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Der Rettungswagen biegt auf die Haunwöhrer Straße in Ingolstadt ein. Blaulicht, Martinshorn, Zeitdruck. Doch er fährt nicht auf das Klinikum Ingolstadt zu. Er fährt Richtung B16. Die Integrierte Leitstelle hat die Notaufnahme des Klinikums abgemeldet.
Drinnen sitzt eine Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht, blass, schwitzend. Kein Herzstillstand, keine Reanimation, kein spektakulärer Notfall. Ein „normaler“ akuter Fall, sagen die Profis vom Rettungsdienst. Nur eben heute nicht in Ingolstadt. Das bedeutet: Weiter nach Neuburg, in die Klinik dort. Fahrzeit rund zwanzig Minuten, wenn die Strecke frei ist. Wenn nicht: länger.
Das Klinikum meldet sich immer wieder bei der Leitstelle ab
Aus dem Rettungsdienst der Region wird seit Längerem dasselbe berichtet: Das Klinikum meldet sich immer wieder bei der Integrierten Leitstelle (ILS) ab – und dann müssen Patientinnen und Patienten in weiter entfernte Kliniken gebracht werden, auch Notfälle. Abmeldungen des Ingolstädter Klinikums sind kein Ausnahmezustand. Sie sind Betriebsmodus. Nach Angaben der Integrierten Leitstelle war das Klinikum im Juli 42-mal abgemeldet. Nicht als Ausreißer, sondern als Muster.
Das bedeutet in der Praxis: Menschen aus Ingolstadt werden mit nach Pfaffenhofen, Neuburg oder Eichstätt gefahren, oder in noch weiter entfernte Kliniken. Weil im Ingolstädter Klinikum kein Platz für sie ist.
„Die Notaufnahme ist nicht geschlossen“
Im Stadtrat erklärte Andreas Tiete, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer jüngst: „Die Notaufnahme ist nicht geschlossen. Schwere Notfälle werden jederzeit versorgt.“
Das ist die offizielle Darstellung des Klinikums. Sie erklärt jedoch nicht, warum Rettungskräfte von der ILS angewiesen werden, Patientinnen und Patienten weiterzufahren. Mit Blaulicht und Martinshorn. Diese Sonderrechte dürfen nur eingesetzt werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Genau dann fährt ein Rettungswagen: von Ingolstadt weg in eine andere Klinik – nicht zum Klinikum hin.
Im absoluten Notfall immer zur Verfügung
Tiete sagte außerdem: „Das ist eine Steuerungsmaßnahme, um die Versorgung schwerer Notfälle sicherzustellen.“ Und: „Handelt es sich um einen absoluten Notfall, wird das Klinikum immer zur Verfügung stehen.“ Das heißt in der Praxis: Manche kommen sofort hinein. Andere müssen weiter. Und es bedeutet Wege. Was vorher eine kurze Strecke für viele Angehörige war, wird zum Marathon – pro Richtung.
Steuerung nach Belastung – Umleitung als System
Tiete verwies auf das Belastungsscore-System CEDOCS: „Damit ist die Entscheidung nicht von einzelnen Personen abhängig.“ Es gibt vier Schockräume: „Diese Patienten werden versorgt.“
Wenn der Arztkontakt über 90 Minuten steigt, „ergreifen wir Maßnahmen.“ Maßnahmen meint nicht Behandlung. Maßnahmen meint Umleitung.
Und der Stadtrat? Keine Geduld mehr.
Im Sitzungssaal wurde nicht herumformuliert. Es wurde gesagt, was jetzt passieren muss: Dass Menschen nicht mehr weitergefahren werden. Nicht nach Neuburg. Nicht nach Pfaffenhofen. Nicht, weil hier kein Platz ist. Dass Wartezeiten nicht mehr Überraschung sind. Und dass der Stadtrat nicht genügend informiert wird. Gefordert wurde: Berichterstattung an den Stadtrat. Regelmäßig. Wenn es passiert, wissen es alle – nicht erst hinterher.
Und jetzt? Warten oder handeln.
Bauliche Erweiterungsmaßnahmen in der Notaufnahme sollen nach Angaben des Klinikums am 17. November 2025 in Betrieb gehen und Entlastung schaffen. Die Integrierte Leitstelle wird dokumentieren, ob die Abmeldungen zurückgehen. Die Erwartung der Bevölkerung ist klar: keine Abmeldungen mehr. Notfallversorgung ist kein Verwaltungsakt. Sie entscheidet darüber, wie eine Stadt mit kranken Menschen umgeht. Wenn keine Verbesserung eintritt, muss der Stadtrat handeln und nicht reden. Schnell und dauerhaft wirksam.
Transpartenzhinweis: Eigene Berichterstattung.
