Anzeige

Klinikfusion abgesagt? – GRÜNE kontern CSU

Die CSU Ingolstadt hat gestern Abend in einem Vorstandsbeschluss eine Fusion aller Kliniken der Region – inklusive des Klinikums Ingolstadt – kategorisch ausgeschlossen. Damit stellt sie sich offen gegen das teure PwC-Gutachten, das genau diese Fusion als Zukunftsmodell empfohlen hatte. Für die Christsozialen kommt nur eine lose Kooperation mit den Landkreiskliniken infrage – eine Fusion mit dem Klinikum bleibt Tabu.

Das Nachrichtenportal O-T(h)öne hat dazu die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN befragt. Antworten gab der Co-Fraktionsvorsitzende Christoph Spaeth – selbst Arzt und Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums. Seine Stellungnahmen dokumentieren wir ungekürzt und unredigiert.

Gesamtbewertung: Wie bewerten Sie die Pressemitteilung der CSU in ihrer Gesamtheit?

Wir begrüßen es, dass sich die CSU Gedanken zur Gesundheitsversorgung in Ingolstadt macht. Sinnvollerweise berät man sich erst mit mehreren Experten, die sich in der aktuellen Gesundheitspolitik auskennen, um dann Forderungen aufzustellen. Dieses Verfahren umzudrehen halten wir nicht für sinnvoll.

PwC-Gutachten: Das von den Kommunen gemeinsam beauftragte Strukturgutachten zur Gesundheitsversorgung soll nach den Aussagen der CSU „nicht weiterverfolgt“ werden. Wie beurteilen Sie diese Absage?

Es gab von allen Seiten ein klares Bekenntnis zu einer gemeinsamen Medizinstrategie für die Region 10. Mit diesem „Aufkündigen“ fällt der Kreisverband seinem eigenen OB, der Bürgermeisterin Deneke-Stoll und Aufsichtsratsmitglied Albert Wittmann in den Rücken, da sich diese immer für die Ausgestaltung des Klinikgutachtens ausgesprochen haben. Ebenso bleibt abzuwarten, wie die Landkreise darauf reagieren.

Vier Ziele: Halten Sie die von der CSU formulierten vier Punkte (24/7-Notfallversorgung, Ausbau zum Maximalversorger, gleichzeitige Defizitreduzierung, Erhalt der Maul-Klinik) für realistisch und miteinander vereinbar?

Die Ziele sind nicht verständlich. Die Notfallversorgung 24/7 ist durch die hausärztlichen Praxen, das Klinikum Ingolstadt, die Rettungsdienste (BRK/Feuerwehr/Audi) und die GOIN Notfallpraxis/ KVB Notdienst in hoher Qualität und hohem Einsatz gewährleistet. Es entsteht durch diese Forderung der Eindruck, dass dies nicht so ist und beschädigt damit die vielen Aktiven, die rund um die Uhr für die Ingolstädter Bürger im Einsatz sind. 

Der Ausbau des Klinikums zu einem Versorger der Stufe drei bedeutet hohe Investitionen in weitere Fachbereiche (wie HNO und Auge), sowohl baulich als auch personell. Aufgrund der zunehmenden Ambulantisierung gerade in diesen Bereichen wird das Defizit des Klinikums noch größer werden. Abgesehen von der schwierigen Personalgewinnung, wird es zu wenig Fälle in Ingolstadt geben, um eine qualitativ hochwertige Behandlung anzubieten. Die CSU verwechselt hier Quantität mit Qualität. Da zugleich Defizite abgebaut werden sollen, bedeutet dies Einsparungen zu Lasten anderer medizinischer Bereiche. Somit gefährdet die CSU Ingolstadt mit ihrer Forderung die medizinische Versorgung der Ingolstädter Bürger:innen. Der Erhalt der Maulklinik hängt aktuell vor allem vom jetzigen Eigentümer und dessen Insolvenzverwalter ab. Eine bedingungslose Übernahme ohne ein tragfähiges Zukunftskonzept lehnen wir ab.

Folgen für die Region: Welche Auswirkungen hätte eine Abkehr vom PwC-Gutachten Ihrer Einschätzung nach für die Landkreise, die Kliniken und die geplante regionale Strategie?

Die Pressemitteilung ist ein fatales Signal an die Landkreise. Im Zuge der notwendigen Umstrukturierung des Gesundheitswesens und der zunehmenden Ambulantisierung ist es sowohl für die medizinische Qualität, als auch für die Wirtschaftlichkeit wichtig, dass Ingolstadt mit den Landkreisen zusammenarbeitet und das Klinikgutachten umsetzt. Die aktuell hohe finanzielle Belastung wird für alle nicht tragbar sein. Die Alternativen sind Schließungen oder Verkäufe von Kliniken, welche auf längere Sicht gerade für die Stadt Ingolstadt teurer sind bei gleichzeitig schlechterer Versorgung. Es ist schade, dass der CSU hier der Weitblick fehlt. 

Eigene Schwerpunkte: Welche Schwerpunkte setzen Sie selbst für die Gesundheitsversorgung in Ingolstadt und der Region – insbesondere im Hinblick auf die Notfallversorgung, das Klinikum Ingolstadt und die Zukunft der Maul-Klinik?

Die Kooperation der Kliniken in der Region 10 ist auszubauen, ein weiteres Gutachten, das Rechtssicherheit geben soll, muss abgewartet werden (ebenso notwendigerweise die Kommunalwahl 2026), um dann einen Zusammenschluss bis spätestens 2028 in der Region zu erreichen. Die Notaufnahme im Klinikum Ingolstadt muss kurzfristig baulich, aber auch strukturell angepasst werden. Hierzu gehört auch eine (immer wieder geforderte) Vernetzung mit den zuweisenden Ärzten in der Region. Die Stadt Ingolstadt muss sich aktiv darum bemühen, dass die altersbedingt frei werdenden Hausarztsitze nachbesetzt werden. Dies entlastet die Kliniken und die Notfallversorgung. 

Quelle: Eigene Berichterstattung.

Diesen Beitrag teilen
Anzeige