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Krankenkassen sparen – und andere müssen zahlen

Eine Kürzung hier, höhere Kosten dort: Sparmaßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung können nach Einschätzung von Ökonomen Ausgaben in anderen Teilen des Sozialstaats erhöhen. Was den Haushalt der Krankenkassen entlastet, könnte demnach die Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung belasten – oder private Haushalte.

Darauf weisen Roman Klimke vom ifo Institut und Maria Polyakova von der Stanford University in einem gemeinsamen Aufsatz hin. Sie warnen davor, Reformen allein daran zu messen, wie stark sie die Ausgaben und Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherung senken.

Der Hintergrund ist die aktuelle Debatte über die Finanzierung der Krankenkassen. Die Finanzkommission Gesundheit hat kurzfristigen Handlungsbedarf festgestellt und zum Teil weitreichende Einschnitte empfohlen. Klimke und Polyakova plädieren dafür, bei solchen Entscheidungen auch die langfristigen Folgen für Erwerbsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und öffentliche Finanzen zu berücksichtigen.

Ihr Argument: Menschen sind nicht nur Patienten, sondern zugleich Beschäftigte und Beitragszahler und können im Alter auf Leistungen der Pflege- oder Rentenversicherung angewiesen sein. Wird an einer Stelle gespart, können deshalb in einem anderen System zusätzliche Belastungen entstehen. Eine Entlastung der Krankenkassen wäre dann noch keine Einsparung für den Sozialstaat insgesamt.

Nach Angaben der Autoren berichtet fast die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen von einer langanhaltenden Krankheit. Für die Ökonomen zeigt dies, wie eng Gesundheit und Erwerbsfähigkeit gerade im höheren Alter miteinander verbunden sind.

Einen Freibrief für steigende Gesundheitsausgaben sehen sie darin nicht. Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen sollten ihrer Auffassung nach nicht solidarisch finanziert werden. Entscheidend sei vielmehr, Kosten und Nutzen nicht nur innerhalb des Haushalts der Krankenkassen zu betrachten.

Klimke und Polyakova schlagen deshalb eine umfassendere Sozialstaatsrechnung vor. Sie soll die Folgen gesundheitspolitischer Entscheidungen über die Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung sowie den Arbeitsmarkt hinweg erfassen. Erst dann lasse sich beurteilen, ob eine Reform tatsächlich Kosten senkt – oder sie lediglich verlagert.

Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung des ifo Instituts; redaktionell bearbeitet.

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