Prozent. Bürgerhäuser kommen auf 7,57 Prozent, Stadtteilbüros und Stadtteiltreffs auf 8,72 Prozent. Die Volkshochschule erreicht einen Kostendeckungsgrad von 62,78 Prozent, die Technikerschule von 56,99 Prozent. Die Sing- und Musikschule liegt bei 27,29 Prozent, die städtischen Kindertageseinrichtungen bei 49,05 Prozent. Die Stadtbücherei einschließlich Bücherbus und Schulmedienzentrale kommt auf 7,15 Prozent.
Nicht defizitär sind die Parkeinrichtungen mit Einnahmen von 1,05 Millionen Euro bei Ausgaben von 249.100 Euro, was einem Kostendeckungsgrad von 421,52 Prozent entspricht. Auch Sporthallen und Sportplätze erwirtschaften mit Einnahmen von 303.200 Euro und Ausgaben von 224.500 Euro einen Überschuss und erreichen einen Kostendeckungsgrad von 135,06 Prozent.
Weitere Angebote erreichen ebenfalls keine Kostendeckung. Die Mittagsbetreuung an Schulen erzielt Einnahmen von 2,26 Millionen Euro bei Ausgaben von 6,66 Millionen Euro, was einem Kostendeckungsgrad von 33,93 Prozent entspricht. Die Jugendherberge kommt auf Einnahmen von 268.500 Euro und Ausgaben von 750.600 Euro (35,77 Prozent). Der Wochenmarkt erreicht mit Einnahmen von 73.200 Euro und Ausgaben von 129.400 Euro einen Kostendeckungsgrad von 56,57 Prozent.
Das Bauerngerätemuseum erzielt bei Einnahmen von 41.500 Euro und Ausgaben von 540.000 Euro einen Kostendeckungsgrad von 7,69 Prozent. Das Deutsche Medizinhistorische Museum erreicht mit Einnahmen von 150.400 Euro und Ausgaben von 1,78 Millionen Euro 8,43 Prozent, das Museum für Konkrete Kunst mit Einnahmen von 41.900 Euro und Ausgaben von 2,32 Millionen Euro lediglich 1,80 Prozent.
Der Festsaal deckt mit Einnahmen von 893.000 Euro und Ausgaben von 1,17 Millionen Euro 76,03 Prozent seiner Kosten. Die Schulmedienzentrale kommt bei Einnahmen von 169.200 Euro und Ausgaben von 257.000 Euro auf einen Kostendeckungsgrad von 65,84 Prozent. Volksfeste und Dulten erreichen mit Einnahmen von 324.900 Euro und Ausgaben von 745.600 Euro einen Kostendeckungsgrad von 43,58 Prozent. Das Bestattungswesen weist Einnahmen von 2,48 Millionen Euro bei Ausgaben von 4,79 Millionen Euro auf und erreicht damit 51,78 Prozent. Die Fleischhygienegebühren liegen mit Einnahmen von 956.000 Euro und Ausgaben von 1,10 Millionen Euro bei einem Kostendeckungsgrad von 86,59 Prozent.
Vor diesem Hintergrund dürfte der Stadtrat nicht darum herumkommen, auch die Einnahmeseite stärker in den Blick zu nehmen. Gebührenerhöhungen gelten als wahrscheinlich. Gebührenanpassungen würden damit direkt auf die Bevölkerung durchschlagen. Ob und in welchem Umfang soziale Ausgleichsmechanismen vorgesehen werden, bleibt eine politische Frage.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung. Die Angaben beruhen auf Ansatzwerten für das Haushaltsjahr 2026.
