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Kammerspiele: Der Spatz in der Hand

Kammerspiele: Der Spatz in der Hand

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Stadtrat Raimund Köstler

Diese Woche waren die Kammerspiele in verschiedenen Ausschüssen des Stadtrats das große Thema. Die Diskussionen befassten sich natürlich mit dem Gebäude, dem Entwurf von Blauraum, der jedoch großen Zuspruch fand. Auch ich hatte mich damals im Wettbewerb klar für diesen Entwurf entschieden, obwohl die Platzierung sich aus meiner Sicht nicht positiv auf die Verkehrssituation an dieser Stelle auswirkt.

Die Diskussion über den Standort war deshalb  schon interessanter. Ich denke, ein Standort direkt in der Innenstadt wäre nicht notwendig. Das bestehende Stadttheater, der Hämerbau deckt den Theaterbedarf an dieser Stelle heute mehr als ausreichend ab. Eine Verteilung des Kulturangebots über das Stadtgebiet z. B. Piusviertel oder östlich des Hauptbahnhofs, wäre eine Bereicherung für die Großstadt Ingolstadt und könnte eine ganz neue Bürgerschicht für das Theater gewinnen. Auch in Innenstadtnähe hätte es Plätze mit besonderem Reiz gegeben. Hier sei der Klenzepark erwähnt, der ganz neue Möglichkeiten zur Öffnung eines Theaters ins Grüne aufgezeigt hätte. Leider wurde dieser Platz bei ersten Widerständen zu schnell aufgegeben.

Ich bin ganz klar der Meinung, dass die Standortsuche für die Kammerspiele transparenter ablaufen hätte müssen und städtebauliche Aspekte nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Sollten wir jetzt die Suche nach dem richtigen Platz aber neu anfangen, würden wir mindestens drei bis vier Jahre verlieren. Diese Zeit ist uns leider nicht mehr gegeben, da die Situation des heutigen Stadttheaters bezüglich Brandschutzes es nicht erlaubt, die Entscheidung weiter hinauszuzögern.
Es ist jetzt notwendig, eine Entscheidung für die Kammerspiele zu treffen, wenn wir nicht in Gefahr laufen wollen, dass der Theaterbetrieb eingestellt werden muss.

Die Entscheidung kann jetzt auch getroffen werden, da die Kosten mit knapp 40 Millionen Euro auf dem Tisch liegen und die Realisierbarkeit bestätigt wurde. Die Kosten werden aber nicht bei 40 Millionen Euro bleiben, es fehlen die Kosten für den notwendigen Grunderwerb. Und es ist ja auch noch geplant, den gesamten Theatervorplatz und die Schlosslände langfristig zu überplanen. Es soll der Wunsch nach einer Öffnung zur Donau und einer damit verbundenen Verkehrsberuhigung erfüllt werden. Ich bin diesbezüglich schon sehr gespannt, ob Ingolstadt „Shared Space“ kann.

Die 40 Millionen liegen für mich in einer Größenordnung, die ich für die Kammerspiele als vernünftig betrachte. Wichtig ist dabei, dass wir mit dem Siegerentwurf ein offenes Gebäude bekommen,  das an dieser Stelle optisch gut passt und auf das die Bürger auch in Zukunft stolz sein können.

Vor einer Entscheidung muss man sich aber auch fragen, was passiert, wenn man sich nicht für die Weiterführung des Projekts entscheidet. Für mich würde das bedeuten, dass wir bewusst in Kauf nehmen, dass durch die zu erwartende Schließung des Hämerbaus  mehrere Jahre größere Theateraufführungen nicht möglich sind. Was ein solcher kultureller Einbruch bedeutet, erleben wir gerade in Zeiten von Corona sehr deutlich und wir müssen diese Situation für alle Theaterfreunde nicht wiederholen.

Langfristiges Ziel sollte es natürlich sein, den Hämerbau zu sanieren und damit wieder ein großes Haus zur Verfügung zu haben. Die Kosten der Sanierung sind unklar und beruhen nur auf sehr groben Schätzungen. In der derzeitigen Situation machen die diskutierten 100 Millionen Euro Angst und lassen die Sanierung kaum vorstellbar erscheinen.
Deshalb sehe ich die Kammerspiele nicht nur als Übergangslösung, sondern als den Spatzen in der Hand, der uns die Theaterkultur in Ingolstadt rettet.

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