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Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) bleibt bei ihrer Linie: Die Krankenhausversorgung in Ingolstadt sei „nicht zu beanstanden“. So steht es in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage des Landtagsabgeordneten Oskar Lipp (AfD). Von Engpässen will man in München nichts wissen.
Gerlach verweist zwar auf die bekannten Baustellen – Krankenhausreform des Bundes, Fachkräftemangel, steigende Kosten –, sieht aber keinen besonderen Handlungsdruck für Ingolstadt. Im Gegenteil: Der vor Jahren angestoßene Weg der Region 10, sich mit Hilfe eines Strukturgutachtens enger abzustimmen, wird ausdrücklich gelobt. Die Region habe die Zeichen der Zeit erkannt, heißt es.
Keine Sonderrolle für Ingolstadt
Auf die Frage, ob Ingolstadt im Vergleich zu Städten mit Maximalversorgern benachteiligt sei, antwortet das Ministerium ebenfalls mit Nein. Das Klinikum halte die erweiterte Notfallversorgung (Stufe 2) vor – „ein breites Spektrum notfallrelevanter Fachabteilungen und Diagnostik“. Zudem sei Ingolstadt im Schlaganfall-Netzwerk eingebunden und Thrombektomie-Standort. Mehr brauche es aus Sicht des Freistaats nicht.
Auch eine Sonderbehandlung im Hinblick auf Klinikreform lehnt Gerlach ab: Das neue Krankenhausgesetz des Bundes sei in Arbeit, Bayern fordere zwar Nachbesserungen – etwa beim Inflationsausgleich – aber bis dahin sei alles im Lot.
Keine Zahlen zu Notfallproblemen
Und ob Patientinnen und Patienten in Ingolstadt tatsächlich regelmäßig nicht vor Ort versorgt werden können? Dazu liegen dem Ministerium keine Zahlen vor. Stattdessen verweist Gerlach auf den Rettungsdienst: 95,8 Prozent der Notfälle in der Region 10 würden innerhalb von 12 Minuten erreicht. Spitzenwert in Bayern. Blaulicht-Statistik schlägt Alltagserfahrung.
Frühere Einschätzungen bestätigt
Die Antwort Gerlachs reiht sich nahtlos ein in ihre bisherige Linie. Schon Anfang September hatte das Ministerium klargemacht: Ein Kauf der insolventen Klinik Dr. Maul durch den Freistaat sei nicht vorgesehen. Die medizinische Versorgung sei „nicht zu beanstanden“, der Betrieb laufe zunächst weiter, Gespräche über eine neue Trägerschaft seien im Gange.
Damit bliebe im Falle einer Übernahme nur die Stadt Ingolstadt – mit allen finanziellen Risiken. Der Freistaat verweist auf die gesetzliche Zuständigkeit: „Die Verantwortung für die Sicherstellung stationärer Kapazitäten obliegt in erster Linie den Landkreisen und kreisfreien Städten.“
SPD sieht Realität anders
Die SPD-Stadträte Anton Böhm und Quirin Witty sehen die Lage, wie berichtet, diametral anders. In einem Schreiben an Gerlach und OB Michael Kern kritisieren sie die ministerielle Schönfärberei: Im Klinikum würden jährlich 75.000 Notfallpatienten versorgt, im Juli habe es 42 Abmeldungen bei der Leitstelle gegeben. Wenn die Maul-Klinik wegfalle, kämen 15.000 Fälle oben drauf. Auch Kösching drohe Einschränkungen.
Von Entlastung keine Spur, warnen die beiden. Im Gegenteil: Überlastung beim Personal, lange Wartezeiten für die Patienten. Ingolstadt wachse, müsse Verantwortung für umliegende Landkreise mittragen – doch die Förderung bleibe hinter Städten wie Regensburg oder Augsburg zurück.
Als Vorbild nennen sie die Universitätsklinik Augsburg, die in die Trägerschaft des Freistaats überging. Ein Modell, von dem auch Ingolstadt profitieren könne – wenn München denn wollte.
Während die CSU in Ingolstadt die Klinikfusion schreddert und die SPD die Maul-Klinik retten will, bleibt die Staatsministerin gelassen: alles bestens. Zwischen Blaulicht-Statistik und Wartezimmer-Realität klafft eine Lücke in der Wahrnehmung.
Quelle: Eigene Berichterstattung.
