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Klinikenfusion: Gutachten fertig – Treffen ist Stadträten unbekannt

Das zweite Gutachten zur möglichen Klinikfusion in der Region 10 ist nach Informationen von O-T(h)öne fertig. Am morgigen Freitag sollen sich die beteiligten Landräte, Oberbürgermeister und Geschäftsführer der Kliniken treffen. Der Termin soll bereits vor der Sommerpause zwischen den kommunalen Spitzen vereinbart worden sein.

Nach Informationen von O-T(h)öne bestätigt das neue Gutachten im Wesentlichen die Richtung des ersten PwC-Gutachtens. Der neue Gutachter geht allerdings deutlich tiefer. Er beschreibt konkreter, welche Maßnahmen für einen gemeinsamen Klinikverbund notwendig wären. Genau das war auch der Auftrag: Die bisherige Verbundstrategie sollte überprüft, Restrukturierungsmaßnahmen, Finanzierung, wirtschaftliche Folgen und die Struktur eines möglichen gemeinsamen Unternehmens genauer untersucht werden.

Morgen wird beraten – Termin war Stadträten unbekannt

Während Landräte, Oberbürgermeister und Klinikgeschäftsführer morgen beraten sollen, war der Termin in Teilen der Ingolstädter Kommunalpolitik nicht bekannt. Mehrere von O-T(h)öne angesprochene Kommunalpolitiker erklärten, weder vom fertigen Gutachten noch von dem Treffen gewusst zu haben. Bemerkenswert ist dabei ein rund dreieinhalbstündiges Gespräch von O-T(h)öne mit Vertretern der CSU-Stadtratsfraktion am vergangenen Freitag. Auch dort ging es ausführlich um das Klinikum. Der nun bevorstehende Termin war nicht bekannt. Das wurde O-T(h)öne heute auf Nachfrage auch aus CSU-Kreisen bestätigt.

Albert Wittmann erklärte bei dem Gespräch am vergangenen Freitag auf Nachfrage, er rechne erst im Februar 2027 mit einer Entscheidung über Fusion oder Nichtfusion. Wittmann und CSU-Fraktionsvorsitzender Christopher Hofmann gehören beide dem Aufsichtsrat des Klinikums an.

Wer bekommt die Macht – wer bezahlt?

Ein fertiges Gutachten macht noch keinen Klinikverbund. Jetzt kommen die politischen Fragen. Wer sitzt in einem gemeinsamen Aufsichtsrat? Wie werden die Sitze verteilt? Wer hat dort die Mehrheit? In Teilen der Ingolstädter Politik wird deutlich gemacht, dass die Stadt die Mehrheit behalten müsse. Es könne nicht sein, so die Argumentation, dass die Landkreise künftig darüber bestimmen, was im Klinikum Ingolstadt geschieht.

Und dann ist da das Geld. Für 2026 rechnet das Klinikum mit einem Jahresfehlbetrag von rund 24,7 Millionen Euro. Für 2027 sind bereits rund 24,1 Millionen Euro Verlust eingeplant. Geschäftsführer Jochen Bocklet hatte zudem auf gesetzlich bedingte Mindereinnahmen von rund zwölf Millionen Euro ab 2027 hingewiesen. Mit der Krankenhausfinanzierung vertraute Insider hielten deshalb sogar ein Defizit von bis zu 40 Millionen Euro für möglich.

Vor diesem Hintergrund rückt die Verteilung möglicher Defizite in den Mittelpunkt. Ingolstädter Stadtratsmitglieder fragen, ob die Stadt in einem gemeinsamen Verbund künftig auch Verluste anderer Häuser mittragen müsste – und ob sie das am Ende mehr kosten könnte, als allein für das eigene Klinikum einzustehen. Kreistagsmitglieder anderer beteiligter Gebietskörperschaften stellen die Frage genau umgekehrt: Welche finanziellen Risiken würden ihre Landkreise übernehmen, wenn sie sich mit dem hochdefizitären Klinikum Ingolstadt unter einem Dach zusammenschließen?

Offen ist, wie Mehrheiten und finanzielle Risiken in einem gemeinsamen Unternehmen verteilt werden sollen. Der Stadtrat hatte 2024 zwar ausdrücklich beschlossen, organisatorische, rechtliche und finanzielle Fragen weiter untersuchen zu lassen. Eine politische Grundsatzentscheidung über die Macht- und Defizitverteilung war damit aber nicht getroffen.

Ein Ingolstädter Stadtrat formuliert seine Kritik gegenüber O-T(h)öne drastisch: Spätestens nach dem ersten Gutachten hätte diese Grundsatzentscheidung fallen müssen. Das habe man vor der Kommunalwahl nicht gewollt. Mit dem zweiten Gutachten habe man sich „über die Kommunalwahl gerettet“.

Wer führt den Klinikverbund?

Geld, Sitze und Mehrheiten sind offenbar nicht die einzigen Punkte, die hinter den Kulissen eine Rolle spielen. Auch die operative Führung eines möglichen Klinikverbundes ist ein Thema. In Gesprächen in beteiligten Gebietskörperschaften wurden bereits Vorbehalte gegen mögliche personelle Konstellationen an der Spitze deutlich. Für einige Beteiligte dürfte deshalb auch entscheidend sein, wer einen gemeinsamen Klinikverbund künftig operativ führt.

Noch schwieriger ist Vertrauen. Kommunalpolitiker aus beteiligten Landkreisen beschreiben gegenüber O-T(h)öne die Zusammenarbeit mit Ingolstadt teilweise als belastet. Aus dem Landkreis Pfaffenhofen wird dabei auf das gemeinsam geplante Gymnasium in Manching verwiesen. Ingolstadt hatte Manching zunächst selbst favorisiert, zog sich 2025 dann unter Hinweis auf die eigene Finanzlage aus dem Projekt zurück. Gesprächspartner aus dem Landkreis bezeichnen diesen Vorgang bis heute als wenig vertrauensfördernd.

VGI und Kösching: Weitere Konfliktpunkte

Auch beim Verkehrsverbund VGI ist die künftige Lastenverteilung zwischen Stadt und Landkreisen nach Informationen aus politischen Kreisen noch nicht geklärt. Eine Einigung gibt es demnach bislang nicht. Aus Ingolstädter Parteikreisen ist zudem zu hören, dass es bei Akteuren der Stadt Überlegungen geben soll, Ingolstadt möglicherweise ganz aus dem VGI herauszuführen. Einen öffentlichen Beschluss oder eine entsprechende Erklärung der Stadt gibt es bislang nicht.

Offen ist auch eine finanzielle Frage mit dem Landkreis Eichstätt. Seit August wird in Kösching keine stationäre Notaufnahme mehr betrieben. Die ambulante Notfallversorgung besteht weiter. Das Klinikum Ingolstadt übernimmt zusätzliche Aufgaben und baut seine Notaufnahme aus. Schon 2025 wurde eine Beteiligung des Landkreises an Investitions- und Betriebskosten gefordert. Eine abschließende Einigung über dessen finanziellen Beitrag soll nach Informationen aus politischen Kreisen weiterhin fehlen.

Zwei Gutachten – rund drei Millionen Euro?

Billig ist der bisherige Prozess nicht. Personen aus der Klinikberatungsbranche schätzen gegenüber O-T(h)öne die bisherigen Kosten der beiden Gutachten auf insgesamt rund drei Millionen Euro. Öffentlich überprüfen lässt sich die Summe nicht. Auch der tatsächliche Auftragswert des aktuellen Gutachtens wurde nicht veröffentlicht. Für die aktuelle Untersuchung hatte der Freistaat eine Förderung von bis zu 500.000 Euro in Aussicht gestellt. Der Förderantrag wurde inzwischen bewilligt. Welche Summe tatsächlich fließt, wurde öffentlich nicht genannt.

Hinzu kommt der Aufwand in den Kliniken selbst. Aus gut informierten Kreisen ist von mehreren tausend Arbeitsstunden für beide Gutachten die Rede. Daten mussten erhoben, geprüft, zusammengestellt und für die Berater aufbereitet werden.

Als eine der treibenden Kräfte für einen gemeinsamen Klinikverbund gilt in politischen Kreisen Eichstätts Landrat Alexander Anetsberger. Doch auch er braucht politische Mehrheiten. Ob sich im Eichstätter Kreistag genügend Stimmen für einen Zusammenschluss finden, ist ebenso offen wie die Mehrheiten in Ingolstadt und den anderen beteiligten Gebietskörperschaften.

Plan B wird schon vorbereitet

Und einige warten offenbar nicht darauf, wie dieser Prozess endet. Nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen arbeiten einige Landkreiskliniken bereits an einem Plan B. Scheitert der große Verbund, müssten andere Partner gesucht werden. Möglichkeiten dafür gebe es auf dem Krankenhausmarkt. Als weitere Lösung wird in diesen Kreisen eine Zusammenarbeit über medizinische Kooperationsverträge mit dem Klinikum Ingolstadt präferiert. Zusammenarbeit also – aber ohne sämtliche Häuser gesellschaftsrechtlich unter ein gemeinsames Dach zu stellen. Ein Vertreter aus der Landkreispolitik beschreibt die Lage so: Solange die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Ingolstadt ungeklärt sei und Misstrauen bestehe, müsse ein Plan B in der Schublade sein, „damit wir am Ende des Prozesses nicht mit leeren Händen dastehen“.

Wieder hinter verschlossenen Türen?

Das zweite Gutachten soll nach Informationen von O-T(h)öne demnächst allen Mitgliedern des Ingolstädter Stadtrats und den Kreisräten der beteiligten Gebietskörperschaften gemeinsam vorgestellt werden. Bei der Vorstellung des ersten Gutachtens waren Öffentlichkeit und Presse ausdrücklich ausgeschlossen. Ob das diesmal wieder so sein wird, ist offen. Gerade in Ingolstadt wird derzeit viel über mehr Transparenz gesprochen.

Morgen beraten zunächst Landräte, Oberbürgermeister und Klinikgeschäftsführer. Danach beginnt der schwierigere Teil. Zwei Gutachten können Strukturen untersuchen, Modelle bewerten und finanzielle Folgen berechnen. Politische Mehrheiten schaffen können sie nicht. Und genau die braucht es jetzt.

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