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Kassensturz: 449 Millionen Euro für Kultur bis Ende 2024

Fast eine halbe Milliarde Euro – so viel hat die Stadt Ingolstadt in den vergangenen neun Jahren in ihre Kultur investiert. Theater, Museen, Musikschulen, Märkte, Bücherbus: Die Ausgaben summieren sich zwischen 2015 und 2024 auf exakt 448.911.144,82 Euro. Die Einnahmen? 102.760.171,53 Euro. Der Rest wurde aus dem Haushalt zugeschossen. Unterm Strich stehen 346 Millionen Euro Minus – freiwillig, geplant, getragen.

Trotz Haushaltsdruck, Klinikdefizit und rückläufiger Gewerbesteuer blieb der Kulturbereich weitgehend verschont. Der Kassensturz macht deutlich: Die Stadt hat sich Kultur geleistet – nicht als Symbol, sondern als strukturpolitisches Bekenntnis.

Das Zahlenwerk, das dem Stadtrat vorliegt, stammt aus dem Finanzreferat. Es fasst sämtliche gebuchten Mittel aus Verwaltungs- und Vermögenshaushalt zusammen, inklusive Planansatz 2025. Eingeflossen sind über 30 Unterabschnitte – vom Stadttheater über Museen und Musikschule bis zu Jugendherberge und Urbankultur.

Der Preis der Dauerförderung

Der größte Teil entfällt auf laufende Kosten. Im Verwaltungshaushalt summieren sich die Ausgaben auf 378.938.529,41 Euro – darunter Betriebskostenzuschüsse, Personalaufwand, Honorare. Die Einnahmen lagen bei 92.941.391,63 Euro.

Der Vermögenshaushalt, zuständig für Bauprojekte und Investitionen, verbuchte weitere 69.972.615,41 Euro – für Maßnahmen wie das Holztheater oder das Museum für Konkrete Kunst und Design, das aktuell mit rund 60 Millionen Euro veranschlagt ist. Die Einnahmen: 9.818.779,90 Euro.
Haushalt unter Druck

Die Veröffentlichung fällt in eine Phase angespannter Finanzpolitik. In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses wird Finanzreferent Franz Fleckinger den aktuellen Stand darlegen. Bereits im Juli wurde bekannt: Die Gewerbesteuereinnahmen mussten von 79 auf 53,5 Millionen Euro korrigiert werden. Bei der Grundsteuer B fehlen 2,5 Millionen. Eine bisher nicht bezifferte Steuerrückzahlung steht bevor.

Der Haushalt 2025 wurde unter Auflagen genehmigt. Geplant sind Gebührenerhöhungen, die Einführung einer Zweitwohnungssteuer, Einsparungen bei Personal und Sachkosten – und Kürzungen im Bereich der freiwilligen Leistungen. Auch die Kultur steht dabei auf der Liste.

Was das bedeutet, zeigt ein Blick auf die laufenden Zuschüsse: Das Stadttheater liegt bei über 13,6 Millionen Euro, das Stadtmuseum bei 2,4 Millionen, die Sing- und Musikschule bei 2,1 Millionen. Selbst kleinere Einrichtungen wie das Fleißerhaus oder das Lechner Museum bleiben vollständig städtisch finanziert. Verluste entstehen auch bei Urbankultur, Festen, Märkten – und beim Festsaal.

Die Reißleine

Lange war Kulturpolitik in Ingolstadt weitgehend unstrittig. Die Etats wurden durchgewunken, Projekte bewilligt, Zuschüsse gezahlt – Jahr für Jahr. Jetzt liegt die Gesamtbilanz vor. Sie zeigt: Die Stadt hat geliefert. Doch in der desolaten Finanzlage schrumpft der Spielraum – und auch die Kultur wird ihren Sparbeitrag leisten müssen. Ob weitergezahlt wird – oder die Reißleine kommt –, ist längst keine Frage des Wollens mehr. Sondern des Könnens.

Quelle: Eigene Berichterstattung.

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