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Möglichkeiten der Stadt sind begrenzt

Möglichkeiten der Stadt sind begrenzt

O-T(h)öne gibt Fraktionen und Gruppierungen im Ingolstädter Stadtrat, sowie ausgewählten Personen des gesellschaftlichen Lebens und aus dem journalistischen Bereich, in der Rubrik "Aus fremder Feder", die Möglichkeit eines Gastkommentars zur Ingolstädter Kommunalpolitik. Das Thema ist durch den Gastkommentator frei wählbar, ebenso die Länge des Textes. Die Veröffenlichung erfolgt nicht redigiert und ungekürzt. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser des Gastkommentars.

Gastkommentar von Hans Stachel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler

Die Ankündigung, dass Galeria Kaufhof in Ingolstadt schließt, war ein Schock für die ganze Stadt. Wenn ich jetzt sage, wir müssen den Blick nach vorne richten, ist das mehr als nur eine Floskel. Dabei müssen wir aber realistisch sein und vor allem nicht mehr darauf hoffen, dass es beim Eigentümer doch noch einen Sinneswandel geben wird. Demonstrationen, angeführt von den Ingolstädter Linken, werden den Eigentümer René Benko bestimmt nicht sonderlich beeindrucken.

Es ist verständlich und legitim, wenn jetzt aus allen Richtungen Ideen und Vorschläge kommen, wie das bald leerstehende Kaufhaus genutzt werden könnte. Ob Ikea, Ableger des Outlet-Centers, ob Media Markt oder Öko-Kaufhaus – alles schön und gut. Aber eines sollten wir nicht vergessen: „Die Einflussmöglichkeiten der Stadt sind da nicht so riesengroß.“ Der das sagt, weiß wovon er spricht. Das Zitat stammt aus einem Interview, das der Sprecher des bayerischen Einzelhandels, Bernd Ohlmann, dem DK gegeben hat. Der Stadt gehört ja nicht einmal das Gebäude, das wäre die Grundvoraussetzung, dass sie überhaupt Einfluss nehmen kann. Und selbst wenn es ihr gehören würde, braucht die Stadt einen unternehmerischen Partner. Es ist nun mal nicht Aufgabe einer Stadt, ein Kaufhaus zu betreiben, auch nicht ein Ökokaufhaus.

Wir müssen das Thema Innenstadt von Grund auf neu denken. Dabei deuten sich auch schon Ideen und Gemeinsamkeiten im Stadtrat an. Der Verein IN City hat sicherlich viele Aktionen gestartet, zur strategischen Weiterentwicklung der Innenstadt hat er sich in seiner bisherigen Form nicht bewährt. Es ist zu überlegen, ob neue Strukturen geschaffen werden können, möglicherweise mit einem City-Manager an der Spitze. Auch der wird keine Wunder vollbringen können, und vielleicht werden wir uns von der bisherigen Vorstellung verabschieden müssen, dass in der Fußgängerzone in jedem Gebäude ein Geschäft oder ein gastronomischer Betrieb untergebracht sein muss. Die Innenstadt von morgen sieht definitiv anders aus als die Innenstadt von heute und gestern. Aufenthaltsqualität und Atmosphäre werden eine zentrale Rolle spielen.

Auch eines muss uns klar sein – selbst, wenn es nur ein schwacher Trost ist: Ingolstadt ist mit seinen Problemen nicht allein. Der Strukturwandel im Einzelhandel – und darum geht es letztlich – trifft alle Städte mehr oder weniger hart. Es ist nicht verboten, sich Konzepte anderer Städte anzuschauen und da und dort Ideen zu klauen. Aber – und damit komme ich zum Anfang zurück – wir müssen realistisch sein und dürfen keine falschen Hoffnungen wecken. Die Meinung, die Stadt soll es richten, höre ich in vielen Gesprächen und lese ich in Leserbriefen. Um es noch einmal deutlich zu sagen: Die Stadt muss alle ihre Einflussmöglichkeiten ausschöpfen, aber diese Möglichkeiten sind begrenzt. Die Stadt ist kein Kaufhausbetreiber und wird auch keiner werden.

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