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Wer täglich mehr als achteinhalb Stunden arbeitet, engagiert sich deutlich seltener ehrenamtlich, sozial oder politisch als Menschen mit kürzeren Arbeitstagen. Eine neue Kurzstudie bringt diesen Befund nun in die Debatte über flexiblere Arbeitszeiten ein.
Die Bundesregierung will die Möglichkeit schaffen, die Höchstarbeitszeit künftig wöchentlich statt wie bisher täglich zu bemessen. Forscherinnen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, des Wissenschaftszentrums Berlin und der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft sehen darin ein mögliches Problem für gesellschaftliches Engagement.
Für ihre Untersuchung werteten sie die Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamts aus. Von Menschen mit einer täglichen Erwerbsarbeitszeit von höchstens fünfeinhalb Stunden engagieren sich demnach 14,4 Prozent. Bei mehr als achteinhalb Stunden sind es nur noch 5,7 Prozent. Auch das Alter spielt eine Rolle. Unter den 25- bis 34-Jährigen engagieren sich Frauen und Männer jeweils zu etwa acht Prozent. Im Rentenalter sind es dagegen 18 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer. Menschen mit minderjährigen Kindern beteiligen sich seltener als solche ohne Kinder; bei Müttern liegt der Anteil noch etwas niedriger als bei Vätern.
Nach Ansicht der Autorinnen zählt dabei nicht allein die Länge des Arbeitstags. Entscheidend sei auch, wie gut Beschäftigte ihre Arbeitszeit planen und selbst beeinflussen können. Wer regelmäßig nicht weiß, wann die Arbeit endet, könne feste Termine für Vereinsarbeit, politische Sitzungen oder andere Aufgaben schwerer einhalten. Hinzu komme die Belastung durch lange Arbeitstage und fehlende Erholung. Die Forscherinnen folgern daraus, dass kürzere und selbstbestimmtere Arbeitszeiten gesellschaftliches Engagement erleichtern. Einen Nachweis dafür, dass die geplante Neuregelung der Höchstarbeitszeit tatsächlich zu weniger Engagement führen wird, liefert die Untersuchung allerdings nicht.
Transparenzhinweis: Der Artikel basiert auf einer Mitteilung der Hans-Böckler-Stiftung; redaktionell bearbeitet.