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Kinder suchen Halt bei KI – mit Risiken

Immer mehr Kinder und Jugendliche wenden sich mit persönlichen Problemen an KI-Chatbots. Was als digitale Hilfe gedacht ist, könnte neue Risiken im Medienkonsum verstärken. Darauf weist eine aktuelle Studie der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hin.

Fast acht Prozent der Minderjährigen nutzen Anwendungen wie ChatGPT gezielt gegen Einsamkeit. Unter Jugendlichen mit depressiver Symptomatik liegt der Anteil bei über 30 Prozent. Viele berichten, dem Chatbot Dinge anzuvertrauen, die sie sonst kaum jemandem erzählen würden. Ein ähnlich großer Anteil hat den Eindruck, von der KI besser verstanden zu werden als von einem Menschen.

Die Daten stammen aus einer seit 2019 laufenden Längsschnittuntersuchung, für die zuletzt rund 1.000 Familien befragt wurden. Erstmals wurde dabei auch die Nutzung von KI-Chatbots systematisch erfasst. Die Ergebnisse zeigen, wie stark sich der digitale Alltag verändert: Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen nutzt entsprechende Anwendungen mehrmals pro Woche, bei den über 15-Jährigen ist es mehr als die Hälfte mindestens einmal wöchentlich.

Neben schulischen Zwecken nennen viele Neugier und Unterhaltung als Motive. Fachleute sehen jedoch neue Gefahren. Durch die menschenähnliche Kommunikation und bestätigende Reaktionen könnten Chatbots intensive Nutzung fördern und emotionale Bindungen begünstigen. In der Forschung ist von sogenannten parasozialen Beziehungen die Rede.

Der problematische Medienkonsum insgesamt bleibt hoch. Hochgerechnet rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche nutzen soziale Medien riskant oder sind abhängig. 2025 zeigen 21,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen eine riskante Nutzung, 6,6 Prozent gelten als abhängig – ein Anstieg bei den schweren Fällen. Auch bei Onlinevideos nimmt die problematische Nutzung deutlich zu: Rund jeder Fünfte nutzt entsprechende Angebote riskant, etwa vier Prozent erfüllen die Kriterien einer Abhängigkeit.

Angesichts der Entwicklung fordert die DAK-Gesundheit schnelleres politisches Handeln. Vorstandschef Andreas Storm plädiert für rasche gesetzliche Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, möglichst noch vor der Sommerpause. Fachleute aus der Kinder- und Jugendmedizin verweisen zudem auf die Bedeutung von Medienkompetenz und wirksamer Aufsicht.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der DAK-Gesundheit; redaktionell bearbeitet.

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