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Klinik Maul: Beschluss gegen Kauf – und nun alles neu?

Die Maul-Klinik in Ingolstadt hat im August 2025 Insolvenz angemeldet. Nachdem eine Petition zum Kauf der Klinik gestartet worden war und mehrere Parteien lautstark den Erhalt oder Erwerb forderten, beauftragte Oberbürgermeister Michael Kern (CSU) das Klinikum Ingolstadt, eine mögliche Fortführung zu prüfen. Brisant daran: Schon zuvor hatte sich der Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er ist, mit einem Kauf befasst – und war mehrheitlich dagegen.

Warum also jetzt ein neuer Prüfauftrag? Und was heißt das für die Versorgung in der Stadt? Genau dazu stellte das Nachrichtenportal O-T(h)öne eine Nachfrage an die Stadt Ingolstadt – mit Fragen zu den damaligen Ablehnungsgründen, zu den aktuellen Szenarien der Notfallversorgung und zu möglichen Gesprächen mit dem Freistaat.

Die offenen Fragen

Die Fragen lagen klar auf dem Tisch. Gleich mehrere. Und nicht gerade die kleinsten: Warum hatte der Aufsichtsrat des Klinikums Ingolstadt den Kauf der Maul-Klinik schon früher abgelehnt? Welche Gründe wurden damals vorgetragen? Was wurde genau geprüft, was verworfen? Und wie verhält sich der neue Prüfauftrag des Oberbürgermeisters zu diesen alten Beschlüssen?

Dazu: Welche Szenarien gibt es für die Notfallversorgung, jenseits eines möglichen Kaufs? Welche Modelle liegen auf dem Tisch? Und schließlich: Wurden Gespräche mit dem Freistaat geführt, wenn ja mit welchem Ergebnis? Wenn nein, bis wann rechnet die Stadt damit?

Die Antwort der Stadt

Die Anfrage ging am 11. September raus, die Antwort kam am 19. Offizielle Begründung für die lange Bearbeitungszeit: Ein Ansprechpartner war im Urlaub.

Und die Antwort selbst? Eher eine Nicht-Antwort. Bestätigt wird lediglich: Ja, der Aufsichtsrat habe sich schon einmal mit der Maul-Klinik befasst. Ja, damals sei entschieden worden, nicht näher auf einen Kauf einzusteigen. Jetzt – nach der Insolvenz – habe sich die Lage verändert, deshalb werde erneut geprüft. Ergebnisse würden später im Aufsichtsrat und im Stadtrat beraten. Und mehr dürfe man leider nicht sagen, wegen Vertraulichkeit.

Mehr kam nicht.

Politische Einordnung

Von neun konkreten Unterfragen beantwortete die Stadt genau eine – und auch die nur im Allgemeinplatz. Dabei geht es nicht um Nebensächlichkeiten. Es geht um Finanzierung, rechtliche Grundlagen, Notfallversorgung. Also genau um das, was Bürgerinnen und Bürger interessiert – und worauf sie Antworten erwarten dürfen. Das Rathaus lässt prüfen. Und prüfen. Reden will keiner.

Am Ende steht also ein Lehrstück in Transparenz nach Ingolstädter Art: Wer fragt, bekommt eine Antwort – nur eben nicht auf die Frage.

Dokumentation: Fragen und Antworten

Frageblock 1 – Bereits erfolgte Prüfung im Klinikum-Aufsichtsrat

„→ Können Sie bestätigen, dass diese Prüfungen bereits stattgefunden haben?
→ Welche konkreten Ergebnisse wurden dem Aufsichtsrat dabei vorgestellt?
→ Welche sachlichen Gründe führten zur mehrheitlichen Ablehnung des Kaufs?
→ Wie verhält sich der nun erteilte neue Prüfauftrag des Oberbürgermeisters zu diesen bereits erfolgten Prüfungen?
→ Gibt es einen Aufsichtsratsbeschluss für die neuerliche Prüfung durch die Klinikum Ingolstadt GmbH? Falls nein: Auf welcher rechtlichen Grundlage des Aufsichtsratsgesetzes oder anderer Gesetze und Verordnungen hat Herr Oberbürgermeister Dr. Kern diese angeordnet?“

Antwort Stadt (wörtlich):

Es ist zutreffend, dass sich der Aufsichtsrat mit den von der Geschäftsführung geprüften Möglichkeiten des Erwerbs der Maul Klinik in der Vergangenheit bereits beschäftigt hatte und zu dem Schluss kam, dass unter den bestehenden Rahmenbedingungen einem Erwerb der Klinik zunächst nicht näher getreten werden kann.

Mit Eintritt der Insolvenz haben sich die Rahmenbedingungen nochmals deutlich verändert und es werden von Seiten der Geschäftsführung mit dem Insolvenzverwalter weitere Gespräche geführt mit dem Ziel die Möglichkeiten der Fortführung der Maul Klinik zu prüfen.

Die Ergebnisse werden im Aufsichtsrat und wegen der grundlegenden Bedeutung auch im Stadtrat abschließend beraten werden.

Weitere Details dürfen aufgrund der zugesagten Vertraulichkeit nicht offengelegt werden.“

Frageblock 2 – Konzept für die Notfallversorgung

„→ Welche Szenarien wurden bereits geprüft?
→ Welche neuen Szenarien sollen jetzt zusätzlich geprüft werden?
→ Gibt es bereits belastbare Ansätze oder Modelle, wie die Verbesserung der Notfallversorgung für Ingolstadt und im Klinikum Ingolstadt künftig organisiert werden könnte – unabhängig von einem möglichen Erwerb der Maul-Klinik?“

Antwort Stadt:
(keine Angaben in der Antwort enthalten)

Frageblock 3 – Gespräche mit dem Freistaat Bayern

„→ Gab es bereits Gespräche zwischen Stadt/Klinikum und dem Freistaat Bayern speziell zum möglichen Kauf der Maul-Klinik? Falls ja: Mit welchem Ergebnis?
→ Falls nein: Bis wann rechnet die Stadt mit einer entsprechenden Abstimmung auf Landesebene?“

Antwort Stadt:
(keine Angaben in der Antwort enthalten)

Bilanz

Insgesamt stellte O-T(h)öne zehn Unterfragen. Die Stadt beantwortete davon eine – und auch die nur allgemein. Neun Nachfragen blieben komplett offen.

Auf einen Blick:

Quelle: Eigene Berichterstattung.

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