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Klinikum: Patienten teilweise im Freien ausgeladen

Ist die Fahrzeughalle der Notaufnahme des Ingolstädter Klinikums belegt, müssen Patienten mitunter bereits in der Auffahrt aus dem Rettungswagen gebracht werden – bei Kälte, Schnee oder Regen. Auch innerhalb der Halle sind die Bedingungen problematisch. Sie ist nicht ausreichend beheizt. Nach Informationen von O-T(h)öne werden Patienten dort teilweise auf stark ausgekühlte Liegen umgelagert.

Nach vorliegenden Informationen war die Übergabesituation bereits vor längerer Zeit Thema im Aufsichtsrat des Klinikums. Auch im Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung wurde darüber diskutiert. Welche Konsequenzen die Beratungen hatten, ist nicht öffentlich bekannt.

Ein Notfallsanitäter, der regelmäßig Patienten zum Klinikum bringt, fällt ein deutliches Urteil: „Die Situation ist seit Jahren bekannt und inakzeptabel.“ Dabei denke er immer wieder an seine eigene Familie: „Ich stelle mir dann vor, ich müsste meinen alten Eltern so etwas zumuten.“

Wie häufig Patienten vor der Fahrzeughalle übergeben werden, kann das Klinikum nicht mit einer eigenen Statistik belegen. „Die Anzahl der Fälle, in denen Rettungswagen Patientinnen und Patienten vor der Fahrzeughalle übergeben haben, wird von uns nicht separat statistisch erfasst“, erklärt Stephan Steger, Direktor der Klinik für Akut- und Notfallmedizin, auf eine schriftliche Medienanfrage.

Für „detaillierte Angaben zu Einsatzzahlen, Übergabezeiten und möglichen Wartezeiten des Rettungsdienstes“ sei der zuständige Rettungsdienst der geeignetere Ansprechpartner. Gefragt wurde auch, ob solche Vorgänge sowie Warte- und Übergabezeiten systematisch dokumentiert werden und warum dies andernfalls nicht geschieht. Steger verwies lediglich auf seine vorherige Antwort.

Noch ein Winter unter schwierigen Bedingungen

Das Klinikum führt die Probleme auf die baulichen Voraussetzungen zurück. Notaufnahme, Zufahrt und Übergabebereiche stammten „aus einer Zeit, in der die Anforderungen an die Notfallversorgung deutlich anders waren als heute“. Die damaligen Planungen hätten den seinerzeit geltenden Bedürfnissen und Versorgungsstrukturen entsprochen.

Mit der geplanten Generalsanierung solle die Notfallversorgung „grundlegend neu aufgestellt“ werden. Notaufnahme, Rettungswagenzufahrt und angrenzende Funktionsbereiche würden nach den heutigen Anforderungen an eine „moderne, leistungsfähige Notfallversorgung“ neu konzipiert.

Bis dahin werde die Versorgung im bestehenden Gebäude sichergestellt. Die Mitarbeiter gewährleisteten auch unter den aktuellen räumlichen Bedingungen „eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patientinnen und Patienten“, heißt es in der Stellungnahme.

Gefragt worden war auch, wie das Klinikum unter den geschilderten Bedingungen seinem eigenen Anspruch gerecht werden will, Patienten „in guten Händen“ zu wissen. Für die Zeit bis zum Umbau nennt das Klinikum als konkrete Maßnahme lediglich ein geplantes Ampelsystem.

Eine Beheizung der Fahrzeughalle ist nicht vorgesehen. Sie sei „unter den gegebenen Bedingungen nicht praktikabel“. Wegen des ständigen Fahrzeugverkehrs und der häufig geöffneten Hallentore würde die Wärme „unmittelbar wieder entweichen“.

Die dauerhafte Lösung soll deshalb nicht in einer beheizten Halle, sondern in einer veränderten Übergabe liegen. Das Konzept sehe vor, Patienten künftig „innerhalb des Gebäudes umzulagern und zu übernehmen“. Die Übergabe könne dann „unter deutlich besseren Bedingungen“ erfolgen. Bis dahin müsse die derzeitige Situation „voraussichtlich noch über einen Winter überbrückt werden“.

Wie viele zusätzliche geschützte Übergabeplätze geschaffen werden sollen, beantwortet das Klinikum nicht. Auch zu einer wettergeschützten Anfahrt der Rettungswagen nennt es weder Zahlen noch bauliche Einzelheiten, obwohl danach ausdrücklich gefragt worden war.

Ampelsystem soll vor dem Winter kommen

Noch vor Beginn der kalten Jahreszeit 2026/2027 beabsichtigt das Klinikum eine Zwischenlösung einzuführen. Ein Ampelsystem soll den Rettungsdiensten anzeigen, „wann ein Triageplatz frei ist und Patientinnen und Patienten übernommen werden können“. Bis zur Freigabe sollen die Patienten im Rettungswagen bleiben. Sie müssten dadurch „nicht in der kalten Fahrzeughalle oder im Freien warten“, erklärt Steger. Die Aufenthaltszeit außerhalb geschützter Bereiche werde so „auf das notwendige Minimum reduziert“.

Das Ampelsystem soll verhindern, dass Patienten längere Zeit ungeschützt warten müssen. Die angekündigte Lösung wirft zugleich neue praktische Fragen auf: Wie lange bleiben Rettungswagen bis zur Freigabe gebunden? Wer steuert das Ampelsystem? Und nach welchen Kriterien wird bei mehreren gleichzeitig eintreffenden Fahrzeugen über die Reihenfolge der Übergaben entschieden? Dazu enthält die Stellungnahme keine Angaben.

Austausch – aber keine konkreten Ergebnisse

Nach Angaben Stegers steht das Klinikum „in kontinuierlichem Austausch mit dem Rettungszweckverband“, zuletzt Anfang Juli. Die Notärzte seien „zu einem überwiegenden Teil organisatorisch am Klinikum Ingolstadt verortet“. Ihre „fachlichen Erfahrungen und Anliegen“ flössen „im Rahmen der laufenden Abstimmungen selbstverständlich in die Planung ein“.

Gefragt wurde jedoch auch, welche konkreten Anforderungen des Rettungszweckverbandes, der Rettungsdienste sowie der Notärzte umgesetzt werden. Das beantwortet Steger nicht. Der allgemeine Verweis auf einen kontinuierlichen Austausch lässt nicht erkennen, welche Forderungen tatsächlich in die Planung der künftigen Anfahrts- und Übergabesituation eingeflossen sind.

Damit bleibt die Stellungnahme in entscheidenden Punkten lückenhaft. Das Klinikum kündigt für den kommenden Winter ein Ampelsystem und langfristig die Übergabe innerhalb des Gebäudes an. Wie viele geschützte Plätze entstehen, wie Rettungswagen künftig wettergeschützt anfahren sollen und welche Anforderungen der Rettungsdienste übernommen werden, teilt es nicht mit.

Auch eine belastbare Größenordnung des bisherigen Problems fehlt. Die Übergaben vor der Fahrzeughalle werden nicht separat statistisch erfasst. Ob Warte- und Übergabezeiten systematisch dokumentiert werden und warum dies andernfalls nicht geschieht, beantwortet Steger ebenfalls nicht.

Es bleibt also abzuwarten, ob Patienten künftig bereits an der Rettungsdienstzufahrt tatsächlich „in guten Händen“ sind.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel beruht auf einer per E-Mail gestellten Medienanfrage an das Klinikum Ingolstadt, dessen schriftlichen Antworten sowie ergänzenden Recherchen der Redaktion.

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