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Die Schließung der Ingolstädter Jugendherberge schien politisch besiegelt. Dann stellte ausgerechnet der Zweite Bürgermeister Franz Wöhrl (CSU) in der jüngsten Stadtratssitzung die Entscheidung wieder infrage. Seine CSU-Stadtratsfraktion hatte das Aus im vorausgegangenen Finanzausschuss noch geschlossen mitgetragen. Die Stadt solle noch einmal nach Einsparmöglichkeiten suchen, sagte Wöhrl – „da man es vielleicht doch noch ändern könnte“.
Eigentlich sollte der Stadtrat am Mittwoch das Ende des Herbergsbetriebs zum 31. Juli 2027 beschließen. Dazu kam es nicht. Bereits bei der Festlegung der Tagesordnung beantragte Wöhrl, den Punkt abzusetzen. „Ich bitte Sie, den Tagesordnungspunkt abzusetzen“, sagte er. Das Kavalier Zweibrücken werde nicht allein von der Jugendherberge genutzt. Unter anderem sei dort auch der Behinderten- und Versehrtensportverein des MTV untergebracht.
Wöhrl hatte das Gebäude zuvor gemeinsam mit Marc Grandmontagne, berufsmäßigem Stadtrat und Referenten für Kultur und Bildung, besichtigt. Seine Einschätzung klang deutlich weniger dramatisch als die Begründungen, mit denen die Schließung zuvor vorangetrieben worden war. Das Haus sei aktuell „nicht so dringlich zum Sanieren“, sagte Wöhrl. Die Stadt solle sich „noch ein Viertel, halbes Jahr Zeit nehmen“, um die künftige Nutzung zu klären und weitere Sparmöglichkeiten zu prüfen.
Erst klare Mehrheit für das Aus – und jetzt?
Noch eine Woche zuvor hatte der Ausschuss für Finanzen und Personal die Schließung mit großer Mehrheit empfohlen. Dagegen stimmten lediglich Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE) und Nathalie Argus (Grüne).
Bemerkenswert war das Votum schon damals. Ein Prüfbericht des städtischen Kulturamts hatte ausdrücklich von einer Schließung abgeraten. „Diese Maßnahme ist nicht zu empfehlen!“, hieß es in der Präsentation. Im Bericht selbst stand: „Diese Variante wird nicht weiterverfolgt.“ Stattdessen hatte das Kulturamt vorgeschlagen, mit zusätzlichen Kooperationen mehr Gäste zu gewinnen und die Einnahmen durch regelmäßige Preisanpassungen zu erhöhen. Wenige Tage später legte die Verwaltung dennoch eine Beschlussvorlage vor, die das Ende der Jugendherberge vorsah. Die zuvor genannten Alternativen spielten darin keine Rolle mehr.
Im Finanzausschuss erklärte Albert Wittmann (CSU), die Stadt brauche diese Jugendherberge nicht mehr; sie sei nicht mehr zeitgemäß. Veronika Peters (SPD) bezeichnete einen Aufschub als „Augenwischerei“. Es gab weitere Stimmen des Bedauerns. Das änderte am Abstimmungsergebnis allerdings nichts. GRÜNEN-Stadträtin Argus verlangte allerdings, vor einer Entscheidung zunächst die Nachnutzung des Gebäudes zu klären. Dafür nimmt sich die Stadt nun doch Zeit.
Bürgermeister Wöhrl öffnet die Tür
Der Bürgermeister beließ es nicht bei der Suche nach einer späteren Verwendung für das Kavalier. Mit seinem Vorschlag, weitere Einsparmöglichkeiten zu prüfen, stellte er auch die Schließung selbst wieder zur Disposition. Der Stadtrat hat das Aus nicht beschlossen. Ob Wöhrl lediglich nach einer günstigeren Übergangslösung sucht oder tatsächlich eine Chance für den Weiterbetrieb sieht, blieb offen. Sein Vorstoß eröffnet jedenfalls eine Möglichkeit, die nach dem Votum des Finanzausschusses kaum noch zu bestehen schien.
Die Stadt wird das Kavalier nicht einfach los
Eine Schließung beseitigt das finanzielle und bauliche Problem ohnehin nicht. Das Kavalier Zweibrücken gehört dem Freistaat Bayern. Die Stadt besitzt daran aufgrund eines Vertrags aus dem Jahr 1977 ein Erbbaurecht für 75 Jahre – bis 2052. Die Nutzung ist auf Sport- und Jugendzwecke beschränkt. Eine beliebige gewerbliche Verwertung oder eine schnelle Rückgabe des Gebäudes ist deshalb nicht ohne Weiteres möglich. Auch die Unterhaltungspflichten verschwinden nicht mit den letzten Herbergsgästen. Die Stadt muss das Gebäude weiter sichern, Schäden verhindern und einen Mindestbetrieb gewährleisten. Personal- und Gebäudekosten würden zunächst ebenfalls weiterlaufen. Ein Spareffekt entstünde erst nach und nach. Der Prüfbericht bewertete die finanziellen Vorteile einer Schließung deshalb deutlich zurückhaltender als das Haushaltssicherungskonzept. Die Stadt verlöre zunächst das Angebot – Gebäude, Vertrag und Pflichten blieben ihr erhalten.
Warum erst jetzt?
Wöhrl sprach von einem Viertel- bis zu einem halben Jahr. In dieser Zeit sollen mögliche Nachnutzungen untersucht und weitere Einsparvarianten gesucht werden. Die Prüfung ist sinnvoll. Erklärungsbedürftig ist, warum sie erst beginnt, nachdem der Finanzausschuss die Schließung bereits empfohlen hatte. Zu diesem Zeitpunkt stand keine tragfähige Nachnutzung fest. Zugleich hatte der eigene Prüfbericht konkrete Wege für einen Weiterbetrieb aufgezeigt. Warum wurden die tatsächliche Dringlichkeit der Sanierung, weitere Nutzungsmöglichkeiten und zusätzliche Einsparungen nicht abschließend geklärt, bevor das Ende der Jugendherberge politisch auf den Weg gebracht wurde?
Der Herbergsbetrieb läuft vorerst weiter. Ob Wöhrls Vorstoß die Jugendherberge rettet oder ihre Schließung nur vertagt, entscheidet sich in den kommenden Monaten.
Transparenzhinweis: Eigene Berichterstattung.